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11.12.2006
 

Fall Litwinenko

Russlands Botschafter weist Merkels Ermahnung zurück

Russlands Botschafter in Deutschland, Wladimir Kotenew, wehrt sich gegen Ermahnungen von Kanzlerin Merkel im Zusammenhang mit dem Tod des Kreml-Kritikers Litwinenko. Nach den Poloniumfunden in Hamburg hat die hiesige Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Litwinenkos Kontaktmann Kowtun eingeleitet.

Berlin - "Die Mitarbeit ist da und unsere Behörden kooperieren auch mit Scotland Yard", sagte Wladimir Kotenew gestern Abend in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Die russische Staatsanwaltschaft habe zudem ein eigenes Verfahren eingeleitet. "Wir sind nicht minder interessiert, die Wahrheit zu erfahren", betonte der Botschafter.

Angela Merkel hatte Russland aufgefordert, die Ermittlungen im Fall Litwinenko mit Nachdruck zu unterstützen. Sie vertraue auf die Kooperation zwischen den britischen und russischen Behörden. Zudem habe sie mit Russlands Präsident Wladimir Putin über den Fall der ermordeten russischen Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja gesprochen. Putin habe ihr Aufklärung zugesichert. Dennoch sagte sie zur jüngsten Serie ungeklärter Morde: "Das ist kein gutes Zeichen, das muss sich ändern."

Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Wolfgang Bosbach zeigte sich ebenfalls besorgt. "Wenn ausländische Kräfte planmäßig in Deutschland operieren, ist das in erheblichem Maße beunruhigend für die innere Sicherheit des Landes", sagte Bosbach der "Berliner Zeitung". "Nicht nur wegen der Ermordung Litwinenkos, sondern auch in unserem ureigenen Interesse muss das Ermittlungsverfahren Erfolg haben."

Bosbach wertete die Vorfälle auch als Beweis für die rege Aktivität von Spionen. "Wir dürfen nicht den Glauben haben, dass mit dem Ende des Kalten Krieges auch die Spionagetätigkeit vorbei ist", sagte er. Das betreffe nicht nur das klassische Ausforschen von Staatsgeheimnissen sondern vor allem auch die Industriespionage.

Die Hamburger Staatsanwälte wollen die Rolle des Litwinenko-Kontaktmanns Dmitrij Kowtun klären. Am Wochenende waren in Hamburg und im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein Spuren des radioaktiven Stoffes Polonium 210 an mehreren Orten nachgewiesen worden, an denen sich Kowtun aufgehalten hatte.

Ob Kowtun den Mord an Litwinenko begangen hat oder an der Tat beteiligt war, müsste mit den britischen Behörden geklärt werden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Köhnke in Hamburg. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen Kowtun ein Verfahren wegen des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen und wegen des Verdachts des Missbrauchs ionisierender Strahlen ein. Kowtun hatte sich am 1. November mit Litwinenko im Londoner "Millenium" Hotel getroffen. An diesem Tag war Litwinenko in London vermutlich mit der hochgiftigen Substanz vergiftet worden und drei Wochen später gestorben.

Experten hatten am Wochenende das Haus im Hamburger Stadtteil Ottensen untersucht, in dem Kowtun sowie seine Ex-Frau eine Wohnung haben, und dabei auf dem Sofa der Ex-Frau Strahlenspuren gefunden. Kowtun hatte dort in der Nacht zum 1. November übernachtet und war am Morgen nach London geflogen, um Litwinenko zu treffen. Der 41-Jährige sowie ein dritter Mann bei dem Treffen, der Ex-Spion Andrej Lugowoj, leiden inzwischen an Strahlenkrankheit und liegen nach russischen Medienberichten in Moskau im Krankenhaus.

Kowtun war am 28. Oktober von Moskau nach Hamburg gekommen. Nach Ansicht der Ermittler war er schon in der russischen Hauptstadt in Kontakt mit dem Polonium gekommen. Ob er die Substanz dann in die Hansestadt transportiert oder im Körper gehabt und etwa ausgeschwitzt hat, lässt sich nach Angaben der Experten bisher nicht rekonstruieren.

Einsatzleiter Thomas Menzel sagte, die Ermittler seien auch auf radioaktive Spuren in einem Auto, das Kowtun mehrfach benutzt hatte, sowie auf dem Anwesen der Ex-Schwiegermutter Kowtuns in Haselau im Kreis Pinneberg gestoßen. "Man kann davon ausgehen, dass es sich auch dort um Polonium handelt", sagte Menzel, der die Sonderkommission "Dritter Mann" leitet. Auch auf einem Formular, das Kowtun Ende Oktober auf der Ausländer-Behörde in Altona ausgefüllt habe, seien Strahlenspuren gefunden worden. Über den Gesundheitszustand Kowtuns gibt es widersprüchliche Angaben. Die Ermittler der Hamburger Sonderkommission erhielten dazu bisher keine Auskunft der russischen Behörden.

ler/ddp/dpa

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