Von Sebastian Fischer, München
Das Netzwerk versagt
Fürst kommt voran: Vor der Bundestagswahl 2002 schafft er es zwar nur auf den nahezu aussichtslosen Listenplatz 38, aber noch im gleichen Jahr wird er zum stellvertretenden JU-Bundesvorsitzenden gewählt. Beste Chancen also für die nächste Bundestagsliste. Doch dann versagt offenbar Fürsts Netzwerk das erste Mal: Manfred Weber wird zum Vorsitzenden der Bayern-JU gewählt, Fürst soll dagegen gekämpft haben. Der neue JU-Landesvorstand stützt seine bundespolitischen Ambitionen nicht mehr, Fürst muss 2004 als Bundes-Vize abtreten. Aus der erste Traum vom Berliner Mandat. In der Folge konzentriert sich Fürst auf die Regensburger Kommunalebene.
Dort geraten immer wieder CSU-Jungpolitiker ins schwarzbraune Zwielicht. So auch Fürsts Nachfolger im örtlichen JU-Vorsitz: Michael Lehner. Im Herbst 2006 kursieren Bilder vom mit Reichskriegsflagge geschmückten Zimmer des damals 22-Jährigen. Lehner begründet das mit historischem Interesse. Doch derzeit läuft ein JU-internes Verfahren gegen ihn. Im Frühjahr soll es abgeschlossen sein, sagt Bayerns JU-Chef Weber, der parallel beim Thema Thomas Fürst sehr entschlossen auftritt: "Ich fordere zu einem Aufstand der Anständigen auf", sagt er der "Mittelbayerischen Zeitung". Es gehe in Regensburg um die "Grundlagen unserer politischen Kultur".
In der Münchner CSU-Zentrale hat man lange zugeschaut. Doch in der vergangenen Woche reist schließlich Generalsekretär Markus Söder nach Regensburg, spricht mit Fürst, den er aus gemeinsamen JU-Tagen kennt, spricht mit dessen Kritikern. Zu SPIEGEL ONLINE sagt Söder mit Blick auf die anstehenden Wahlen zum Kreisvorstand: "Ich erwarte von Thomas Fürst und seinen Unterstützern ein klares Signal des Einlenkens." Hinter der "Geschlossenheit der Regensburger CSU" müssten "alle Einzelinteressen zurückstehen". Fraktionschef Schlegl ist dankbar für die endlich erfolgte Unterstützung aus München: "Söder hat angedeutet, dass er noch einmal kommt, wenn wir ihn brauchen."
Was aber, wenn das Netzwerk trägt, wenn sich Fürst endgültig durchsetzt in Regensburg? "Dann", sagt Schlegl, "könnte es sein, dass es bei der Kommunalwahl nächstes Jahr eine zusätzliche Liste gibt." Auf der würde dann wohl jene CSU antreten, die Thomas Fürst am Montagabend das Misstrauen aussprach.
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