Von Sebastian Fischer, Wildbad Kreuth
Jetzt soll aber mal Schluss sein mit den Angriffen der Landrätin Pauli, mit der Diskussion um die Mitgliederbefragung, mit den ständigen Querschüssen aus der eigenen Partei. Mit der ganzen Kritik eben. Edmund Stoiber will endlich Ruhe. Deshalb soll Klartext geredet werden. Stoiber will Rückendeckung von der CSU-Führung. Und zwar schnell.
Deshalb eilt er ihr entgegen, dieser ersten Präsidiumssitzung im neuen Jahr, an der auch die zehn mächtigen Bezirksvorsitzenden der Bayern-Union teilnehmen. Stoiber, sonst notorisch zu spät, entsteigt seinem schweren Dienst-BMW an diesem Morgen eine Viertelstunde zu früh. Kurzer Zwischenstopp bei den vor der Münchner CSU-Zentrale wartenden Journalisten: "Ich erwarte im Präsidium, in Kreuth und in anderen Gremien Klartext" - Ausrufezeichen!
Wenn sich Edmund Stoiber heute etwas vorgenommen hat, dann ist es das Streuen des hübschen Wortes "klar" – am besten in Verbindung mit dem Substantiv "Text".
Ramsauer: "Zehen und Finger nach Stoiber abschlecken"
Auf Stoiber folgt Peter Ramsauer. Der Berliner CSU-Landesgruppenchef beherzigt sogleich die Vorgaben des Parteichefs und versucht's mit einer klaren Ansage: Nach so einem wie Stoiber als Regierungschef würden sich die anderen Bundesländer doch "Zehen und Finger abschlecken". Klingt lustig, aber Ramsauer ist genervt. Am Nachmittag will er in Kreuth die Klausurtagung seiner Landesgruppe eröffnen und in den kommenden Tagen Themen setzen: Um die Auslandseinsätze der Bundeswehr soll es unter anderem gehen.
Nun aber fragen alle nach den Personalquerelen in der CSU. Ramsauer: Wer jetzt weiter zündele, der falle all jenen in den Rücken, die für die CSU bundespolitisch Verantwortung trügen: "Wir wollen uns nicht mit den Folgen irgendeiner Personality-Show befassen", sagt Ramsauer und meint CSU-Rebellin Gabriele Pauli.
Das CSU-Präsidium diskutiert zwei Stunden. Und stellt sich hinter Stoiber. Insbesondere Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber und Bundesagrarminister Horst Seehofer tun sich in der Sitzung hervor: Stoiber sei zwar "die Zielscheibe" all der Kritik, doch "das Ziel ist die CSU", ruft Huber in den Raum. Und Seehofer nennt die Landtagswahl 2008 gar "eine historische Herausforderung", für die man Stoiber in beiden Ämtern brauche, als Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden.
Glücklicher Parteichef
Doch war Seehofer dieser Tage einer der letzten, der seine Solidarität zu Stoiber bekundete. Wochenlang war da nur Schweigen. Der Seehofer-Vertraute und CSU-Landtagsabgeordnete Konrad Kobler hatte derweil von Stoiber die Übergabe des Parteivorsitzes an Seehofer gefordert, der an der CSU-Basis außerordentlich beliebt ist. Auf solche Andeutungen der Journalisten hin schüttelt Horst Seehofer heute aber nur leicht resigniert den Kopf: Ach, man solle doch aufhören, "es ist genug geredet worden".
Zwei Stunden später ist ein glücklicher Parteichef zu beobachten. Edmund Stoiber lächelt, als er auf einer Pressekonferenz vom "einstimmigen Beschluss" des Präsidiums für ihn berichtet. Genüsslich sagt er, dass er sich der "Führungsverantwortung für unser Land und unsere Partei" stelle; dass er die "Erfahrung" habe, "die Zukunft erfolgreich zu gestalten". Edmund Stoiber steht sehr breitbeinig hinter dem CSU-Pult. Und sehr aufrecht.
Heute kann er sogar richtig süffisant sein: Seine Kritikerin Gabriele Pauli habe er zu einem Gespräch eingeladen, "weil ihr die Mitgliederbefragung und die Person des Ministerpräsidenten am Herzen liegen".
So kann man es auch sagen.
Natürlich bringt Stoiber auch seinen Lieblingsbegriff noch einmal unter: "Ich freue mich auf den Klartext, der immer wieder von unserer Klausurtagung in Kreuth ausgeht."
"Edmund Stoiber ist und bleibt die Nummer eins"
Die schlechten Umfragewerte wischt er einfach beiseite: 62 Prozent der Bayern sind derzeit gegen eine erneute Spitzenkandidatur Stoibers. Na und? Man habe doch das "Desaster der Demoskopie" beobachten können: Bei der Bundestagswahl 2005 und auch bei der österreichischen Nationalratswahl im vergangenen Oktober.
Trotz dunkler Worte über die Desaster-Demoskopie nimmt Stoiber den Umfragewert für die CSU (54 Prozent) – "mit einer gewissen Relativität" - sehr gern auf seine Kappe: "Dafür trage ich ein hohes Maß an Verantwortung."
Alois Glück, Landtagspräsident und CSU-Bezirkschef von Oberbayern, fällt die Rolle zu, die Solidaritätsadresse des Präsidiums und der Bezirkschefs vorzustellen, die sich übrigens "auf eigene Initiative getroffen" hätten. Er macht das ein bisschen mürrisch. Das passt nicht so recht zu Stoibers Kraftauftritt, zu seinem beständigen Lächeln. "Edmund Stoiber ist und bleibt die Nummer eins in unserer Partei", sagt Glück. Man könnte das sehr empathisch rüberbringen.
Alois Glück liest es einfach ab.
In dem Papier heißt es weiter, Stoiber solle seine Arbeit als Ministerpräsident und Parteivorsitzender "über 2008 hinaus fortsetzen".
Unbeeindruckte CSU-Rebellin
CSU-Rebellin Pauli derweil hat im Fränkischen eine Gegen-Pressekonferenz einberufen. Der Solidaritätsadresse des CSU-Präsidiums für Stoiber misst Pauli kaum Bedeutung bei: Im Präsidium seien durchweg enge Vertraute oder Minister Stoibers, die unmittelbar von ihm abhingen. Deren Position spiegele keineswegs die Haltung der CSU mit ihren 180.000 Mitgliedern.
Vom angekündigten Gespräch mit Stoiber erwartet sie offensichtlich nichts: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir uns näher kommen - es sei denn, Herr Stoiber sagt, er tritt 2008 nicht mehr als Spitzenkandidat an."
Doch Herr Stoiber muss jetzt erst mal schnell nach Kreuth, im Auto mit Peter Ramsauer. Bei der Ankunft am Tagungsort nahe der österreichischen Grenze spricht der Landesgruppenchef noch einmal von einem "Signal", das die CSU-Bundestagsabgeordneten in den nächsten Tagen setzen wollen: Man stehe "voll und ganz" hinter Stoiber, "wenn von hinten geschossen wird - und vor ihm stehen wir, wenn von vorne geschossen wird".
Stoiber selbst redet – natürlich – Klartext: "Die Temperaturen in Kreuth sind wesentlich höher als sonst, aber die Luft ist klar, und in Kreuth wird auch immer Klartext gesprochen."
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