Berlin - 51 Prozent der Bundesbürger glauben nicht, dass es Zeit für einen politischen Wechsel ist, ermittelte Forsa im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv. 45 Prozent meinen dagegen, es sei an der Zeit für einen Wechsel und die CDU/CSU müsse wieder die Regierung bilden.
Im Vergleich zur letzten Befragung vor zwei Wochen haben beide Ansichten je einen Prozentpunkt hinzugewonnen, teilte der Sender am Mittwoch mit. Mitte Juli hatte sich erstmals eine Mehrheit gegen einen politischen Wechsel ausgesprochen, seitdem ist die Stimmung in dieser Frage praktisch unverändert.
Für eine Koalition aus Union und FDP sind nach der Umfrage 35 Prozent, für eine große Koalition aus Union und SPD sprechen sich dagegen nur 23 Prozent aus, 19 Prozent wünschen ein Fortbestehen der rot-grünen Koalition. Nur 10 Prozent würden eine rot-rot-grüne und 5 Prozent eine Ampelkoalition befürworten.
Wie die Forsa-Umfrage weiter ergab, hat die Berufung von Paul Kirchhof als Finanzexperte in das Kompetenzteam von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel nach Ansicht von fast zwei Dritteln (64 Prozent) der Befragten CDU/CSU geschadet. Auch eine deutliche Mehrheit der Anhänger der Union (58 Prozent) und der FDP (57 Prozent) ist dieser Meinung.
Allensbach: 30 Prozent der Wähler noch unentschlossen
Das Allensbach-Institut registrierte ein Patt zwischen den politischen Lagern. Noch immer wissen demnachz 30 Prozent der Wähler nicht, wo sie am Sonntag ihr Kreuzchen machen werden.
Bei der Zweitstimmen-Wahlabsicht kam die Union laut der jüngsten Meinungsstudie im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf 41,7 Prozent und blieb damit im Vergleich zum Vormonat nahezu konstant. Die SPD legte lediglich im Monatsvergleich kräftig zu und kam auf 32,9 Prozent (Vorwoche 32,7). Ihr Zuwachs im vergangenen Monat ging dem Institut zufolge vor allem zu Lasten der kleinen Parteien. Die Grünen landeten bei 7,2 Prozent, die FDP bei 7,0 Prozent und die Linkspartei bei 8,5 Prozent.
Die Allensbach-Umfrage passt in den Gesamttrend der zuletzt veröffentlichten Umfragen. Danach verbesserte sich die SPD nach dem TV-Duell zwischen Merkel und Schröder in den Meinungsumfragen zwischenzeitlich auf bis zu 35 Prozent der Stimmen. Nach der gestern veröffentlichten Umfrage von Emnid im Auftrag von N24 gingen die Werte für die Sozialdemokraten inzwischen jedoch wieder auf 33,5 Prozent zurück. Auch Emnid hatte ein Patt zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün vorhergesagt.
Mehr als 30 Prozent der Wähler waren laut Allensbach-Umfrage kurz vor der Bundestagswahl noch unentschlossen. Laut Allensbach ist dies ein ungewöhnlich hoher Wert: Bei vorhergehenden Bundestagswahlen waren es den Angaben zufolge nur rund 20 Prozent. Ein paar Wochen vor der Wahl 2002 war laut anderen Instituten allerdings auch noch jeder dritte Wähler unentschlossen. 32 Prozent der aktuell Befragten wünschten sich eine Koalition aus Union und FDP, 23 Prozent waren für eine große Koalition und 15 Prozent für eine Fortsetzung des rot-grünen Bündnisses.
Die Vorwahl-Umfrage wurde vom 4. bis 12. September bei rund 2000 Befragten erhoben.
SPD bei Jugendlichen hoch im Kurs
Bei vielen Jugendlichen in Deutschland steht die SPD hoch im Kurs: Bei der diesjährigen "U18"-Wahl wurden die Sozialdemokraten mit 38,8 Prozent stärkste Kraft, wie das "Netzwerk U18" in Berlin mitteilte. Auf Platz zwei kam die CDU/CSU mit 16,7 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 13,8 Prozent. Die Linkspartei kam mit 11,5 Prozent auf Platz vier. Die rechtsextreme NPD landete mit 6,7 Prozent noch vor der FDP, die 5,8 Prozent schaffte. Die 48.461 Stimmzettel wurden in bundesweit 583 Wahllokalen abgegeben.
Die Beteiligung an der Jugend-Wahl war regional sehr unterschiedlich: In Berlin, wo öffentliche und freie Träger der Jugendarbeit das Projekt aus der Taufe gehoben hatte, machten über 15.000 Kinder und Jugendliche mit. In Thüringen wurden ganze zwei Stimmen abgegeben, die beide an die Linkspartei gingen. Als "Alarmsignal" wertete Projektkoordinatorin Anja Baer das Abschneiden der NPD. Die Rechtsextremen schafften in Sachsen mit 16,3 Prozent sogar den dritten Platz. Das "U18"-Projekt hatte seine Premiere bei der Bundestagswahl 2002. Damals hatten 20.000 Kinder und Jugendliche an der Aktion teilgenommen.
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