Von Sebastian Knauer
Der Kampf war lang und mühsam. Nach jahrelangen Verhandlungen mit Umweltorganisationen wie Robin Wood, WWF oder Greenpeace verkündet das Gemeinsame Ministerialblatt in Berlin diesen Montag Bemerkenswertes: Die Berliner Bundesbehörden wollen fürderhin "Holz und Holzprodukte" nur noch mit den Qualitätssiegeln Forest Stewardship Council (FSC) sowie Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) einkaufen und verwenden.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der die "anhaltende Zerstörung und Degradierung von Wäldern" kritisiert, will damit dem Ziel einer "nachhaltigen Waldbewirtschaftung" näher kommen. "Die Bundesregierung", so Gabriel, "setze mit Ihrer neuen Beschaffungsregelung ein "deutliches Zeichen" für die Bedeutung der Nachhaltigkeitszertifizierung.
Doch der blaue Engel für das Tropenholz ist vom Absturz bedroht. "Da wird eine verwässerte Richtlinie verabschiedet, die dem Raubbau noch die Tür öffnet," urteilt Martin Kaiser, Forstexperte von Greenpeace. Denn unter dem Dachmantel von PEFC, ein vorwiegend von Forstbesitzern initiiertes Öko-Siegel, tummeln sich inzwischen weltweit dubiose Öko-Zertifizierungen.
So beantragte der Waldbesitzer und bayerische CSU-Landtagsabgeordnete Sebastian Freiherr von Rotenhan für seine sächsischen Forste 2006 ein PEFC-Zertifizierung. Die habe er "innerhalb weniger Tage mit der Post" zugestellt bekommen. Für Rotenhan, langjähriger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft, bekommt "der Waldbesitzer das PEFC-Zertifikat ohne jede Überprüfung durch Dritte".
Zwar verlangen die strengen PEFC-Statuten auch ein umweltgerechtes Management der Forste sowie eine Beteiligung der betroffenen einheimischen Völker. Aber sowohl das malaysische MTCC-Siegel, das kanadische CSA oder das US-amerikanische SFI, allesamt PEFC-Mitglieder werden von Greenpeace kritisch eingeschätzt. "Das sind doch Industriezertifikate", sagt Kaiser, "da ist die Interessenlage klar."
Immer wieder wird mit phantasievollen Öko-Siegeln dem Verbraucher die Mär vom Teakholz aus der Plantage oder dem Zellstoff aus der Aufforstung erzählt. Die neue Regelung für deutsche Regierungsbauten sei zwar "insgesamt ein Fortschritt", sagt Kaiser, "aber nicht das was wir uns gewünscht hätten". Als vorbildlich wurde beispielsweise die Deutsche Bahn angesehen, die vergangenes Jahr erklärte, ihre Holzprodukte für Bohlen oder Bahnhöfe nur noch mit FSC-Siegel, das in der Bonner Weltzentrale verwaltet wird, zu bestellen.
Doch auch die Beschaffungsrichtlinie der Deutschen Bahn lässt für "Schwellenholz" den Einkauf von PEFC-zertifizierten Hölzern zu, wie Vorstand Wirtschaft und Politik, Otto Wiesheu, bestätigt. Ein Trost bleibt den Umweltorganisationen mit der "verwässerten Beschaffungsrichtlinie" (Kaiser). Auf Wunsch von Umweltminister Gabriel ist sie auf vier Jahre befristet und soll zwischenzeitlich überprüft werden. "Das ist kein Blankoscheck, bei illegalem Einschlag oder fehlender Transparenz der Standards" will der grüne Erzengel Gabriel sündige Zertifizierungssysteme vom lukrativen öffentlichen Markt "ausschließen".
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