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15.08.2006
 

Rechtsextreme

Delmenhorster will Hotel an Neonazis verschenken

Trotz heftigen Widerstandes in der Bevölkerung will der Eigentümer eines Hotels in Delmenhorst die Immobilie einer rechtsradikalen Organisation überlassen. In dem leer stehenden Gebäude soll ein Schulungszentrum für Neonazis entstehen.

Delmenhorst - Hotelbesitzer Günter Mergel sagte dem Sender Radio Bremen, dass er das Gebäude der Wilhelm-Tietjen-Stiftung schenken wolle. Damit stünde den Plänen des als rechtsextrem eingestuften Hamburger Rechtsanwalts Jürgen Rieger nichts mehr im Wege, in der seit einem Jahr leer stehenden Immobilie ein Schulungszentrum für Rechtsextreme einzurichten.

Das Gebäudedarlehen in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro, die von Rieger zu zahlenden Schenkungssteuer und der Erlös für Klein- und Großinventar hätten einen Wert von 3,4 Millionen Euro, teilte der Eigentümer mit. Mit diesem Schritt wäre nach seinen Angaben das Vorkaufsrecht der Stadt Delmenhorst ausgehebelt.

Den möglichen Kauf des Hotels mit Bürgerspenden und einer Restfinanzierung durch die Stadt werde es nicht geben, sagte der Hotelbesitzer dem Sender. "Die Dinge überschlagen sich hier. Ich habe die Schnauze voll, mit der Stadt zu arbeiten", sagte Mergel. Deshalb gehe er jetzt den Weg einer "gemischten Schenkung". Mit einer Schenkung könne er verhindern, dass ihn die Stadt enteigne und zu einem armen Mann mache.

Die Stadtverwaltung zeigte sich über die geplante Schenkung überrascht und erschüttert. Mit dieser Entwicklung habe niemand gerechnet, sagte Stadtsprecher Timo Frers. Noch am Montagabend hatte ein Vermittler der Stadt mit Mergel gesprochen. "Da hat der Hotelier keinerlei Andeutungen über seine Pläne gemacht", sagte Frers. Ein weiteres Gespräch war für heute Nachmittag geplant. Die Stadt will nun prüfen, ob eine solche Schenkung überhaupt möglich ist und ob die Kommune eventuell doch noch ein Vorkaufsrecht wahrnehmen kann.

Bei einer Protestaktion demonstrierten rund 2500 Menschen in Delmenhorst. Eine Bürgerinitiative sammelt Geld, um das Gebäude mit möglicher Unterstützung der Stadt selbst zu erwerben. Nach Angaben eines Stadtsprechers kamen inzwischen mehr als 625.000 Euro zusammen.

als/ddp/AP

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