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07.10.2006
 

Gesellschaft

SPD-Chef sorgt sich um wachsende Unterschicht

Eine größer werdende Unterschicht ohne Aufstiegswillen droht nach Einschätzung von Kurt Beck zum Problem für Deutschland zu werden. Für diesen Teil der Gesellschaft, der zu entgleiten drohe, will seine SPD den vorsorgenden Sozialstaat.

Frankfurt/Main - "Es gibt viel zu viele Menschen in Deutschland, die keinerlei Hoffnung mehr haben, den Aufstieg zu schaffen. Sie finden sich mit ihrer Situation ab. Sie haben sich materiell oft arrangiert und ebenso auch kulturell", sagte der SPD-Vorsitzende der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Deutschland habe ein zunehmendes Problem. "Manche nennen es Unterschichten-Problem", meinte Beck. Die Gesellschaft habe an Durchlässigkeit verloren, dies sei eine Entwicklung, die dringend zu ändern sei.

"Früher gab es in armen Familien, auch in meiner eigenen, das Streben der Eltern: Meine Kinder sollen es einmal besser haben!", sagte Beck. Es bestehe die Gefahr, dass dieses Streben in Teilen der Gesellschaft verloren gehe. Hier müsse der Staat unterstützend eingreifen, fördern und fordern. "Für den Teil der Gesellschaft, der uns zu entgleiten droht, ist der vorsorgende Sozialstaat gefragt, den meine SPD will", betonte der Parteichef. In Kinderbetreuungseinrichtungen müssten Sprachfähigkeit und Leistungswille gefördert werden, damit Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern die Chance und den Ehrgeiz hätten, aufzusteigen.

"Ohne Leistungswillen kann keine Gesellschaft auf Dauer bestehen. Leistung muss sich lohnen, für jeden in Deutschland", sagte Beck. Die SPD werde sich dieser Aufgabe annehmen und immer zu den Menschen stehen, die besonderer Hilfe bedürften. "Diese Solidarität ist die Seele der Partei, so wie die Nächstenliebe Wesen des Christentums ist", meinte Beck.

kai/AP/Reuters

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