Hamburg - Merkel will offenbar von der noch jungen Tradition abweichen, zwei Fernsehduelle zwischen den Spitzenkandidaten einer Bundestagswahl zu führen. Ein Duell soll diesmal reichen, berichtet die "Bild am Sonntag" und zitiert einen nicht namentlich genannten Berater Merkels: "Mehr ist ganz einfach zeitlich nicht drin."
Eine CDU-Sprecherin wollte dazu am Sonntag nicht Stellung nehmen. Im Wahlkampf 2002 waren Schröder und sein damaliger Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) zwei Mal im Fernsehen zu Rededuellen aufeinander getroffen.
ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte dem Blatt: "Wir möchten zwei Duelle." Wenn es aber nur eines gebe, müsse "die beste Kombination der Interviewer zusammenkommen". Die Zeitung nannte Maybrit Illner (ZDF), Sabine Christiansen (ARD), Thomas Kausch (SAT.1) und Peter Kloeppel (RTL).
Meinungsforscher sind der Ansicht, dass Fernsehduelle Schröder mehr nutzen als Merkel. Der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter sagte der "Bild am Sonntag": "Wenn sich der leichte Abwärtstrend der Union in den Umfragen fortsetzt, könnte das TV-Duell sogar die entscheidenden ein bis zwei Prozent zu Ungunsten von Schwarz-Gelb bringen - zumal sich gerade unentschlossene Wähler besonders stark vom Ausgang eines solchen Zweikampfs beeinflussen lassen."
Auch der Göttinger Parteienforscher Peter Lösche sieht Schröder im Vorteil. "Der Medien-Kanzler Schröder wird wahrscheinlich selbstsicherer und staatsmännischer auftreten als Frau Merkel."
Hinter vorgehaltener Hand heißt es in der CDU-Spitze hingegen, Merkel habe den Vorteil des Underdogs. "Sie kann eigentlich nur gewinnen, weil die Erwartungen so niedrig sind".
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