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18.01.2007
 

Paulis Triumph

Chef gestürzt - Mission erfüllt

Von Philipp Wittrock, München

Gerade einen Monat brauchte Gabriele Pauli, um mit Spitzel-Vorwürfen und Rücktrittsforderungen die CSU zum Sturz von Edmund Stoiber zu treiben. Noch am Donnerstag traf sie ihn - und ist zufrieden. Will sie einen neuen Job? "Wenn ich der Partei irgendwie nützen kann..."

München - Mit ihr fing alles an, mit ihr hört alles auf. Es ist schon skurril, dass ausgerechnet Gabriele Pauli die exklusive Ehre zuteil wird, unmittelbar nach Edmund Stoibers Rücktrittserklärung als erste mit dem Ministerpräsidenten ein langes Gespräch unter vier Augen zu führen. Anderthalb Stunden nimmt sich Stoiber heute für die Landrätin Zeit.

Für jene Landrätin, die am 18. Dezember mit Spitzel-Vorwürfen gegen Stoibers Büroleiter Michael Höhenberger die schwerste Krise seit Bestehen der CSU erst ausgelöst hat. Die die Partei zum Sturz Stoibers aufgerufen hat. Über die der Ministerpräsident lästerte, sie sei nicht wichtig genug, dass er sich mit ihr unterhalte. Die Wirtschaftsminister Erwin Huber vor dem versammelten CSU-Vorstand zusammenfaltete.

Einen Monat später, am 18. Januar, ist das Ende der Ära Stoiber eingeläutet; steht Erwin Huber dank Pauli womöglich vor der Übernahme des mächtigsten CSU-Amts.

Die Zeiten ändern sich - manchmal rasend schnell.

Eigentlich hatte sich "die schöne Landrätin", wie der Boulevard die 49-Jährige gern nennt, für die schon vor Tagen vereinbarte Aussprache vorgenommen, Stoiber noch einmal mit Nachdruck zum Rückzug aufzufordern. Sie wollte ihm endlich die Augen öffnen, ihm klar machen, dass er längst das Vertrauen der Partei verloren hat. Doch dann kommt alles anders.

Auf dem Weg von Fürth nach München hört Pauli im Radio, worauf sie die ganze Zeit hingearbeitet hat. Edmund Stoiber gibt auf. Im September 2007 will er nicht mehr Ministerpräsident sein und den Parteivorsitz niederlegen. "Schon überrascht" sei sie da gewesen, sagt Pauli später am Nachmittag, als sie den Journalisten im Münchener Löwenbräu-Haus von ihrem Tête-à-tête mit Stoiber berichtet. Freude, nein, Freude habe sie nicht verspürt, "sondern auch Betroffenheit" über das Ende eines "verdienten Politikers". Warme Worte einer kühlen Kritikerin.

Pauli kommt wie immer perfekt gestylt zum Pressetermin im rustikalen Ambiente. Die dunkelroten Haare sitzen, als wäre der Mega-Orkan in der bayerischen Landeshauptstadt nicht mehr als ein laues Lüftchen. An den Ohren baumeln große Perlenohrringe, am Revers des eleganten, dunklen Kostüms funkelt eine Brosche im Scheinwerferlicht der Kameras. Die promovierte Politologin weiß sich zu inszenieren, ihre Doktorarbeit hat sie über Polit-PR bei der CSU geschrieben.

Pauli will nicht Siegerin sein

Pauli ist bewusst, dass ihr Name für immer und ewig mit Stoibers Sturz in Verbindung stehen wird. Doch weder will sie die Königsmörderin sein noch sich als Siegerin fühlen. "Ich kann nicht sagen, dass ich mich riesig freue", sagt sie. Trotzdem huscht ein Lächeln über ihr Gesicht.

Natürlich habe sie mit ihrer Kritik am System Stoiber eine Lawine ins Rollen gebracht. Aber eine Lawine komme eben nur ins Rollen, wenn etwas locker sei. "Ich habe nur ausgesprochen, was viele in der Fraktion denken." Ihren Zwist mit dem CSU-Chef sieht sie ausgeräumt, es gebe aus ihrer Sicht "kein Problem im menschlichen Bereich" mehr. Letztlich sei sie einfach nur glücklich darüber, dass in der Partei wieder offen diskutiert werde.

Die Basis - sie ist dem Vorstandsmitglied Pauli heilig. Auch heute spricht sie sich immer wieder dafür aus, die Parteimitglieder bei der Nominierung eines Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 mitreden zu lassen. Auch wenn ihr Favorit Günther Beckstein das Land dann schon ein Jahr geführt hat.

Und ihre eigenen Ambitionen? Nach 30 Tagen Werbung in eigener Sache gefällt es Pauli sichtlich, wenn in Gedankenspielen nun größere Aufgaben an sie herangetragen werden. Dreimal wird sie gefragt, ob sie ausschließen könne, sich selbst um den Posten der Parteichefin zu bemühen. Dreimal weicht Pauli aus. Es gebe profiliertere Leute, sie wolle erst mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln, die Stimmung in der Partei ausloten, und auf jeden Fall Landrätin in Fürth bleiben. Aber "wenn ich der Partei irgendwie nützen kann..."

Die CSU werde jetzt erst einmal durchatmen, sagt Pauli. "Es ist der Anfang von einem Beginn. Wir nehmen einen neuen Anlauf." Dann schließt sie: "Es waren spannende Wochen. Jetzt kommen noch spannendere."

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