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24.11.2006
 

Afghanistan

Berlin schickt Bau-Trupp nach Kandahar

Bauarbeiter statt Soldaten. Die Bundesregierung will sich mit Entwicklungshilfe im umkämpften Süden Afghanistans engagieren. Konkret soll sofort eine Straße gebaut werden. Den Forderungen der Nato nach einer Ausweitung des Bundeswehreinsatzes will Kanzlerin Merkel weiterhin nicht nachgeben.

Kabul - Kurz vor dem Nato-Gipfel in Riga beschloss die Bundesregierung, für rund eine Million Euro eine Straße in der südafghanischen Provinz Kandahar zu bauen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die etwa 4,5 Kilometer lange Straße ist demnach das bislang größte deutsche Vorhaben in Südafghanistan. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) wolle noch vor Beginn des Gipfels am Dienstag mit dem Bau beginnen. Der Straßenbau solle den Beginn eines gezielten Ausbaus deutscher Entwicklungshilfe in Südafghanistan markieren. Mehrere andere Projekte würden geprüft.

Staubiger Weg durch ein ausgetrocknetes Flussbett: Die Infrastruktur in Afghanistan ist miserabel
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AP

Staubiger Weg durch ein ausgetrocknetes Flussbett: Die Infrastruktur in Afghanistan ist miserabel

Bundeskanzlerin Angela Merkel will das Projekt dem Vernehmen nach auf dem Spitzentreffen in Riga verkünden. Vor dem Gipfel wächst in der Nato der Druck auf die Bundesregierung, deutsche Soldaten in den umkämpften Süden zu schicken und dort Briten, Kanadier und Niederländer zu entlasten.

Bislang verweigert Berlin die dauerhafte Verlagerung von Truppen aus dem verhältnismäßig ruhigen Norden ins Kampfgebiet. Und das soll auch so bleiben. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ging die Kanzlerin in die Offensive: Sie werde "energisch Versuchen entgegentreten, die Missionen in Afghanistan in wichtige, weil gefährliche und unwichtige, weil ungefährliche, einzuteilen".

Die Bundesregierung will das Straßenbauprojekt als entwicklungspolitisches Signal verstanden wissen. Die aus Mitteln des Stabilitätspakts Afghanistan vom Auswärtigen Amt finanzierte Straße soll 15 Kilometer westlich der Stadt Kandahar beginnen und von dort nach Süden in den Distrikt Pandschwai führen. Die Straße soll an die Ringschnellstraße angebunden sein, die von der Hauptstadt Kabul nach Kandahar und dann weiter nach Herat führt. Der Bau wird den Planungen zufolge in rund drei Monaten abgeschlossen sein.

Pandschwai ist in den vergangenen Monaten immer wieder Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf und den Taliban gewesen. Im September begann die Nato-geführte Isaf eine Offensive, um die Taliban aus dem Distrikt zu vertreiben. Dabei kamen mehrere ausländischen Soldaten und Hunderte Rebellen ums Leben. Bei Isaf-Bombardements starben aber auch zahlreiche Zivilisten.

Die Nato verfolgt im unruhigen Süden die Strategie, sogenannte Entwicklungszonen zu schaffen. Die Taliban sollen aus diesen Gebieten mit Gewalt vertrieben werden. Anschließend soll die Internationale Gemeinschaft dort mit massiven Mitteln schnell sichtbare Wiederaufbauarbeit leisten. Damit sollen die "Herzen und Köpfe" der Afghanen gewonnen werden.

Aus Mangel an sichtbarer Entwicklung fünf Jahre nach dem Sturz der Taliban haben sich besonders im Süden des Landes zahlreiche Menschen wieder den Rebellen zugewandt. Der radikal-islamische Aufstand kostete in diesem Jahr bislang mehr als 3700 Menschen das Leben, viermal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Deutschland ist mit derzeit mehr als 2900 Soldaten der drittgrößte Truppensteller der Isaf. Die Bundeswehr hat das Regionalkommando für Nordafghanistan inne. Laut Bundestagsmandat dürfen deutsche Soldaten nur in Notfällen vorübergehend außerhalb ihres Einsatzgebietes im Norden und in Kabul eingesetzt, aber nicht dauerhaft ins Kampfgebiet verlegt werden.

ler/dpa

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