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30.11.2005
 

Deutsche Geisel im Irak

Schäuble sieht Deutschland von Terroristen bedroht

Ein Krisenstab der Bundesregierung hat auch in der Nacht fieberhaft an der Freilassung von Susanne Osthoff gearbeitet. Doch wie soll mit den Entführern im Irak umgegangen werden? Wer sind sie überhaupt? Innenminister Schäuble sieht in dem Fall eine Warnung.

Berlin - Die Entführung "zeigt, dass wir auch in Deutschland vom internationalen Terrorismus durchaus bedroht sind", sagte Schäuble (CDU) der Tageszeitung "Die Welt". Die Terroristen wollten eine Warnung an Berlin senden, meint auch der stellvertretende Leiter des Instituts für Terrorismusforschung in Essen, Kai Hirschmann: "Arbeitet nicht mit den Amerikanern und der neuen Regierung in Bagdad zusammen - das ist ihre Botschaft", sagte Hirschmann dem "Münchner Merkur". Für ihn besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Entführung und dem Regierungswechsel in Berlin: "Der Zeitpunkt der Entführung ist kein Zufall."

Innenminister Schäuble (Archiv): Eine Warnung für Deutschland
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AP

Innenminister Schäuble (Archiv): Eine Warnung für Deutschland

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz plädierte für Gespräche mit den Entführern der deutschen Archäologin. Ein "Verhandeln im zivilen Sinne" könne das nicht sein, "aber man muss mit ihnen sprechen", sagte Polenz der "Berliner Zeitung". Wenn man der Entführten helfen wolle, müsse man "sich in einem Graubereich bewegen". Ein Eingehen auf die Forderungen der Entführer lehnte der CDU-Politiker ab.

Die Bundesregierung dürfe sich nicht davon abbringen lassen, an der Stabilisierung des Irak mitzuwirken, sagte Polenz. Sonst würde sie auch gegen die deutschen Sicherheitsinteressen verstoßen. Die Zahlung eines Lösegelds schloss Polenz dagegen nicht aus. "Dann wird man darüber aber keinesfalls reden dürfen", erklärte er. Es befänden sich noch weitere Deutsche im Irak, die nicht zusätzlich gefährdet werden dürften. "Denn wenn der Irak aufgebaut werden soll, braucht es ausländische Hilfe. Und diese Hilfe kann nicht nur aus Briefen und Päckchen bestehen, da müssen auch Menschen hinkommen.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt sagte im ARD-"Morgenmagazin", er wisse nicht, "was an der Irakpolitik jetzt zu ändern wäre". Die Forderung der Entführer nach einem Abbruch der deutsch-irakischen Kontakte könne von einer demokratischen Regierung nicht erfüllt werden. "Wir bestimmen unsere Außenpolitik selbst, die können uns nicht Geiselnehmer diktieren", sagte er.

Auch die USA wollen Deutschland bei den Bemühungen um die Freilassung der 43-jährigen Deutschen unterstützen, die im Irak zusammen mit ihrem Fahrer als Geisel genommen wurde. Wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gestern nach einem Gespräch mit seiner US-Amtskollegin Condoleezza Rice in Washington sagte, würden die Vereinigten Staaten dabei "auf amerikanische Beziehungen" in der Region "zurückgreifen".

Die Anfang des Jahres im Irak entführte italienische Journalistin Giuliana Sgrena sagte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, eine Entführung sei "das blanke Entsetzen, die totale Angst". Man schwanke "permanent zwischen Hoffnung und Todesangst". Auf die Frage, dass Susanne Osthoff das Land gut kenne, fließend Arabisch spreche und zum Islam konvertiert ist, ein Vorteil sei, antwortete Sgrena: "Das könnte man annehmen. Doch auch die entführte britische Care-Mitarbeiterin Margaret Hassan brachte ähnliche Voraussetzungen mit und wurde doch im November vergangenen Jahres von Terroristen brutal ermordet. Der Verlauf einer Entführung hängt ganz wesentlich davon ab, wer die Kidnapper sind."

Die Mutter von Susanne Osthoff, Ingrid Hala, zeigte sich überzeugt, dass die Bundesregierung alle Mittel zur Befreiung ihrer Tochter ausschöpfen werde. "Mein Eindruck ist, dass alles Menschenmögliche getan wird, damit meine Tochter wieder freikommt", sagte Hala den "Ruhr Nachrichten". Aber sie wisse auch, dass die Möglichkeiten der Regierung begrenzt seien. Möglicherweise wollten die Geiselnehmer ausnutzen, dass die neue Bundesregierung erst so kurze Zeit im Amt sei, mutmaßte Hala. Ihre Tochter sei sich der großen Gefahren im Irak bewusst gewesen. "Ich als Mutter habe das akzeptiert: Wenn es sie glücklich macht, sollte es auch so sein", sagte sie.

Angaben ihrer Schwester Anja war sich Susanne Osthoff der Gefahren im Irak bewusst. "Sie wusste genau, wie gefährlich ihre Arbeit ist", sagte Anja Osthoff der "Süddeutschen Zeitung". Da sei sie sich sicher. "Auch wenn sie irgendwie fanatisch war, ihre Kräfte konnte sie gut einschätzen. Sie hatte ja jahrelange Erfahrungen in Krisengebieten."

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