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31.10.2006
 

Bundeswehr

Erste Geständnisse im Skandal um Totenschädel-Fotos

Drei Bundeswehrsoldaten aus Bad Segeberg haben gestanden, an der Schändung von Toten in Afghanistan beteiligt gewesen zu sein. Die Männer aus der Lettow-Vorbeck-Kaserne haben ihre Schuld in vollem Umfang eingeräumt. Insgesamt wird gegen 20 aktive und ehemalige Soldaten ermittelt.

Lübeck/Berlin - "Die Verantwortlichen haben den Fall rückhaltlos eingestanden, zeigten sich reumütig und zerknirscht über den Vorfall", sagte General Christof Munzlinger, Kommandeur der Panzerbrigade 18, den "Lübecker Nachrichten". Einer der Täter habe in den Tagen nach den Aufnahmen noch versucht, das Material zu löschen. Allerdings seien die Fotos bereits mehrfach kopiert worden.

Skandal-Bilder: Die Bundeswehr ermittelt gegen 20 Soldaten
DDP

Skandal-Bilder: Die Bundeswehr ermittelt gegen 20 Soldaten

Details zur Identität der Männer wollte er nicht angeben: "Fest steht, dass die Kameraden versagt haben, das Ansehen der Bundeswehr kolossalen Schaden genommen hat und die Gefährdung unserer Truppen in Afghanistan unverzeihlich ist." Der Anfangsverdacht gegen drei Unteroffiziere aus Mecklenburg-Vorpommern habe sich nicht erhärtet.

Insgesamt wird derzeit gegen 20 aktive und ehemalige Soldaten ermittelt. Zwei Soldaten seien bisher vom Dienst suspendiert worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, in Berlin. Er wisse, dass zumindest "eine große Tageszeitung" noch über mehrere Bilder verfüge. Gerüchte, wonach Offiziere in Afghanistan seit längerem von den Fotos wussten, wies das Verteidigungsministerium erneut zurück. Der Kreis der an den Schändungen beteiligten Soldaten umfasse ausschließlich Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgrade.

Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" hat die Bundeswehr dagegen bereits vor Juni 2003 Soldaten und Besucher in Bussen zu dem Gräberfeld bei Kabul gefahren. Von dort sollen die Fotos stammen, auf denen Bundeswehrsoldaten mit Totenschädeln posieren. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf einen früheren Soldaten, der in Afghanistan stationiert war, an den "Stadtrundfahrten" hätten Soldaten aus dem Isaf-Lager "Camp Warehouse" sowie Besucher aus Deutschland, etwa Politiker oder höhere Dienstgrade, teilgenommen. Diese seien an dem Knochenfeld aus dem Bus ausgestiegen, viele von ihnen hätten Fotos gemacht.

Der ehemalige Bundeswehrgeneral Hermann Hagena hat inzwischen die angekündigte Entlassung der an dem Skandal beteiligten Soldaten aus rechtlichen Gründen in Zweifel gezogen. Hagena sagte der "Welt", es gebe einen strafrechtlich relevanten Unterschied zwischen einem Skelett und einer Leiche oder Leichenteilen. Der Vorwurf der Störung der Totenruhe scheide wohl aus, weil von einer Totenruhe nach den vorliegenden Berichten, wonach die Knochen in einer Kiesgrube gelegen hätten, keine Rede sein könne.

ler/dpa/ddp

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