SPIEGEL ONLINE: Der ehemalige Regierungssprecher unter Kanzler Schröder, Ihr Parteifreund Uwe-Karsten Heye, hat dunkelhäutigen WM-Touristen davon abgeraten, nach Brandenburg zu kommen, weil sie dort um ihr Leben fürchten müssten. Hat er Recht?
Edathy: Er weist sehr zugespitzt auf ein reales Problem hin. Die Zahl von rechtsextremen Gewalttaten in Brandenburg ist achtmal höher als in Rheinland-Pfalz. In Brandenburg kommen vier rechtsextreme Gewaltdelikte auf 100.000 Einwohner, in Rheinland-Pfalz sind es nur 0,5. Dabei gibt es viel weniger Ausländer in Brandenburg. Insgesamt ist die Gefahr, im Osten Opfer eines ausländerfeindlichen Übergriffs zu werden, zehnmal höher als im Westen.
SPIEGEL ONLINE: Heye nahm die Reisewarnung heute im Verlaufe des Tages nach massiver Kritik der brandenburgischen Landesregierung zurück. Sind Sie enttäuscht?
Edathy: Er hat klargestellt, dass in der Regel keine Lebensgefahr besteht, es aber "No-Go-Areas" gibt, also Gebiete, die man etwa als ausländisch aussehender Mensch meiden sollte. Ich finde, dass der Wunsch nach einer fröhlichen WM nicht dazu führen darf, dass wir die Realität negieren.
SPIEGEL ONLINE: Die brandenburgische Landesregierung beklagt die "Stigmatisierung" ihres Landes.
Edathy: Das kann ich nicht erkennen. Wenn ich eine Diagnose treffe, hat das nichts mit einer Stigmatisierung des Patienten zu tun.
SPIEGEL ONLINE: Warum tun sich Politiker in Brandenburg so schwer damit, die Diagnose anzuerkennen?
Edathy: Das weiß ich nicht. Was ich weiß, ist, dass man Probleme nur dann lösen kann, wenn man sie zuvor eingesteht.
SPIEGEL ONLINE: Ihr Vater ist Inder, Sie haben eine dunkle Hautfarbe. Vermeiden Sie Reisen in gewisse Gegenden?
Edathy: Ich würde mich nachts nicht in eine S-Bahn nach Berlin-Treptow setzen. Auch in Brandenburg würde ich nicht jederzeit überall hinfahren.
Die Fragen stellte Carsten Volkery
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