Nürnberg - "Eine WM-Visite ist durchaus möglich," erklärte Irans Fußball-Verbandspräsident Mohammed Ali Dadkan heute. "Unser Präsident liebt Fußball. Er trifft sich auch regelmäßig mit den Nationalspielern", sagte er bei einer Inspektion des WM-Stadions in Nürnberg. Dort wird das erste Vorrunden-Spiel der Asiaten am 11. Juni gegen Mexiko stattfinden.
Dadkan geht von rund 4000 iranischen Anhängern aus aller Welt beim WM-Auftaktmatch seines Teams aus. In Iran selbst sind von den insgesamt 8413 zur Verfügung gestellten Tickets lediglich zehn Prozent verkauft worden. Dadkan: "Die Reise wäre sehr teuer. Inklusive Transport und Hotel würde der Besuch des Spiels gut 3800 Euro kosten."
Die Befürchtung von Bayers Innenminister Günther Beckstein (CSU), das Spiel Iran-Mexiko habe wegen möglicher Ausschreitungen eine besondere politische Brisanz, will der iranische Fußball-Funktionär nicht teilen. "Die Gefahr terroristischer Anschläge oder politischer Ausschreitungen im Zusammenhang mit der Fußball-Begegnung sehe ich nicht. Diejenigen, die zu dem Spiel kommen, sind alle friedliche Fußballanhänger."
Verfassungsschützer hatten in den vergangenen Tagen berichtet, dass rechtsradikale Aufmärsche anlässlich des Spiels geplant sein sollen. Demnach wollten die Extremisten Solidarität mit dem judenfeindlichen Ahmadinedschad demonstrieren. Die NPD in Sachsen kündigte auf ihrer Homepage " verschiedene Aktionen" anlässlich des Spiels Iran gegen Angola in Leipzig an. Es solle "bewusste Zeichen der Solidarität" mit dem islamistischen Mullah-Regime geben.
Für den Aufenthalt der iranischen Mannschaft in ihrem WM-Quartier in Friedrichshafen am Bodensee hat die Polizei ein spezielles Sicherheitskonzept erarbeitet. "Politisch motivierte Aktionen" seien nicht auszuschließen, teilte die Polizeidirektion heute nach einem WM- Vorbereitungstreffen mit Vertretern von Justiz und Kommunen mit.
Nach den antisemitischen Ausfällen des Präsidenten zu Beginn seiner Amtszeit hatten Spanien, Rumänien und die Ukraine Freundschaftsspiele mit Iran abgesagt. Einige europäische Politiker hatten damals gar einen WM-Ausschluss Irans gefordert. Allerdings hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Ausschluss Irans abgelehnt: Damit würden Fans und Sportler für das Fehlverhalten ihres Staatsoberhaupts bestraft, begründete sie ihre Meinung. In diesem Sinne hatte dann auch Fifa-Präsident Joseph Blatter entschieden. "Wir trennen strikt zwischen Politik und Sport." Ein Ausschluss Irans von der WM komme nicht in Frage.
Ahmadinedschad selbst hat in den vergangenen Wochen sein Interesse für Fußball im Heimatland demonstriert: Anfang März, kurz vor dem Vorbereitungsspiel gegen den deutschen Gruppengegner Costa Rica, besuchte er im Jogginganzug das Trainingslager der iranischen Nationalmannschaft. "Genau wie bei der Atomenergie will die Welt nicht, dass unsere Sportler erfolgreich sind", resümierte er damals. Iran gewann das Spiel mit 3:2.
ler/sid/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH