Samstag, 21. November 2009

Politik



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19.01.2007
 

Wegen Flucht vor Irakkrieg

US-Kriegsdienstverweigerer kommt in Würzburg vor Militärgericht

Von Yassin Musharbash

Weil er kein zweites Mal in den Irak wollte und sein Antrag auf Ausscheiden aus der Armee nicht bewilligt wurde, tauchte Agustin Aguayo unter. Nun beginnt sein Verfahren vor einem US-Kriegsgericht in Würzburg. Wegen Desertierens drohen ihm sieben Jahre Haft.

Berlin - Das Verfahren gegen den 35-jährigen Sanitäter wird am kommenden Donnerstag um 11 Uhr mit der Verlesung der Anklage beginnen, bestätigte Aguayos Anwalt David Court gegenüber SPIEGEL ONLINE. Aguayo wird unerlaubte Abwesenheit sowie Desertieren vorgeworfen. Der eigentliche Prozess, der vor einem US-Militärgericht in Würzburg stattfinden wird, beginnt vorrausichtlich im Februar oder März.

Agustin Aguayo während einer Pressekonferenz: Bis zu sieben Jahre Gefängnis
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AP

Agustin Aguayo während einer Pressekonferenz: Bis zu sieben Jahre Gefängnis

"Meines Wissens ist dies der wichtigste Prozess gegen einen US-Soldaten, der den Krieg ablehnt, der jemals auf deutschem Boden stattfand", erklärte Elsa Rassbach von der Organisation "American Voices Abroad", einem Netzwerk von US-Bürgern in Europa, das Aguayo schon in der Vergangenheit geholfen hat, Geld für seine Prozesse zu sammeln und Aufmerksamkeit für seinen Fall zu erregen.

Der Soldat im Rang eines "Specialist" hatte sich Anfang September dem Marschbefehl seiner Einheit in Richtung Irak widersetzt, indem er im Kampfanzug aus dem Fenster seines Hauses in Mannheim sprang und untertauchte.

Der gebürtige Mexikaner hatte von Februar 2004 an bereits ein Jahr im Irak gedient - das wollte er auf keinen Fall noch einmal erleben. Bereits vom Irak aus hatte er 2004 auf seine Entlassung aus der Armee geklagt und sich auf Gewissensgründe berufen. Doch die Army lehnte das Ansinnen ab. Auch eine später eingereichte Zivilklage in den USA hatte keinen Erfolg: Der Sanitäter blieb gegen seinen Willen Mitglied des 118. Infanteriebataillons der 1. Infanteriedivision in Schweinfurt. Aguayo ging in Berufung. Dieses Verfahren ist noch nicht entschieden.

Trotzdem wollte die Armee ihn im vergangenen Herbst für ein weiteres Jahr in den Irak entsenden - und Aguayo sah keine andere Möglichkeit, als unterzutauchen. Immerhin vier Wochen hielt er durch, dann stellte er sich in den USA der Polizei. Die Armee schickte ihn postwendend zurück nach Deutschland, und Aguayo wurde in Mannheim in einem US-Militärgefängnis inhaftiert, wo er seitdem auf seinen Prozess wartet.

Im schlimmsten Fall, so Anwalt David Court, drohen seinem Mandanten nun sieben Jahre Haft. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird Aguayos Familie aus den USA anreisen, um während des Prozesses hier zu sein.

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