Berlin - Es gehe "nicht um eine Person, sondern um die Handlungsfähigkeit der SPD", sagte die Parteilinke. Ausdrücklich bedauerte Nahles den Rückzug von Parteichef Franz Müntefering. Wenn gestern Abend im Parteivorstand klar gewesen wäre, dass es nicht um eine Kampfabstimmung um den Generalsekretär gehe, sondern um den Parteivorsitzenden selber, "dann wäre es nicht dazu gekommen. Da bin ich mir sicher", sagte die SPD-Politikerin.
Nahles forderte eine rasche Klärung der Führungskrise ihrer Partei. "Wir können uns eine Hängepartie nicht leisten", sagte sie. Die Parteilinke wandte sich damit auch gegen einen Vorschlag von SPD-Fraktionsvize Gernot Erler, der sich für eine Vertagung der Entscheidung ausgesprochen hatte. Als Nachfolger für den SPD-Vorsitz stünden mit den Ministerpräsidenten von Brandenburg und Rheinland-Pfalz, Matthias Platzeck und Kurt Beck, zwei "ernst zu nehmende" Kandidaten zur Verfügung. "Die werden das ohne Streit miteinander klären", sagte Nahles. Sicherlich werde es noch in dieser Woche eine Lösung geben, "die eine breite Mehrheit in der SPD findet."
Nahles hatte am Vortag eine Kampfabstimmung gegen den Wunschkandidaten von Müntefering gewonnen. Daraufhin hatte Müntefering angekündigt, beim nächsten Parteitag nicht mehr für das Amt des Parteivorsitzenden kandidieren zu wollen.
Kurz zuvor hatte noch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Nahles den Rücken gestärkt. "Ich denke, es hat sich nichts daran geändert, dass Andrea Nahles eine herausragende Persönlichkeit in der SPD ist, und ich würde mich freuen, wenn sie Generalsekretärin werden würde", sagte Wowereit dem Fernsehsender N24. Zuvor waren in der SPD Forderungen erhoben worden, die vom Vorstand als Generalsekretärin nominierte Nahles solle wegen ihrer Mitschuld an Münteferings Rückzug alle ihre Ämter niederlegen.
Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) lehnt einen Rückzug von Nahles und Heidemarie Wieczorek- Zeul aus den SPD-Spitzengremien ab. "Ich halte es für absurd, dass jetzt Wieczorek-Zeul oder Nahles zum Verzicht aufgefordert werden", sagte die ASF-Vorsitzende Elke Ferner der "tageszeitung". Ferner sieht eine Diskriminierung von Frauen: "Manche Männer in der SPD können sich komischerweise nur vorstellen, dass eine junge Frau ein Amt bekommt, wenn eine andere Frau brav den Platz räumt. Und wenn es nicht so läuft, dann werfen diese Männer beiden Frauen schnell mal Karrieresucht vor."
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