Berlin - Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Quellen des Bundesnachrichtendienstes und Bundeskriminalamtes berichtet, nimmt mit dem Einsatz der deutschen Tornado-Aufklärungsjets die Gefahr von Racheaktionen durch die Taliban zu. "Je mehr wir uns in Afghanistan militärisch engagieren und in die Rolle eines Verbündeten der USA geraten, umso kritischer wird die Lage auch in Deutschland", sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte.

Tornado-Kampfflugzeug: Kabinett entscheidet über Afghanistan-Einsatz
Der ehemalige Luftwaffen-General Hermann Hagena geht davon aus, dass Tornado-Aufklärungsflugzeuge in Afghanistan notfalls auch in Bodenkämpfe eingreifen werden. "Wenn sich ein Ziel oder eine konkrete Bedrohungslage für eigene Truppen am Boden ergibt, und wenn Tornados in der Luft sind, die Ziele erkennen, die für eigene Truppen bedrohlich sind, dann ist es natürlich, dass ein Flugzeugführer in einer solchen Situation in der Lage ist und bereit sein muss, auch zu schießen", sagte Hagena auf NDR Info.
Die Piloten der deutschen Tornado-Kampfflugzeuge müssen sich nach Ansicht des Vorsitzenden des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz, auf besondere Gefahren einstellen. Man müsse damit rechnen, dass die Flugzeuge mit schultergestützten Luftabwehr-Raketen bekämpft werden, sagte Gertz der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". Die Entsendung von Tornados gehe "über das, was wir bislang in Afghanistan geleistet haben, weit hinaus", betonte Gertz.
Vor dem Kabinettsentscheid hat der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold erneut für den Einsatz geworben. "Wir haben für Afghanistan eine gemeinsame Verantwortung. Es gibt keine getrennte Sicherheit im Norden und im Süden", sagte er im Deutschlandfunk.
Wie in der SPD soll auch in der Unions-Fraktion die Entscheidung über die Aufklärungs-Tornados nicht unter Fraktionszwang gestellt werden. Er werde abweichende Voten in seiner Fraktion "respektieren", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er gehe daher davon aus, dass eine breite Mehrheit für den Antrag der Regierung stimmen werde. Kauder fügte aber hinzu: "Es wird auch andere Auffassungen geben. Das respektiere ich."
Die FDP-Fraktion hält sich ihre Entscheidung zum geplanten Einsatz deutscher Tornados in Afghanistan offen. "Wir werden die Vorlage unvoreingenommen prüfen", erklärte der außenpolitische Experte der FDP-Fraktion, Wolfgang Gerhardt, der "Passauer Neuen Presse". Eine Tendenz für das Votum der Fraktion gebe es noch nicht.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer stellte sich hinter das militärische Engagement der Bundeswehr in Afghanistan. Ob die Grünen dem Einsatz deutscher Tornados zustimmen werden, ließ er allerdings offen. "Klar ist: Der Aufbau Afghanistans ist ohne militärischen Rückhalt gegen die Angriffe der Taliban nicht zu leisten", sagte Bütikofer der "Passauer Neuen Presse".
jaf/AFP/dpa/AP/ddp
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