• Drucken
  • Senden
  • Feedback
19.02.2006
 

Tal der Wölfe

Actionfilm wird zum politischen Streitfall

Mit seinem Boykott-Aufruf gegen den Film "Tal der Wölfe" hat Edmund Stoiber einen politischen Streit ausgelöst. Manch politischer Gegner spricht von Zensur, ein NRW-Minister will hingegen eine schärfere Altersvorgabe. Die Kinobetreiber freut's: Sie rechnen nun mit noch mehr Andrang.

Berlin - Im Berliner "Alhambra"-Kino freut man sich schon jetzt auf einen lohnenden Abend. Wie schon in den vergangenen Tagen zeigt das Kino den türkischen Streifen "Tal der Wölfe" in zwei Vorstellungen. Vermutlich wird es auch an diesem Abend wieder keine Karte mehr geben, wenn der Film anfängt. Gerade durch die intensive Berichterstattung, so ein Mitarbeiter des Kinos, kämen viel mehr Menschen als es Plätze in den Kinos gibt.

Vor allem der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber heizte am Wochenende die Debatte um den Film kräftig an. "Ich fordere die Kinobetreiber in Deutschland auf, diesen rassistischen und antiwestlichen Hass-Film sofort abzusetzen", sagte er der "Bild am Sonntag". Diesem Appell schloss sich auch der Innenminister Baden- Württembergs, Heribert Rech (CDU), an. "Der Film schürt antisemitische und antiamerikanische Ressentiments, spaltet Kulturen und radikalisiert vor allen Dingen türkische Jugendliche", sagte der Minister.

Naturgemäß erntete Stoiber mit seinem brachialen Ansatz Kritik von der lokalen Opposition. Nach Angaben von SPD-Fraktionschef Franz Maget sei eine Zensur, wie sie Stoiber fordere, der falsche Weg. Gefragt seien nicht Unterdrückung von Meinungsfreiheit, sondern die offene Auseinandersetzung und der Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen, sagte Maget.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hingegen appellierte ebenfalls an alle Kinobesitzer, den Film sofort abzusetzen. Wer den Film zeige, unterstütze den Hass auf jüdische Menschen, wird Zentralrats- Vizepräsidentin Charlotte Knobloch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zitiert.

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) will zunächst die Jugendfreigabe des Films kippen. Am Montag werde er einen entsprechenden Antrag beim Appellationsausschuss der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) der Filmwirtschaft stellen, sagte Laschet. Die FSK selbst hatte den Film zunächst erst ab 18 freigegeben. Nach dem Einspruch des türkischen Filmverleihs musste sie die Altersbegrenzung jedoch auf 16 Jahre senken.

"Tal der Wölfe" läuft seit anderthalb Wochen in deutschen Kinos. In dem Film geht es um die Verschleppung türkischer Soldaten durch amerikanische Elitetruppen im Nordirak. Im Film rächt sich ein türkischer "Rambo" an den Amerikanern. Der Film sahen in Deutschland in den ersten zehn Tagen mehr als 200.000 überwiegend jugendliche deutsch-türkische Zuschauer.

mgb, AP, dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Vote

"Tal der Wölfe"

Der umstrittene türkische Actionfilm "Tal der Wölfe" ist hierzulande ein Publikumsmagnet unter Migranten. Nun fordert Bayerns Ministerpräsident Stoiber, den Streifen aus den deutschen Kinos zu nehmen - er schüre den Kulturkampf und sei rassistisch. Soll der Film aus den Kindo verschwinden?

Die Abstimmung ist beendet. Klicken Sie hier, um das Ergebnis zu sehen.







TOP



TOP