München - Einer bundesweiten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von RTL und "Bild am Sonntag" zufolge glauben 62 Prozent, die CSU könne ohne Stoiber ein besseres Ergebnis erzielen. Nur 26 Prozent sind der Ansicht, dass die CSU mit Stoiber als Spitzenkandidaten besser abschneiden könnte. Selbst bei den Anhängern von CSU und CSU ergab die Umfrage wenig Zutrauen in Stoiber. Nur ein Drittel der bundesweit befragten Unionswähler halten demnach eine CSU mit Stoiber für stärker, 58 Prozent erwarten bei der Landtagswahl 2008 größere Chancen auf einen Wahlerfolg ohne den CSU-Parteichef als Spitzenkandidaten.
Die größte Ablehnung erfährt der bayerische Regierungschef in der Umfrage bei den Anhängern der SPD, die mit der Union im Bund regiert. Nur 20 Prozent der sozialdemokratischen Wähler trauen Stoiber zu, die Aussichten der CSU bei der nächsten Landtagswahl zu verbessern, vom Gegenteil überzeugt sind 72 Prozent.
Die Forsa-Umfrage fand am 29. Dezember mit 1004 Befragten statt. In der CSU gibt es derzeit heftigen Streit um die Forderung der Fürther Landrätin und Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli, den Spitzenkandidaten der Partei für die kommende Landtagswahl per Mitgliederbefragung zu bestimmen.
Pauli dringt auf ein direktes Gespräch mit Stoiber und erwägt einen Überraschungsbesuch in dessen Heimat Wolfratshausen. Pauli, die sich derzeit im Winterurlaub befindet, sagte dem Blatt: "Wenn der Ministerpräsident sich nicht mit mir treffen will, dann besuche ich ihn vielleicht spontan auf dem Rückweg aus meinem Urlaub." Stoiber müsse jetzt endlich auf die Stimme der Basis hören.
Aussprache gefordert
Die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Raab forderte Stoiber zu einer Aussprache mit seiner Kritikerin auf. "Ich halte es für unumgänglich, dass Edmund Stoiber mit Frau Pauli persönlich spricht. Er muss die Sache klären und schnellstmöglich aus der Welt schaffen", sagte sie.
Stoiber sucht indes sein Heil in der Offensive. Im "Münchner Merkur" kündigte er eine Sitzung des Parteipräsidiums für den 8. Januar an. Thema solle auch die von Pauli geforderte Kür des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 durch die Basis sein, schreibt die Zeitung. Stoiber denke auch darüber nach, die Nominierung des CSU- Spitzenkandidaten um Monate vorzuziehen. "Die CSU darf nicht über längere Zeit ein Bild abgeben, als wären wir vorrangig mit uns selbst beschäftigt", sagte Stoiber der Zeitung.
Unterdessen wittert die Opposition im Bayerischen Landtag Morgenluft. "Das ist natürlich eine große Chance für die Opposition", sagte SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget in einem dpa-Gespräch. "Man sieht, dass der Machtverfall und auch der Ansehensverlust der Regierung Stoiber sehr tief greifend und anhaltend ist." Nur noch eine Minderheit wolle, dass Edmund Stoiber erneut als Ministerpräsident kandidiere.
"Politischer Altersstarrsinn"
Die derzeitigen Umfragewerte der SPD um 20 Prozent seien zu wenig, wiesen aber "eine Tendenz nach oben auf", sagte Maget. Allerdings dauere es für die Opposition in Bayern länger als anderswo, Stimmen zu gewinnen. "Hier haben sich viele daran gewöhnt, dass die CSU regiert. Das ist seit 50 Jahren so." Die SPD habe bei der letzten Landtagswahl 700 000 Wähler verloren. "Die gilt es zurückzugewinnen." Wahlziel für 2008 sei, die CSU um ihre absolute Mehrheit zu bringen.
Auch Grünen-Landtagsfraktionschef Sepp Dürr sieht die CSU zwei Jahre vor der Landtagswahl 2008 geschwächt. "Wir haben gute Voraussetzungen sowohl für die nächsten Landtags- als auch Bundestagswahlen", sagte Dürr in einem dpa-Gespräch. Die Grünen hätten Umfragen zufolge das ganze Jahr immer stabil bei etwa zehn Prozent gelegen. "Aber wichtiger ist, dass wir in vielen inhaltlichen Fragen die Mehrheit hinter uns haben", sagte Dürr. Als Beispiel nannte er den Ausbau von Ganztagsschulen und Kinderkrippen sowie erneuerbare Energien. "Die CSU hat das früher immer abgelehnt."
Die CSU ist nach Einschätzung Dürrs inhaltlich gelähmt. Die Christsozialen brauchten jemanden, der die Richtung vorgebe. "Stoiber kann das nicht mehr." Stoiber habe auf der einen Seite einen Allmachtsanspruch, bei dem jede Kritik wie Majestätsbeleidigung wirke, auf der anderen Seite sei er politisch handlungsunfähig. "Da ist ein politischer Altersstarrsinn, der sich nicht nur an der Person Stoiber festmacht, sondern am ganzen System", sagte Dürr. "Der Verfall des Systems beschleunigt sich."
mik/dpa/ddp
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