• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Verschuldung Länder wehren sich gegen Finanz-Fesseln

Die Pläne der Bundesregierung, die Schuldenexplosion in den Ländern per Gesetz zu begrenzen, stoßen bei den Ministerpräsidenten auf kollektiven Widerstand. Es gehe den Bund nichts an, wie die Länder ihre Haushalte aufstellen, erklärte NRW-Landeschef Rüttgers.

Bad Pyrmont - Mit einem Gesetz, das empfindliche Strafen vorsieht, würde die Bundesregierung gerne verhindern, dass die Länder riesige Schuldenberge auftürmen. Diese Pläne hatte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Barbara Hendricks (SPD), heute via "Berliner Zeitung" kundgetan. Praktischerweise weilten die angesprochenen Ministerpräsidenten am Vormittag in versammelter Runde zum Abschluss ihres Jahrestreffens im niedersächsischen Bad Pyrmont und so konnte der Einspruch nach der Lektüre gleich im Kollektiv formuliert werden.

Die Ministerpräsidenten Rüttgers (NRW) und Althaus (Thüringen, r.) in Bad Pyrmont: "Bund ist nicht zuständig"
DPA

Die Ministerpräsidenten Rüttgers (NRW) und Althaus (Thüringen, r.) in Bad Pyrmont: "Bund ist nicht zuständig"

"Die Ministerpräsidenten sind alle 16 der Auffassung, dass diese Forderung nicht nur nicht angemessen ist, sondern eigentlich ohne Kenntnis der verfassungsrechtlichen Lage erhoben worden ist", diktierte Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) den Journalisten am Rande der Konferenz in die Notizblöcke. "Es geht den Bund schlichtweg nichts an, wie die Länder, die ja selbstständige Staaten sind, ihre Haushalte aufstellen."

Zum Beweis für die Einigkeit gaben wenig später auch Rüttgers' Kollegen ihre Ablehnung zu Protokoll. "Der Bund ist dafür nicht zuständig", stellte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) fest. Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Harald Ringstorff (SPD) erklärte: "Man kann unter den Ländern zu Vereinbarungen kommen, es kann aber nicht sein, dass der Bund 16 selbstständige Länder reglementiert und Sparkommissare einsetzt." Auch Hessens Roland Koch (CDU) giftete in Richtung Berlin, "der Bund hat keine Gesetzgebungskompetenzen, Landtagen vorzuschreiben, in welcher Weise sie ihre Haushalte gestalten. Es ist eine Aufgabe der Länder, sich darüber zu einigen".

Koch sprach sich dafür aus, dass sich die Länder mit dem Vorschlag beschäftigen sollten, nur noch mit Zweidrittel-Mehrheit in ihren Parlamenten neue Schulden zu machen. "Alle Länder denken in ihren Verfassungen über solche Fragen nach. Aber es wird über die Frage, wie ein Landtag mit Mehrheiten abstimmt, kein Bundesgesetz in Deutschland geben."

Rüttgers betonte, wie die Länder in die Pflicht genommen werden könnten, ihre teils dramatische Verschuldung in den Griff zu bekommen, müsse "in Ruhe" beraten werden. "Das sind hochschwierige verfassungs- und finanzsystemrechtliche Verfahren." Er bekräftigte erneut seine Forderung nach einem "Frühwarnsystem". Im Rahmen der Föderalismusreform II seien die Länder bereit, mit dem Bund über ein neues Instrumentarium zur Verhinderung einer explodierenden Verschuldung zu reden. Die Ministerpräsidenten hätten vereinbart, dass in den nächsten Monaten die Positionen der Länder für die Föderalismusreform II anhand einer bestehenden, offenen Themenliste erarbeitet werden sollen.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff kündigte nach dem Treffen mit seinen Amtskollegen an, dass man sich am 13. Dezember in großer Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen wolle, um die Finanzbeziehungen der Länder mit dem Bund neu zu ordnen.

phw/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 286 Beiträge
ocs1411 19.10.2006
Zunächst sollte erstmal lesbares Deutsch eingeführt werden, damit eine gesunde Grundlage zur Diskussion geschaffen wird.
Zitat von sysopEx-Bundespräsident Roman Herzog bringt die Bedenken vieler Politiker gegen den Länderfinanzausgleich auf den Punkt: Die reichen, zahlen Länder werden demotiviert, mehr zu erwirtschaften. Die armen, empfangenden Länder werden die Zahlungen ermuntert, weiterzumachen wie bisher. Wo ist die Lösung? Den Finanzausgleich abschaffen? Wie könnte ein alternatives Modell aussehen?
Zunächst sollte erstmal lesbares Deutsch eingeführt werden, damit eine gesunde Grundlage zur Diskussion geschaffen wird.
Fred Heine 19.10.2006
Das ist eine Konsequenz aus dem Länderfinanzausgleich: Bei uns war der Steuerprüfer für die Umsatzsteuer. Ich habe ihn gefragt, wieso Betriebe wie der meine so selten geprüft würden (von 12 Jahren wurden 3 geprüft). Da ich [...]
Zitat von sysopEx-Bundespräsident Roman Herzog bringt die Bedenken vieler Politiker gegen den Länderfinanzausgleich auf den Punkt: Die reichen, zahlen Länder werden demotiviert, mehr zu erwirtschaften. Die armen, empfangenden Länder werden die Zahlungen ermuntert, weiterzumachen wie bisher. Wo ist die Lösung? Den Finanzausgleich abschaffen? Wie könnte ein alternatives Modell aussehen?
Das ist eine Konsequenz aus dem Länderfinanzausgleich: Bei uns war der Steuerprüfer für die Umsatzsteuer. Ich habe ihn gefragt, wieso Betriebe wie der meine so selten geprüft würden (von 12 Jahren wurden 3 geprüft). Da ich nicht der einzige Betrieb bin, dem das so geht, könnte man sich ja fast ausrechnen, dass man jetzt ein paar Jahre ordentlich bescheissen kann, da sowieso erst in einigen Jahren wieder geprüft wird. Wenn die Jahre 2000 bis 2003 geprüft wurden und erst wieder 2010 bis 2013, dann kann man ja in der Zwischenzeit fast frei schalten und walten. Darauf der Steuerprüfer: "Über 95 Prozent der Umsatzsteuer, die ich zusätzlich hier heraushole, geht in den Länderfinanzausgleich. Deshalb sagt unser Ministerpräsident: wenn das Geld nicht bei uns im Bundesland bleiben kann, *dann bleibt es in den Betrieben!*"
madmax74 19.10.2006
Stimmt. Der kommt bestimmt aus Berlin. Die können sich kein ordentliches Schulsystem leisten
Zitat von ocs1411Zunächst sollte erstmal lesbares Deutsch eingeführt werden, damit eine gesunde Grundlage zur Diskussion geschaffen wird.
Stimmt. Der kommt bestimmt aus Berlin. Die können sich kein ordentliches Schulsystem leisten
DJ Doena 19.10.2006
Schaffen wir Deutschland ab! Einfach auflösen und einzeln der EU beitreten (wenn man das möchte). Botschaften haben wir eh schon in Brüssel und als 16 Länder sollte der Großteil zum EU-Nehmerland werden können. Dann hätten wir [...]
Schaffen wir Deutschland ab! Einfach auflösen und einzeln der EU beitreten (wenn man das möchte). Botschaften haben wir eh schon in Brüssel und als 16 Länder sollte der Großteil zum EU-Nehmerland werden können. Dann hätten wir auch endlich wieder Chancen beim European Song Contest! EU der 40 klingt doch auch viel besser als EU der 25.
Das Geldprinzip abschaffen. Geldinteressen verhindern den Durchbruch allgemeinwohlwichtiger Bestrebungen. Geldinteressen sind stark mit egoistisch-lobbyistischen Interessen verknüpft. Selten kommen uneigennützige, für [...]
Zitat von sysopEx-Bundespräsident Roman Herzog bringt die Bedenken vieler Politiker gegen den Länderfinanzausgleich auf den Punkt: Die reichen, zahlen Länder werden demotiviert, mehr zu erwirtschaften. Die armen, empfangenden Länder werden die Zahlungen ermuntert, weiterzumachen wie bisher. Wo ist die Lösung? Den Finanzausgleich abschaffen? Wie könnte ein alternatives Modell aussehen?
Das Geldprinzip abschaffen. Geldinteressen verhindern den Durchbruch allgemeinwohlwichtiger Bestrebungen. Geldinteressen sind stark mit egoistisch-lobbyistischen Interessen verknüpft. Selten kommen uneigennützige, für das Allgemeinwohl wertvolle Interessen auf. Die Staaten sitzen in der Klemme: denn schon längst steuern den Bund und die Bundesländer so etwa wie Heuschreckenschwärme. Selbst den Kultursektor. Die Entwicklung, die wir erfahren, ist ein Verfall in Raten. Und die geraten immer schneller und größer.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP