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11.12.2006
 

Litwinenko-Mord

Polonium-Verdacht bei vier Hamburgern

Der Litwinenko-Kontaktmann Kowtun hat bei seinem Hamburg-Besuch Ende Oktober nicht nur radioaktive Spuren an Gegenständen hinterlassen. Angaben der Hamburger Polizei zufolge wurden möglicherweise auch Kowtuns Ex-Frau, ihre beiden Kinder und ihr Lebensgefährte kontaminiert.

Hamburg/Moskau - Ob es tatsächlich eine Aufnahme des Stoffes in den Körper und damit eine Vergiftung gegeben habe, müsse geklärt werden, erklärte der Leiter der Sonderkommission "Dritter Mann", Thomas Menzel, heute in Hamburg. Die 31-jährige Marina W., ihre Kinder im Alter von einem und drei Jahren sowie ihr Lebensgefährte, 27, wurden den Angaben zufolge vorsorglich ins Regionale Strahlenschutzzentrum des Krankenhauses St. Georg in Hamburg gebracht. Für den Transport wurden Spezialrettungsfahrzeuge eingesetzt.

Polonium-Verdacht bei vier Hamburgern: Mit Spezialfahrzeugen werden die Patienten ins Krankenhaus im Stadtteil St. Georg eingeliefert
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DPA

Polonium-Verdacht bei vier Hamburgern: Mit Spezialfahrzeugen werden die Patienten ins Krankenhaus im Stadtteil St. Georg eingeliefert

Alle vier Personen hatten Kontakt zu dem russischen Geschäftsmann Dmitrij Kowtun, der auf noch ungeklärte Art in den Giftmord an dem Ex-Agenten Alexander Litwinenko in London verstrickt ist. Litwinenko war am 1. November mit Polonium vergiftet worden.

Es bestehe der Verdacht, dass Kowtuns Ex-Frau, ihre Kinder und ihr Lebensgefährte das Polonium möglicherweise inkorporiert, also in ihren Körper aufgenommen hätten, teilte die Polizei mit. Eine solche Inkorporation könne nur bei sehr intensivem Kontakt mit Kowtun oder mit der Substanz selbst erfolgt sein. Für die Bevölkerung und die Einsatzkräfte dagegen bestehe keine Gesundheitsgefährdung, weil die bisher an Gegenständen festgestellten Polonium-Werte sehr gering seien und entsprechende Kontaminationen nur sehr schwer übertragbar seien.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte sich Kowtuns Ex-Frau Marina W. bereits am Wochenende ärztlich untersuchen lassen. Kowtun hatte in der Nacht vor seinem Abflug zum Treffen mit dem später tödlich verstrahlten Kreml-Kritiker und russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko nach London am 31. Oktober in der Hamburger Wohnung seiner geschiedenen Frau übernachtet.

Dort hatten Ermittler am Freitagabend Spuren des radioaktiven Giftes Polonium-210 im Bad und an der Couch gefunden, auf der der Russe geschlafen hatte. Die Polizei geht davon aus, dass der 41-Jährige die Polonium-Spuren bei seiner Einreise nach Deutschland am 28. Oktober außerhalb seines Körpers getragen hatte und schon kontaminiert von Moskau nach Hamburg kam.

In einem Lokal und in einem Bekleidungsgeschäft in der Hamburger Innenstadt, die Kowtun bei seinem Aufenthalt in Hamburg aufgesucht hatte, wurde keine Kontamination festgestellt. Die Polizei sucht aber immer noch einen Taxifahrer, der Kowtun am Morgen des 1. November an der Erzbergerstraße aufgenommen hatte, um ihn zum Flughafen zu fahren. Zuvor hatten die Ermittler bereits an zwei weiteren Fahrzeugen, in denen Kowtun als Beifahrer gesessen hatte, Polonium-Spuren gemessen.

Inzwischen haben russische und britische Ermittler in Moskau den russischen Ex-Spion Andrej Lugowoi befragt. Lugowoi, eine Schlüsselfigur in der mysteriösen Affäre, werde in einem Moskauer Krankenhaus verhört, meldeten die Nachrichtenagenturen Interfax und Itar-Tass unter Berufung auf Ermittler-Kreise. Lugowoi müsse sich seit dem Nachmittag in Anwesenheit von Scotland Yard den Fragen der russischen Staatsanwaltschaft stellen.

Der ehemalige FSB-Agent Litwinenko hatte sich am 1. November in der Bar des Londoner Millennium-Hotels mit drei Russen getroffen - darunter Lugowoi und Kowtun. Anschließend zeigte Litwinenko erste Symptome einer Vergiftung mit Polonium-210. Er starb am 23. November in London. Sowohl Kowtun als auch Lugowoi sollen mit Polonium verstrahlt sein.

ler/AP/ddp/AFP

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