Berlin - Die 49-jährige Renate Künast setzte sich im zweiten Wahlgang gegen ihren Ministerkollegen Jürgen Trittin mit 33 von 51 möglichen Stimmen durch. Der Umweltminister kam auf 17 Stimmen. Es gab eine Enthaltung. Kurz nach ihrer Wahl bat Künast Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) um ihre Entlassung als Ministerin. Sie wolle sich ganz dem Amt als Fraktionsvorsitzende der Grünen widmen.
Der 50-jährige Fritz Kuhn erhielt im dritten Wahlgang, bei dem er erst einstieg, 37 von 51 möglichen Stimmen. Auf Katrin Göring-Eckardt entfielen bei der Kampfabstimmung mit Kuhn zehn Stimmen. Es gab vier Enthaltungen.
Bereits am Vormittag hatte die bisherige Fraktionsvorsitzende Krista Sager ihren Verzicht auf eine Wiederwahl bekannt gegeben.
Im ersten Wahlgang hatte keiner der Bewerber die erforderliche Mehrheit von 26 Stimmen in der Bundestagsfraktion erreicht. Künast und Trittin hatten jeweils 18 Stimmen erhalten. Göring-Eckardt bekam 15 Stimmen. Die Fraktionschefs werden auf zwei Jahre gewählt. Als Parlamentarischer Geschäftsführer bestätigt wurde Volker Beck.
Mit Künast und Kuhn haben die Grünen zwei ihrer erfahrensten Politiker an die Fraktionsspitze gewählt. Die Juristin Künast und der Kommunikationswissenschaftler Kuhn standen vor fünf Jahren für sechs Monate gemeinsam an der Spitze der Partei. Sie gelten als Erfolgsduo, das die innerparteilichen Flügelkämpfe überwand.
Künast gilt als beliebteste Politikerin der Grünen nach Außenminister Joschka Fischer und hat ihrer Partei im Verbraucherschutz neues Profil verschafft. Mitarbeiter beschreiben sie als angriffslustig, herzlich, arbeitswütig und durchsetzungsstark. In der Partei genießt sie großen Rückhalt.
Kuhn wird von vielen als spröde empfunden. Anerkennung findet seine Fähigkeit, als Vordenker für die Grünen neue Themen zu entdecken und mit grünen Botschaften zu besetzen. Er steht für den Anspruch, Umweltschutz und Wirtschaftspolitik miteinander zu verbinden.
"Für uns Grüne ist jetzt ein neuer Schritt zu tun, nämlich der in die Opposition", sagte Künast. Ziel der Fraktion sei die Meinungsführerschaft in der Opposition. Kuhn kündigte eine harte und konstruktive Oppositionsarbeit an, in der er Differenzen und Schnittmengen mit anderen Parteien und der Regierung herausstellen wolle. Die Grünen wollten sich für mehr wirtschaftliche Effektivität, mehr Arbeitsplätze und soziale Gerechtigkeit einsetzen, sagte Kuhn.
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