Berlin/Zweibrücken - Einzelne Soldaten der betroffenen dritten Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 263 in der Niederauerbach-Kaserne seien zu anderen Dienststellen innerhalb der Luftlandebrigade 26 abkommandiert worden, sagte ein Sprecher der Bundeswehrdivision für Spezielle Operationen (DSO) heute. Man habe die Betroffenen aus der "Schusslinie" nehmen wollen.
Die betroffene Kompanie wird wegen der bizarren Aufnahme-Praktiken einiger ihrer Soldaten auch komplett aus dem geplanten Kongo-Einsatz gestrichen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte damit heute einen entsprechenden Bericht des "Pfälzischen Merkurs", der am Vortag noch dementiert worden war. Statt der dritten werde nun die zweite Kompanie des Fallschirmjäger-Bataillons die für die EU-Mission vorgesehenen Teileinheiten stellen. Ein Grund dafür sei, dass die betroffenen Soldaten wegen der bundeswehrinternen Ermittlungen gegen sie nicht an den Vorbereitungen für den Auslandseinsatz teilnehmen könnten.
Der genaue Sachverhalt der drei Fälle, in denen ermittelt wird, ist indes weiter unklar. Es müssten Dutzende von Soldaten vernommen werden, sagte der DSO-Sprecher. In der Kaserne in Zweibrücken soll Soldaten, die zum Unteroffizier ernannt wurden, Dörrobst ins Gesäß geschoben und dann mit einem Paddel darauf geschlagen worden sein. Nach bisherigem Erkenntnisstand haben die beschuldigten Soldaten freiwillig mitgemacht.
Entsetzen beim Bundeswehrverband
Offiziell untersucht die Bundeswehr "Fehlverhalten im Umgang miteinander". In die Ermittlungen sind ein Wehrdisziplinaranwalt und die Staatsanwaltschaft Zweibrücken eingeschaltet. Erste Ergebnisse sollten noch heute dem Wehrbeauftragten der Bundeswehr übermittelt werden.
Der Bundeswehrverband zeigte sich entsetzt über die Berichte und forderte Konsequenzen. Derartige Handlungen seien erschreckend und verwerflich, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Verbands, Oberstleutnant Ulrich Kirsch, heute in Berlin. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müssten die Verantwortlichen die Konsequenzen tragen, bis hin zur Entfernung aus der Truppe.
Kirsch sagte, Verhaltensweisen dieser Art hätten in der Bundeswehr nichts zu suchen. Aufnahmerituale unter Unteroffizieren seien so alt wie die Bundeswehr, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Bundeswehrverbands. Derartige Rituale hätten aber ihre Grenze dort, wo die Menschenwürde verletzt werde. Kirsch warnte davor, die Bundeswehr allein für die Vorgänge in Zweibrücken verantwortlich zu machen: "Die Streitkräfte sind ein Spiegelbild der Gesellschaft." Diese Gesellschaft habe mittlerweile teils sehr rohe Sitten entwickelt.
phw/AP/dpa/ddp
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