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Verteidigung Merkel kritisiert Zustand der Bundeswehr

Angela Merkel hat sich kritisch über den Zustand der Bundeswehr geäußert. Die Kanzlerin plädierte für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Im Bundestag wird heute in der Generalaussprache über den Haushalt debattiert.

Hamburg – Nach Angaben der Wochenzeitung "Die Zeit" unterstützt Angela Merkel die Auffassung, wonach der Zustand der Bundeswehr verbessert werden könne. Mit Blick auf die zahlreichen Auslandseinsätze und die kommende Libanon-Mission erklärt die CDU-Politikerin gegenüber dem Blatt: "Deshalb müssen wir uns insgesamt fragen, ob die Strukturen unserer Streitkräfte zukunftstüchtig sind."

Verteidigungsminister Jung, Merkel: Kämpfen für die Bundeswehr
AP

Verteidigungsminister Jung, Merkel: Kämpfen für die Bundeswehr

Die Bundeskanzlerin erinnert daran, dass Deutschland gemessen am Bruttosozialprodukt weniger für die Armee ausgebe als Finnland, Norwegen oder Holland und sogar deutlich weniger als Italien, Frankreich, Großbritannien oder die USA. Man werde "nicht sagen können, dass die Verteidigungsausgaben in den nächsten 20 Jahren sakrosankt sind", sagt Merkel. Das betreffe aber nicht den Haushalt 2007/2008. "Eine deutsche Regierung kann jetzt nicht sagen: In den nächsten Jahrzehnten bitte keine neuen Konflikte, weil wir uns das nicht leisten können", sagt die Bundeskanzlerin.

Lafontaine kritisiert Merkel scharf

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine, stellt der Regierung Merkel in der Außen- und Sicherheitspolitik kein gutes Zeugnis aus. Die Außenpolitik der Bundesregierung werde von Dilettanten gemacht, sagte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Er bezeichnete die frühe Debatte über einen möglichen Libanon-Einsatz der Bundeswehr als Fehler: "Das zeigt, dass in der Regierung viele Anfänger sitzen, die Deutschland in militärische Abenteuer hineinschwatzen. Das beginnt beim Verteidigungsminister und endet bei der Chefin", so Lafontaine.

Er sprach ferner von einer "manischen Sucht mancher Leute, deutsche Soldaten in alle Welt zu schicken". Die deutsche Außenpolitik verfehle das Ziel, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, sie hole vielmehr den Terror ins Land, sagte der ehemalige SPD-Vorsitzende und fügte hinzu: "Wenn wir uns an völkerrechtswidrigen Kriegen gegen andere Länder beteiligen, kommen vielleicht auch die Angehörigen von Opfern dieser Kriege auf die Idee, Anschläge in Deutschland zu verüben."

Bundestag setzt Haushaltsberatungen fort

Der Bundestag setzt heute seine Beratungen über den Haushalt 2007 mit der Debatte über den Etat der Kanzlerin fort. Dabei kommt es am Vormittag zur traditionellen Generalaussprache über die Politik der Bundesregierung. Nach der auf rund viereinhalb Stunden veranschlagten Debatte über den Kanzleretat stehen am Nachmittag die Einzelpläne des Auswärtigen Amtes sowie des Verteidigungs- und des Entwicklungshilfeministeriums auf der Tagesordnung der Abgeordneten. Das Parlament will bis übermorgen in erster Lesung über den Bundeshaushalt für das kommende Jahr debattieren.

Der vom Bundeskabinett verabschiedete Etatentwurf sieht für 2007 Ausgaben in Höhe von 267,6 Milliarden Euro vor. Die veranschlagte Investitionssumme soll 2007 mit 23,5 Milliarden Euro um 1,5 Milliarden Euro über der vorgesehenen Neuverschuldung in Höhe von 22,0 Milliarden Euro liegen. Verabschiedet werden soll der Haushalt im November.

Koalitionsspitzen beraten in Berlin

Die Spitzen der Koalition kommen heute Abend im Kanzleramt erstmals nach dem Ende der parlamentarischen Sommerpause zusammen. Beraten wird in einer Siebenerrunde, die laut Koalitionsvertrag den eigentlichen Koalitionsausschuss bildet. Ihm gehören neben Merkel Vizekanzler Franz Müntefering, SPD-Chef Kurt Beck, CSU-Chef Edmund Stoiber, die Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder und Peter Struck sowie CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer an.

In den vergangenen Monaten war die Runde immer größer geworden. Sie umfasste mitunter rund 20 Politiker. Um die Abstimmung zu verbessern, war im Sommer vereinbart worden, dass eine Viererrunde, bestehend aus Merkel, Stoiber, Beck und Müntefering, Vorklärungen treffen. Sie soll aber den Koalitionsausschuss, dem auch die Spitzen der Fraktion angehören, nicht ersetzen.

asc/ddp/AP

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insgesamt 406 Beiträge
DJ Doena 03.05.2006
Wurde nicht schon vor Jahren behauptet unsere Freiheit würde am Hindukusch verteidigt? Warum da das GG ändern, wenn man es doch so schön gummiartig dehnen kann?
Wurde nicht schon vor Jahren behauptet unsere Freiheit würde am Hindukusch verteidigt? Warum da das GG ändern, wenn man es doch so schön gummiartig dehnen kann?
SaT 03.05.2006
Genau wir müssen den Verteidigungsbegriff neu definieren: ab jetzt gilt das Einmischen in Angelegenheiten von denen wir Null Ahnung haben und die Unterstützung afghanischer Drogenbarone als Verteidigungsfall. Deutschland wird [...]
Genau wir müssen den Verteidigungsbegriff neu definieren: ab jetzt gilt das Einmischen in Angelegenheiten von denen wir Null Ahnung haben und die Unterstützung afghanischer Drogenbarone als Verteidigungsfall. Deutschland wird schließlich nicht nur am Hindukusch sondern auch im kongolesischen Regenwald verteidigt – aber wie und gegen wen?
adsum 03.05.2006
Gott sei Dank sind wir keine militärische Supermacht wie die USA. Aber im Verurteilen anderer Mächte verhalten wir uns manchmal wie eine moralische Supermacht. Gar ein militärischer Einsatz zur Sicherung von Ressourcen, wie [...]
Zitat von sysopInternationaler Anti-Terrorkampf, Hilfe im Kongo: Die Einsätze der Bundeswehr haben sich gewandelt. Nur das Grundgesetz geht nach wie vor vom klassischen Verteidigungsfall aus. Muss man den Verteidigungsbegriff neu definieren? Soll das Grundgesetz geändert werden?
Gott sei Dank sind wir keine militärische Supermacht wie die USA. Aber im Verurteilen anderer Mächte verhalten wir uns manchmal wie eine moralische Supermacht. Gar ein militärischer Einsatz zur Sicherung von Ressourcen, wie von einigen FDP-Abgeordneten gefordert wird, ist für uns geradezu undenkbar und verbrecherisch. Schön, wenn andere durch Drecksarbeit beschmutzt werden und durch ihrer miltärischen Abschreckung und Einsatz mittelbar unsere Ressourcen mitsichern. Im Windschatten anderer lässt es sich gut moralisieren und schön ausruhen. Warum sollten wir an diesen fast paradiesischen Zustand etwas ohne Not ändern. Es gibt ja auch andere Staaten, wie z. B. die Schweiz, Schweden und andere die sich seit Urzeiten in diesem Zustand wohlfühlen und kein schlechtes Gewissen haben. Nein! Eine Grundgesetzänderung brauchen wir derzeit nicht und ein miltärischer Einsatz in andere Länder ist ohnehin völkerrechtlich geklärt. Nur mit ein bißchen moralische Zurückhaltung bei der Ressourcensicherung durch andere sollten wir uns zurückhalten und diesen nicht in den Rücken fallen, sonst könnte es uns einmal sehr schlecht ergehen zumindestens in diesen unsicheren Zeiten des islamistischen Terrorismus. Gruß adsum
Andreas Heil 03.05.2006
Das Grundgesetz wurde zu einer Zeit verfasst, als Ursachen und Wirkzusammenhänge totalitärer Gesellschaften noch nicht der kollektiven Amnesie zum Opfer gefallen ist. Seitdem haben sich die gesellschaftlichen Prozesse [...]
Zitat von sysopInternationaler Anti-Terrorkampf, Hilfe im Kongo: Die Einsätze der Bundeswehr haben sich gewandelt. Nur das Grundgesetz geht nach wie vor vom klassischen Verteidigungsfall aus. Muss man den Verteidigungsbegriff neu definieren? Soll das Grundgesetz geändert werden?
Das Grundgesetz wurde zu einer Zeit verfasst, als Ursachen und Wirkzusammenhänge totalitärer Gesellschaften noch nicht der kollektiven Amnesie zum Opfer gefallen ist. Seitdem haben sich die gesellschaftlichen Prozesse schleichend so sehr verselbstständigt, dass die Gefahren offenbar gar nicht mehr wahrgenommen werden. Bedauerlich. Ab einer gewissen Komplexizität ist der menschliche Intellekt wohl nur noch höchst vereinzelt in der Lage, den systemtheoretischen Überblick zu behalten, die Katastrophe somit vorprogrammiert. Beispiel zum Thema: ... Als überfällig bezeichnete der FDP-Politiker Jungs Pläne für eine interessengeleitete Sicherheitspolitik. Dazu gehörten auch wirtschaftliche Interessen wie Ressourcensicherung oder die Sicherung von Energielieferungen. "Wir müssen diese Interessen definieren", forderte Stinner ... Nüchtern betrachtet, hat der Gröfaz auch nichts anderes getan: Deutsche Interessen für jeden nachlesbar definiert - damals "Lebensraum im Osten" - und sie dann in einer - aus seiner Sicht - politisch zielführenden Weise versucht, umzusetzen. Ergebnis bekannt. Im Übrigen war auch damals schon die Heeresgruppe-Süd primär mit der Lösung des Petroleum-Problems in der Kaukasus-Region beschäftigt. Nähme unsere parlamentarische Vertretung die Verfassung auch nur im Ansatz als das wahr, was sie ist, wären Verfassungsfeinde gleich welcher Couleur, ob sie nun präemtiven Angriffskriegen das Wort reden, wie Jung, Stinner und Co., selbst elementarste Menschenrechte negieren, wie z.B. Koch, oder wie die vergangenen Kabinette nebst Lobbyisten und geschmierten Pseudo-Experten Frontalangriffe gegen das Sozialstaatsgebot fahren, längst unter Beobachtung der zuständigen Stellen bzw. durch Extremistengesetze längst ihres passiven Wahlrechts und v.a. ihres nicht demokratisch kontrollierten Einflusses durch die Hintertüt verlustig geworden. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass die weithin ausgefallene vierte Gewalt keinen Zusammenhang herstellt, der bei der - zugegeben ungewöhnlichen - pädagogischen Maßnahme, Herrn Hüthers Auto anzuzünden (Art. 20 Abs. 4 GG Rechnung getragen), doch offenkundig war.
K.-H.Schubert 03.05.2006
Vor allen Dingen muß die BW die Politiker, die Reichen und Mächtigen im Inland verteidigen. Es ist ein Unding, daß der Urnenpöbel wählen darf, wen er will. Und in unsere neuen WM-2006-Stadien passen jeweils 60.000 Unzufriedene [...]
Vor allen Dingen muß die BW die Politiker, die Reichen und Mächtigen im Inland verteidigen. Es ist ein Unding, daß der Urnenpöbel wählen darf, wen er will. Und in unsere neuen WM-2006-Stadien passen jeweils 60.000 Unzufriedene hinein. Übung ist angesagt. So darf die BW Mama und Papa disziplinieren. Aus dem "Bürger in Uniform" wird der Würger.
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