Berlin - Im Berliner "Alhambra"-Kino freut man sich schon jetzt auf einen lohnenden Abend. Wie schon in den vergangenen Tagen zeigt das Kino den türkischen Streifen "Tal der Wölfe" in zwei Vorstellungen. Vermutlich wird es auch an diesem Abend wieder keine Karte mehr geben, wenn der Film anfängt. Gerade durch die intensive Berichterstattung, so ein Mitarbeiter des Kinos, kämen viel mehr Menschen als es Plätze in den Kinos gibt.
Vor allem der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber heizte am Wochenende die Debatte um den Film kräftig an. "Ich fordere die Kinobetreiber in Deutschland auf, diesen rassistischen und antiwestlichen Hass-Film sofort abzusetzen", sagte er der "Bild am Sonntag". Diesem Appell schloss sich auch der Innenminister Baden- Württembergs, Heribert Rech (CDU), an. "Der Film schürt antisemitische und antiamerikanische Ressentiments, spaltet Kulturen und radikalisiert vor allen Dingen türkische Jugendliche", sagte der Minister.
Naturgemäß erntete Stoiber mit seinem brachialen Ansatz Kritik von der lokalen Opposition. Nach Angaben von SPD-Fraktionschef Franz Maget sei eine Zensur, wie sie Stoiber fordere, der falsche Weg. Gefragt seien nicht Unterdrückung von Meinungsfreiheit, sondern die offene Auseinandersetzung und der Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen, sagte Maget.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hingegen appellierte ebenfalls an alle Kinobesitzer, den Film sofort abzusetzen. Wer den Film zeige, unterstütze den Hass auf jüdische Menschen, wird Zentralrats- Vizepräsidentin Charlotte Knobloch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zitiert.
Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) will zunächst die Jugendfreigabe des Films kippen. Am Montag werde er einen entsprechenden Antrag beim Appellationsausschuss der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) der Filmwirtschaft stellen, sagte Laschet. Die FSK selbst hatte den Film zunächst erst ab 18 freigegeben. Nach dem Einspruch des türkischen Filmverleihs musste sie die Altersbegrenzung jedoch auf 16 Jahre senken.
"Tal der Wölfe" läuft seit anderthalb Wochen in deutschen Kinos. In dem Film geht es um die Verschleppung türkischer Soldaten durch amerikanische Elitetruppen im Nordirak. Im Film rächt sich ein türkischer "Rambo" an den Amerikanern. Der Film sahen in Deutschland in den ersten zehn Tagen mehr als 200.000 überwiegend jugendliche deutsch-türkische Zuschauer.
mgb, AP, dpa
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