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19.09.2005
 

Kurzmeldungen

Chronik eines Wahl-Thrillers

Erinnerungen an 2002 werden wach. Sowohl SPD als auch Union melden ihren Machtanspruch an. Die Parteien stehen vor der wohl schwierigsten Regierungsbildung in der Geschichte der Bundesrepublik. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Meldungen des Abends.

+++ Knappe Sitzverteilung +++

[1.05] Die Sitzverteilung im Deutschen Bundestag ist nach wie vor insbesondere wegen der Überhangmandate ungewiss. Nach ARD-Berechnungen erhält die Union 225 Sitze, die SPD 223. Beim ZDF gehen die Wahlforscher noch von 225 zu 222 Sitzen aus. Annähernd Übereinstimmend bewerten Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) und Infratest dimap (ARD) die Sitzverteilung für die kleinen Parteien. Danach kommen FDP und Linkspartei auf 61 beziehungsweise 54 Sitze. Die Grünen liegen bei 50 (ARD) beziehungsweise 51 Sitzen (ZDF).

+++ Bund: Union vor SPD +++

[0.44] Die Union hat die Bundestagwahl 2005 knapp gewonnen, jedoch ihr Wahlziel eines Regierungswechsels zu Schwarz-Gelb verfehlt. Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis errangen CDU und CSU 35,2 Prozent (2002: 38,5) der Stimmen, die FDP kam auf 9,8 Prozent (2002: 7,4). Die SPD konnte 34,3 Prozent (2002: 38,5) verbuchen, die Grünen 8,1 Prozent (2002: 8,6). Für die Linkspartei.PDS votierten 8,7 Prozent (2002: 4,0) der Wähler. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,7 Prozent.

+++ Sachsen-Anhalt: SPD trotz Verlusten vorn +++

[0.43] Trotz herber Verluste ist die SPD bei der Bundestagswahl stärkste Partei in Sachsen-Anhalt geworden. Stark zulegen konnte die Linkspartei. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis entfielen 32,7 Prozent auf die SPD (2002: 43,2 Prozent). Die Linkspartei kam auf 26,6 Prozent (14,4). Drittstärkste Kraft wurde die CDU mit 24,7 Prozent (29,0). Die FDP kam auf 8,1 Prozent (7,6). Die Grünen verbuchten 4,1 Prozent (3,4). Die Wahlbeteiligung lag bei 71,0 Prozent (68,7). Alle zehn Direktmandate bekam die SPD.

+++ Berlin: SPD gewinnt +++

[0.40] In Berlin hat die SPD die Bundestagswahl trotz Einbußen klar gewonnen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kamen die Sozialdemokraten auf 34,4 Prozent (2002: 36,6 Prozent). Die CDU erreichte 22,0 Prozent (25,9). Dahinter lagen die Linkspartei mit 16,4 Prozent (11,4) und die Grünen mit 13,7 Prozent (14,6). Die FDP kam auf 8,2 Prozent (6,6). Die Wahlbeteiligung lag bei 77,4 Prozent (77,6).

+++ Hessen: SPD bleibt vorn +++

[0.36] Die SPD hat trotz deutlicher Verluste die Bundestagswahl in Hessen knapp vor der CDU gewonnen. Die Sozialdemokraten erreichten 35,7 Prozent (minus vier Punkte). Die CDU erzielte 33,7 Prozent (minus 3,4 Punkte). Drittstärkste Kraft wurde die FDP mit 11,7 Prozent (plus 3,4 Punkte). Die Grünen büßten bei 10,1 Prozent 0,6 Prozentpunkte ein. Die Linkspartei kam auf 5,3 Prozent (plus vier Punkte). Die Wahlbeteiligung in Hessen lag bei 78,9 Prozent. Dies waren 1,2 Prozentpunkte weniger als 2002.

+++ Tschechiens Premier: "Bemerkenswerter Erfolg für Schröder +++

[0.30] Der tschechische Regierungschef Jiri Paroubek hat im Zusammenhang mit der Bundestagswahl von einem "bemerkenswerten persönlichen Erfolg" von Schröder gesprochen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte der Sozialdemokrat Paroubek, Schröder sei ein "großer Kämpfer mit einem außergewöhnlichen Charisma". Würde der Wahlkampf noch zwei Wochen fortgesetzt, würde der Bundeskanzler sicherlich siegen. So habe es bei dem Urnengang vier Sieger gegeben: Schröder, die CDU/CSU, die FDP und auch die Linkspartei.

+++ Stoiber wirbt für schwarz-gelb-grüne Option +++

[0.20] CSU-Chef Stoiber hat auf der CSU-Wahlparty in München für Sondierungsgespräche auch mit den Grünen geworben. Die Union müsse jetzt "alle theoretischen Optionen ausloten", auch wenn sie "im Moment undenkbar erscheinen" würden, sagte er nach seiner Rückkehr aus Berlin. Andernfalls würde die Union Schröder einen Vorwand für eine Regierung mit Unterstützung der Linkspartei bieten. "Das wäre für Deutschland das Allerschlechteste, das dürfen wir nicht zulassen", sagte Stoiber. Merkel werde die SPD zu Gesprächen einladen, "aber mit der FDP auch die Grünen", sagte Stoiber und fügte hinzu: "Ich sehe enorme Schwierigkeiten inhaltlicher und personeller Art, zwischen schwarz, gelb und grün Schnittmengen zu finden." Das gelte aber auch für die SPD, zumal Schröder nicht einmal den Führungsanspruch der stärksten Fraktion akzeptieren wolle.

+++ Sachsen: CDU bleibt stärkste Partei +++

[0.15] Die CDU in Sachsen hat bei der Bundestagswahl ihre Mehrheit trotz leichter Verluste verteidigt. Die SPD verlor stark, lag aber immer noch etwas vor der Linkspartei, die deutlich hinzugewann. Nach dem Landesergebnis Sachsen des Bundeswahlleiters kam die CDU auf 30,4 Prozent (minus 3,4 Punkte), vor der SPD mit 24,3 Prozent (minus 9,0 Punkte) und der Linkspartei mit 23,0 Prozent (plus 6,9 Punkte). Die FDP nahm um 2,5 Punkte auf 9,8 Prozent zu. Die NPD überflügelte die Grünen mit einer starken Zunahme um 3,5 Punkte und kam auf 4,9 Prozent, während die Grünen nur 4,6 Prozent erreichten (plus 0,2 Punkte). Die Wahlbeteiligung ging um 2,4 Punkte auf 75,9 Prozent zurück.

+++ Namensvetter: Merkel für SPD, Schröder für CDU +++

[24.00] Parteienverwirrung um die "zweite Merkel" und den "zweiten Schröder": Die beiden Namensvettern des Bundeskanzlers und seiner Herausforderin, Ole Schröder und Petra-Evelyne Merkel, haben bei der Bundestagswahl am Sonntag ihre jeweiligen Wahlkreise gewonnen, wenn auch für die jeweils andere Partei. Petra-Evelyne Merkel gewann für die SPD im Berliner Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf ihr Mandat unangefochten mit 44 Prozent der Erststimmen. Ole Schröder kam für die CDU im schleswig-holsteinischen Wahlkreis Pinneberg auf 44,2 Prozent und konnte sich damit nur knapp gegen den SPD-Kandidaten behaupten, der 42,8 Prozent erzielte.

+++ Fini: "Unsicheres Bild" +++

[23.45] Italiens Außenminister Gianfranco Fini sieht den Ausgang der Bundestagswahl unsichere Verhältnisse: "Aus der Wahl ergibt sich ein unsicheres politisches Bild mit einer Instabilität, die dem Land sicher nicht helfen wird." Er forderte deshalb - auch mit Blick auf derzeitige Diskussionen um eine Reform des Wahlrechts in Italien - dass zukünftige Gesetze so gestaltet sein müssten, dass eine sichere Mehrheit gewährleistet ist. Zudem müsse das Wahlrecht es erlauben, schon vor dem Urnengang strikt definierte Koalitionen zu bilden, die anschließend nicht mehr verändert werden.

+++ Prognose für Dresden I +++

[23.43] Der Nachwahl im Wahlkreis Dresden I könnte am 2. Oktober eine entscheidende Bedeutung zukommen, wenn die CDU dort nicht das Direktmandat holt. Laut ARD sind hier Verschiebungen von drei Sitzen möglich. Laut einer Prognose des Wahlforschungsdienstes election.de für die "Bild am Sonntag" liegt jedoch der CDU-Kandidat Andreas Lämmel mit 36 Prozent der Stimmen im Wahlkreis 160 vorne. Die PDS-Spitzenkandidatin Katja Kipping könne mit 28 Prozent rechnen, Marlies Volkmer (SPD) mit 23 Prozent, schreibt das Blatt.

+++ Göran Persson: Schröders Anspruch ist "natürlich" +++

[23.36] Der schwedische Ministerpräsident Göran Persson hat Verständnis für den Anspruch von Schröder auf das Kanzleramt geäußert. Er freue sich, dass Schröder den Anspruch auf die Kanzlerschaft erhoben habe, sagte der Sozialdemokrat. Angesichts dieses Ergebnisses scheine dies "natürlich", fügte er hinzu. Der Wind habe sich zugunsten von Schröder gedreht. Das Ergebnis der CDU/CSU bezeichnete Persson als "katastrophal". Die deutschen Wähler hätten dem von der Union propagierten "Systemwechsel" eine Absage erteilt.

+++ Bremen: Linkspartei überflügelt FDP +++

[23.36] Die Linkspartei ist bei der Bundestagswahl in Bremen auf 8,3 Prozent (plus 6,0 Prozentpunkte) gekommen. Damit überflügelte sie die FDP, die trotz Zugewinnen von 1,4 Prozent mit 8,1 Prozent darunter blieb. Die SPD wurde nach dem Landesergebnis Bremen des Bundeswahlleiters weiterhin mit riesigem Abstand stärkste politische Kraft (43,0 Prozent) trotz Verlusten von 5,5 Punkte. Die CDU verlor 1,8 Punkte und erreichte nur noch 22,8 Prozent. Die Grünen blieben drittstärkste Partei (14,3 Prozent, minus 0,7 Punkte. Die Wahlbeteiligung ging um 3,3 Prozentpunkte auf 75,5 Prozent zurück.

+++ Mecklenburg-Vorpommern: SPD knapp vor CDU +++

[23.34] Trotz kräftiger Verluste hat die SPD bei der Bundestagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ihre Position als stärkste Partei knapp verteidigt. Die im Land regierenden Sozialdemokraten kamen nach dem vorläufigen Endergebnis auf 31,7 Prozent. Die CDU verlor auch und erreichte 29,6 Prozent. Die Linkspartei.PDS, die in Schwerin mit der SPD koaliert, legte kräftig zu und errang 23,7 Prozent. Die FDP steigerte sich auf 6,3 Prozent. Die Grünen waren mit 4,0 Prozent abgeschlagen. Die rechtsextreme NPD kam auf 3,5 Prozent.

+++ Schleswig-Holstein: SPD wieder stärkste Kraft +++

[23.31] Die SPD in Schleswig-Holstein ist wieder stärkste Partei geworden. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kamen die Sozialdemokraten bei den Zweitstimmen auf 38,2 Prozent (2002: 42,9). Die CDU erreichte nach Angaben des Landeswahlleiters 36,4 Prozent (36,0). Auf die FDP entfielen 10,1 (8,0) und auf die Grünen 8,4 (9,4) Prozent. Die mit Unterstützung der WASG angetretene Linkspartei (Ex-PDS) kam auf 4,6 Prozent (1,3). Die Wahlbeteiligung lag bei 79,2 (80,7).

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