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28.07.2006
 

Tour-Skandal

Schäuble kündigt schärfere Doping-Gesetze an

Bundesinnenminister Schäuble will rigoros gegen das Doping vorgehen. Als Konsequenz aus dem Skandal bei der Tour de France hat er Gesetzesverschärfungen angekündigt.

Berlin - In enger Abstimmung mit den Sportverbänden sollten höhere Strafen für banden- und gewerbsmäßiges Doping und weitere Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, sagte Wolfgang Schäuble (CDU) gegenüber der "Bild"-Zeitung laut einem Vorabbericht. "Wir müssen alles tun, um die Glaubwürdigkeit des Sports wieder herzustellen und zu erhalten." Dopende Sportler gefährdeten nicht nur ihre eigene Gesundheit, sie verzerrten auch den sportlichen Wettbewerb und seien schlechte Vorbilder für Jugendliche, sagte der Politiker. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat bereits eine Initiative für ein Anti-Doping-Gesetz gestartet.

Auch der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, der frühere SPD-Chef Rudolf Scharping, sprach sich für härtere Strafen aus. Ohne gesetzliche Regeln gegen das Doping gebe es keine Chance, das "mafiotische Netzwerk" im Radsport aufzudecken und die Hintermänner zu bestrafen, sagte Scharping.

"Wir müssen das Übel an der Wurzel packen, und dazu muss der Gesetzgeber Voraussetzungen schaffen, so wie in anderen europäischen Ländern", erklärte Scharping unter Hinweis auf entsprechende Gesetze in Spanien, Frankreich und Italien. Der frühere SPD-Vorsitzende und Verteidigungsminister forderte eine Gesetzesinitiative, um Besitz, Handel und die Weitergabe von Doping-Mitteln sowie die Beihilfe dazu unter Strafe zu stellen.

"Wir brauchen die Hilfe des Gesetzgebers, sonst kommen wir an die Hintermänner nicht heran, sonst können die mafiotischen Netzwerke mit skrupelloser Geschäftemacherei nicht aufgedeckt und sanktioniert werden."

Gestern war bekannt geworden, dass der Sieger der diesjährigen Tour de France, der Amerikaner Floyd Landis, positiv getestet worden war. Landis bestreitet, gedopt zu haben. "Ich kann es nicht erklären", sagte er, nachdem in einer Probe hohe Werte des männlichen Hormons Testosteron festgestellt worden waren. Auf die Frage, ob er verbotene Substanzen eingenommen habe, um seine Leistungsfähigkeit zu steigern, antwortete er mit einem entschiedenen "Nein".

Landis, der für das Schweizer Team Phonak fährt, ist der erste Gewinner der Frankreich-Rundfahrt, der während der Tour positiv gestestet wurde. Sollte die B-Probe die Ergebnisse bestätigen, dürfte dem 30-jährigen US-Radprofi der Titel aberkannt werden. Zweiter wurde der Spanier Oscar Pereiro vor dem Deutschen Andreas Klöden vom Team T-Mobile.

Landis hatte auf der 17. Etappe nach Morzine in den Alpen vor einer Woche mit einer enormen Kraftanstrengung und einer kilometerlangen Alleinfahrt wieder dramatisch Boden in der Gesamtwertung gut gemacht. Nach der erfolgreichen Etappe war der hohe Testosteron-Wert ermittelt worden. Bei der vorherigen Etappe war der Amerikaner am Berg eingebrochen und vom ersten auf den elften Platz in der Gesamtwertung zurückgefallen.

Unmittelbar vor dem Tourstart waren zahlreiche Favoriten wie der damalige T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich oder der Italiener Ivan Basso wegen Doping-Verdachts von ihren Teams suspendiert worden. Das T-Mobile-Team hat Ullrich mittlerweile entlassen.

Insgesamt wurden neun Fahrer wegen dieses in Spanien aufgeflogenen mutmaßlichen Doping-Skandals von dem Rennen zurückgezogen. Ullrich und Basso weisen alle Vorwürfe von sich.

asc/Reuters

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