Hamburg - Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner bezeichnete Merkels Formulierung vom "Sanierungsfall Deutschland" als "deplatziertes Gerede". Deutschland sei "Exportweltmeister und kein Sanierungsfall", sagte Schreiner der "Bild"-Zeitung. "Den Standort Deutschland mieszumachen und schlechtzureden, damit muss endlich Schluss sein", sagte er.
Ähnlich äußerte sich auch der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend. Es gebe vielleicht ein paar Probleme. "Aber wir sind doch kein Sanierungsfall!" In internationalen Umfragen nach dem besten Standort liege Deutschland auf Platz drei - hinter den USA und China.
Auch der SPD-Politiker Karl Lauterbach zeigt sich verärgert. "Diese Bewertung ist falsch und ungerecht", sagte er. Immerhin habe Deutschland eine erstklassige Infrastruktur. Außerdem sei fast jeder kranken-, pflege- und rentenversichert. Kritik kam auch von Saarlands SPD-Chef Heiko Maas. "Die Kanzlerin macht das Land schlechter als es ist. Dadurch werden die Leistungen Tausender Menschen herabgewürdigt."
Merkel war auch gestern bei der Haushaltsdebatte im Bundestag bei ihrer Aussage geblieben. Vor dem Industrieverband BDI Deutschland hatte die CDU-Chefin Deutschland "auch als Sanierungsfall" bezeichnet. SPD-Fraktionschef Peter Struck hatte ihr daraufhin widersprochen. Dies sei 1998 bei der Amtsübernahme von Rot-Grün zu verzeichnen gewesen, sagte er. Mit der Großen Koalition werde der damals eingeschlagene Reformweg weitergeführt.
als/ddp/AFP
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