München - "Ich werde auf dem nächsten Kleinen Parteitag einen Antrag auf Mitgliederbefragung einbringen", kündigte Pauli in der "Berliner Zeitung" an. Das letzte Wort habe die Partei.
Die Mitgliederbefragung sei eine Möglichkeit, den Ruf der CSU zu verbessern. Außerdem könne so die Geschlossenheit der Partei wiederhergestellt werden. Derzeit werde in der Partei diskutiert, wer die meisten Stimmen holen könnte. "Wenn wir ein klares Votum haben, können sich alle wieder hinter einem Kandidaten versammeln", sagte sie. Als beste Ersatzkandidaten für Stoiber nannte Pauli Bayerns Innenminister Günther Beckstein und Bundesagrarminister Horst Seehofer. Beckstein sei der beliebteste Politiker Bayerns und Seehofer habe Ausstrahlung, sei kompetent und könne mit Menschen umgehen. Zudem sei er offen für neue Ideen.
Die CSU-Führung hatte angekündigt, Stoiber schon auf der Klausurtagung der Landtagsfraktion Mitte Januar in Wildbad Kreuth vorzeitig zum Spitzenkandidaten zu küren. Das lehnt Pauli ab: Eine Entscheidung der Landtagsfraktion beziehe die Partei nicht ein. "Das werden viele in der CSU so nicht hinnehmen wollen." Dies zeige auch die jüngste Umfragenach der knapp die Hälfte der CSU-Anhänger nicht mehr hinter Stoiber stehen.
Pauli warf Stoiber zudem vor, er habe ein Defizit im Umgang mit Frauen. "Ich denke, ich wäre eher zu einem Gesprächstermin mit Stoiber gekommen, wenn er nicht manchmal ein Problem hätte, mit Frauen in der Politik umzugehen", sagte sie. Das sehe man auch an seinem Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Männer, die noch ein klassisches Rollenbild haben, können oft nicht verstehen, dass Frauen auf gleicher Ebene mit gleicher Kompetenz mitreden", sagte Pauli. Sie hat nach eigener Auskunft mehrfach bei Stoiber um einen Termin gebeten, um über Nachforschungen seiner Mitarbeiter über ihr Privatleben zu sprechen. Bislang sei ein solches Gespräch nicht zustande gekommen.
Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, sagte derweil in der "Passauer Neuen Presse", die Nominierung des Spitzenkandidaten sei das ureigenste Recht der Landtagsfraktion. Und "auf Umfragen sollte man nicht allzu viel geben". Das habe man bei der Bundestagswahl 2005 gesehen. Eine Führungskrise gebe es nicht. Die CSU habe sich schon immer als sehr diskussionsfreudige Partei erwiesen. Was den Regierungschef angehe, sei die Lage aber völlig klar. "Der neue Ministerpräsident wird der alte sein. Edmund Stoiber ist und bleibt die unbestrittene Nummer eins", prophezeite Ramsauer.
Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) stellt unterdessen klar, er wolle nicht gegen Stoiber antreten. Er wies damit einen Vorstoß des CSU-Landtagsabgeordneten Konrad Kobler zurück. "Für mich kommt eine Kandidatur gegen Edmund Stoiber nicht in Betracht", sagte Huber. "Es handelt sich um eine Einzelmeinung von Konrad Kobler, der nicht für mich sprechen kann."
als/ddp
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