Von Matthias Gebauer
Berlin - Wie schon vor der vergangenen Bundestagswahl wird Bundeskanzler Gerhard Schröder auch vor dem Urnengang im September erstmal eine One-Man-Show bei Sabine Christiansen einlegen. Ohne weitere Gäste will er am kommenden Sonntag laut einer Mitteilung der Christiansen-Redaktion Bilanz über seine bisherige Arbeit ziehen und Ausblick auf die Zeit nach der Bundestagswahl geben.
Das Solo am Sonntag war eine der Bedingungen des Kanzleramts für einen Auftritt Schröders in der ARD-Show. Auch bei der Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) hat Sabine Christiansen nach einem Einzel-Auftritt angefragt. Bisher aber habe man noch keinen Termin gefunden, hieß es aus der Redaktion. Kurz bevor Schröder am Sonntag auf Sendung geht, wird Merkel bereits im "Bericht aus Berlin" ausführlich interviewt worden sein.
Kritische Fragen braucht der Kanzler während der 90 Minuten Live-Übertragung aus einem Studio neben dem Bahnhof Zoo im Berliner Westen kaum zu erwarten. Schon in den Einzelrunden vor drei Jahren, in denen sich vor allem der damalige Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber durch stetes Stottern und mehrere Versprecher reichlich blamierte, war das Gespräch zwischen Christiansen und den jeweiligen Gästen von einer staatstragenden Atmosphäre geprägt.
Am kommenden Sonntag will Sabine Christiansen jedoch nicht nur ihre eigenen Fragen an Schröder richten. Zusätzlich hat sie sich deshalb mehrere Experten ins Studio geladen. Außerdem rief sie alle Zuschauer auf, ihre Fragen per E-Mail an die Redaktion zu senden. So sollen auch die Zuschauer eine Gelegenheit haben, den Kanzler zu löchern und ihre Meinung zu sagen.
Wann die beiden TV-Duelle zwischen den Spitzenkandidaten Schröder und Angela Merkel stattfinden, steht noch nicht fest. Über seinen Sprecher warb der Kanzler dafür, die Spielregeln diesmal etwas weniger strikt zu halten. Im Vergleich zu den vorherigen TV-Duellen solle es mehr Flexibilität gebe - vor allem im Umgang mit der Redezeit. Schröder halte weiterhin an zwei Debatten mit Merkel fest, sagte der Sprecher.
Ein Duell mit seinem ehemaligen Parteifreund Oskar Lafontaine lehnt Schröder jedoch kategorisch ab. "Eine solche Fernsehdebatte ist völlig ausgeschlossen", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Forderungen danach nannte er pure "Effekthascherei" von Seiten der Linkspartei. Für Fernseh-Diskussion mit dem Kanzler kämen ausschließlich Spitzenpolitiker in Betracht.
Der frühere SPD-Chef Lafontaine hatte über ein TV-Duell mit dem Kanzler oder dem SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering spekuliert. "Selbstverständlich wäre es für mich hochinteressant, mit meinem Nachfolger im Parteivorsitz oder dem jetzigen Parteivorsitzenden im Fernsehen zu diskutieren", sagte er. Hohe Einschaltquoten wären sicher, so Lafontaine. Schröder und Müntefering jedoch scheuten die Auseinandersetzung mit ihm "wie der Teufel das Weihwasser".
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