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27.01.2007
 

Holocaust-Gedenktag

Merkel ruft zum Kampf gegen die NPD auf

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Seit 1996 ist der 27. Januar Gedenktag in Deutschland, seit dem vergangenen Jahr nach einem Uno-Beschluss auch weltweit - ein Tag der mahnenden Worte.

Frankfurt/Warschau - Politiker und ehemalige KZ-Häftlinge haben am Holocaust-Gedenktag eindringlich vor einer Verdrängung des Völkermordes im Dritten Reich gewarnt. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief in diesem Zusammenhang zum Kampf gegen die rechtsextremistische NPD auf. Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus sagte am Samstag in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit stellten auch im 21. Jahrhundert eine große Herausforderung dar.

Ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau während der Gedenkfeier in Oswiecim
DPA

Ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau während der Gedenkfeier in Oswiecim

"Die NPD muss bekämpft werden von allen mutigen Demokraten. Und ich danke allen, die sich dafür engagieren", sagte Merkel auf einem Parteitag der Brandenburger CDU in Frankfurt(Oder). Vor dem Tagungsgebäude hatte die NPD zu Protesten gegen die CDU aufgerufen. Laut Polizei zogen etwa 200 Neonazis durch die Frankfurter Innenstadt. Zu einer Gegendemonstration versammelten sich 1400 Menschen.

Althaus betonte in Buchenwald, es gelte, wachsam vor jeder Form des Extremismus, vor jeder Form von Intoleranz und Fremdenhass zu bleiben: "Gefordert ist heute wie morgen der Mut zum Widerspruch und die Bereitschaft, schon den Anfängen extremistischer Tendenzen entschieden entgegenzutreten." Der CDU-Politiker warnte außerdem vor einer Veränderung der Erinnerungskultur, die zu Lasten der Opfer der NS-Diktatur gehe.

Der Präsident des Internationalen Buchenwald-Komitees, Bertrand Herz, beklagte, dass neuerdings "ein gewisser Richtungswandel" zu spüren sei, der "leider auf eine Banalisierung der Erinnerung an das Naziregime" abziele. Kein Demokrat werde die Verbrechen des Stalinismus verteidigen, aber es sei unmöglich, das Naziregime mit irgendeinem anderen gleichzusetzen.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Gert Weisskirchen, forderte die Bundesregierung zu mehr Engagement auf. Es gebe in Deutschland vielfältige zivilgesellschaftliche Anstrengungen im Kampf gegen Antisemitismus, sagte Weisskirchen im Deutschlandradio Kultur. "Das muss deutlich stärker beispielsweise durch die Projekte und Finanzleistungen der Bundesregierung unterstützt und gestärkt werden." In manchen Landstrichen Deutschlands sei es leider so, dass Rechtsextreme versuchten, die Mitte der Gesellschaft zu erobern. "Und manche reagieren schweigsam darauf, lassen das zu, wehren sich nicht dagegen." Das wichtigste sei, dass die Mitte der Gesellschaft gewonnen werde für zivilgesellschaftliches Engagement, Zivilcourage.

Nach Ansicht von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse ist der zunehmende Rechtsradikalismus in Deutschland zwar kein ostdeutsches Problem, hat aber eine "ostdeutsche Schlagseite". Thierse sagte dem Südwestrundfunk, dies habe mit der Verunsicherung der Menschen und mit deren Zukunftsängsten zu tun.

Ehemalige Insassen des Nazi-Konzentrationslagers Auschwitz und Einwohner der polnischen Stadt Oswiecim haben auf dem Gelände des Lagers eine Gedenkstunde zum 62. Jahrestag der Befreiung abgehalten. "Die gesamte jüdische Zivilisation Zentral- und Osteuropas fiel der Ausrottung und dem Vergessen anheim", sagte Ewa Junczyk-Ziomecka, die Gesandte des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski. "Wir erinnern auch an die Roma, die sowjetischen Kriegsgefangenen und die Angehörigen anderer Nationen", die in dem Lager umgebracht wurden, fügte Junczyk-Ziomecka hinzu.

Etwa 20 Bewohner Oswiecims wurden mit polnischen Medaillen ausgezeichnet, weil sie den Insassen des Lagers und Flüchtigen geholfen hatten. Zwischen 1940 und 1945 kamen im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau insgesamt etwa 1,1 Millionen Menschen ums Leben, die Mehrheit von ihnen Juden aus Ländern unter deutscher Besatzung. Bei der Befreiung durch sowjetische Soldaten am 27. Januar 1945 wurden 7000 Überlebende vorgefunden, 60.000 weitere Insassen waren wenige Tage zuvor in die Lager Groß-Rosen und Buchenwald verlegt worden.

cai/ap/dpa/afp

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