Frankfurt am Main - Der Bischof von Mainz bemängelte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auch die Vorschläge einiger Parteien, Reiche und Erben stärker zu besteuern.
Auch die "Unbeweglichkeit, mit der oft auf den Umbau des Sozialstaats reagiert wird, finde ich unerträglich", sagte der Kardinal. Dabei müsse der Sozialstaat umgebaut werden, "damit er erhalten werden kann". Dies werde ein "ungemütlicher Vorgang sein", räumte Lehmann ein. "Dazu braucht es Zuversicht, Kühnheit und Entschlossenheit. Es gibt aber überall in der Gesellschaft ein massives, träges Besitzstandsdenken. Leider auch 'oben'", fügte er hinzu. Auch die Kirchen seien nicht davon verschont.
Lehmann verwies auf die Schwierigkeiten der Generation der Väter und Großväter nach 1945 und was sie geleistet haben. Rhetorisch fragt er: "Glaubt man ernsthaft, den Menschen von heute könnte man nichts zumuten?" Allerdings brauche Deutschland neben einem wirtschaftlichen Aufschwung einen wirklichen Aufbruch. "Es fehlt vor allem jede verlässliche Kontinuität." Man werde "nicht umhinkommen", zu fragen, was denn eigentlich die Gesellschaft zusammenhalte. "Sonst werden wir noch mehr auseinandergesprengt - vielleicht explosiver als durch Bomben des Terrorismus."
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