Hamburg - Zimperlich war Ursula von der Leyen, 48, bei ihrer Bestandsaufnahme des deutschen Männerbildes noch nie. Die Männer seien schlicht zu unmodern, diese These hat die Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend schon immer offensiv vertreten, in ihrem Kampf für eine neue Rollenverteilung in den Haushalten unserer Republik. Männer an die Windel, lautet ihr Credo. Auch deswegen gibt es seit Jahresbeginn zwei Monate länger Geld vom Staat, wenn die Herren der Schöpfung eine berufliche Auszeit nehmen.
Nicht wenige reagieren gereizt auf die Penetranz, mit der die Ärztin und Politikerin seit ihrer Amtsübernahme ihren Kreuzzug für Kinder, Kirche und Karriere führt - das eigene Privatleben dabei immer gern ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. "Ich bin Deutschland", titelte der SPIEGEL im April vergangenen Jahres über einem Foto, das die siebenfache Mutter im Kreise von Mann, Kindern und Ponys zeigt.
"Der Staat sollte nicht vorschreiben, von wem die Kinder erzogen werden", ließ CSU-Chef Edmund Stoiber seinen Generalsekretär erklären. Und FDP-Chef Guido Westerwelle lästerte: "Wenn man Frau von der Leyen reden hört, gewinnt man den Eindruck, dass der Bundesadler demnächst durch einen Storch ersetzt werden soll."
Die ehemalige niedersächsische Sozialministerin kümmern die spöttischen Sprüche nicht. Sie gibt sich strahlend, stur und angriffslustig. Das bekamen jetzt auch zwei Reporter vom "Stern" zu spüren, die für ein provokantes Interview mit Ursula von der Leyen in die Rolle der Verteidiger der Männlichkeit schlüpften. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Schlagabtausch über mächtige Frauen, richtige Kerle und das Ende von Stereotypen: "Ursula und die Männer".
Kopf hoch, Bauch raus
Von der Leyen sieht die Macht der Männer schwinden. "Die Zeiten sind vorbei, in denen Männer per se mächtiger waren und als Alphatierchen daherkamen", stellt sie fest. Dank besserer Bildung zögen Mädchen heute zum Teil an den Jungs vorbei. Die Folge: "Frauen greifen nach der Hälfte der Macht." Die Journalisten fragen besorgt: Warum denn das alte Machtsystem der Männer nicht mehr funktioniere. "Hey, bekommen Sie Angst?", kontert die Ministerin.
Nun, ihre Angst halte sich in Grenzen, behaupten die "Stern"-Männer und fragen nach dem Wert männlicher Machtrituale. Mit denen hat Ursula von der Leyen Erfahrung: "Platzhirschgebaren" nennt sie das: "Großes Volumen in der Bassstimme, raumgreifende Gesten, Brust raus, Kopf hoch, der Bauch wird rausgeschoben." Sie selbst ist damit nicht zu beeindrucken, schließlich wirkten heute andere Mechanismen: "die leisere Stimme, das konziliante Wort, die Argumentation gegenüber dem plakativen Formulieren". Von der Leyen sieht "jahrhundertealte Stereotypen aufknacken".
Deutschland braucht mehr Kinder, das ist ihr Lieblingsthema. Gleichzeitig wollen junge Frauen aber immer häufiger Karriere machen. Wie geht das zusammen? Die Frauen wünschten sich, dass ihr Partner "genauso wie sie Verantwortung auf beiden Gebieten" übernimmt. Doch an dieser Stelle hakt es laut von der Leyen gewaltig. Schuld sind die Männer: "Das Dilemma ist, dass die männliche Rolle hinterherhinkt." Hohn und Spott ernteten viele Männer bei ihren Kollegen, wenn sie zu Gunsten des Kindes zu Hause bleiben.
"Missverhältnis auf dem Beziehungsmarkt"
Die Reporter protestieren: Immer sollen sich die Männer ändern! "Schwachsinn", entgegnet die Ministerin barsch. Es gehe um Weiterentwicklung aus einer "sehr engen, antiquierten Rolle", so habe sich schon in den USA und Skandinavien "das Missverhältnis auf dem Beziehungsmarkt" wieder ausgeglichen. Von der Leyens Warnung: "Diese Gesellschaft wird nicht weiterexistieren, ohne dass die Vaterrolle oder die des pflegenden Sohnes weiterentwickelt wird."
Noch immer geben sich die Journalisten nicht zufrieden: Männer suchten in der Frau nun einmal das "ganz Andere". Es gehe um Selbstergänzung, Selbstübersteigung. Um Romantik. Eine "arme Welt" sei das, spottet von der Leyen, wenn das männliche Ideal nur aus dem Bild des Karrieristen bestehe.
Als ihre Gesprächspartner auch noch nach der "Verhaustierung" des Mannes fragen, platzt es aus ihr heraus: "Hört, hört! Die Verhaustierung des Mannes! Meine Herren, ich muss schon sagen: eben noch Romantiker und jetzt tiefe Verächtlichkeit" für fürsorgliche Männer. Die CDU-Politikerin wittert Diskriminierung, wenn "bisher primär weibliche Tätigkeiten" als Verhaustierung lächerlich gemacht würden.
Supervater und Superkarriere - das muss nicht sein
Nächste Runde, nächste steile These. Die Ansprüche an die Männer stiegen, bei der Partnerwahl werde aber weiter an Traditionen festgehalten: Frauen suchen noch immer beruflich erfolgreiche Männer, Männer suchen attraktive Frauen - das sagen zumindest die Kontaktanzeigen. Ursula von der Leyen verzweifelt: "Kontaktanzeigen! Ich glaube es nicht!" Lebensbeziehungen bräuchten schon etwas mehr als Kontaktanzeigen.
"Entspannen Sie sich", fordert sie ihre Gegenüber auf. "Sie müssen nicht gleichzeitig Superkarriere machen und ein Supervater sein, die Frauen um ein Vielfaches in allen beruflichen und häuslichen Qualitäten übertreffen." Und wenn die jungen Frauen mal wieder klagen, es gebe nur noch Weicheier und keine richtigen Kerle mehr? "Wenn richtige Kerle alles können, können sie doch auch Windeln wechseln, oder?"
Für sie persönlich sei für die Attraktivität eines Mannes der Moment entscheidend, "wenn er den Mund aufmacht". Sie wolle wissen, "wie er tickt, wie er denkt, wie er fühlt." Tiefgang muss ein Mann nach von der Leyens Worten haben, Plattheit und ordinäres Verhalten törnen sie ab. Na, wenn das so ist: Wann sie denn zum letzten Mal mit einem Mann geflirtet habe? "Du liebe Zeit! Nächste Frage!" Das soll doch wohl nicht bedeuten, dass sie gar nicht mehr mit Männern flirtet? "Meine Herren, jetzt ist es aber mal gut."
phw
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