Bakker und Hidde Donker bringen es so auf den Punkt: Ihre Dschihadisten-Gruppe unterscheide sich "fundamental von den globalen Mudschahidin". Dieser Schluss wird noch anderweitig gestützt - zum Beispiel durch die Erkenntnis, dass die in Europa aktiv gewordenen Dschihadisten "sich mit wenig Außeneinfluss radikalisieren, ... und zwar oftmals gemeinsam mit Freunden und Familienmitgliedern".
Soll heißen: Die Euro-Terroristen rekrutieren sich selbst. Das Internet spielt dabei eine besondere Rolle. Denn viele der untersuchten Dschihadisten versorgten sich über das Netz mit Propaganda von al-Qaida & Co. - und zwar verstärkt innerhalb weniger Monate vor der Tat.
Das erhärtet, was Sicherheitsbehörden längst fürchten: Die Radikalisierungsphase fällt immer kürzer aus.
Kein Mentekel, sondern Wirklichkeit
Noch ein weiterer Unterschied zu Sagemanns Untersuchung gibt zu denken: 58 Dschihadisten sind vor der Tat polizeiauffällig geworden - fast ein Viertel und viel mehr als bei Sagemann. Kleinkriminelle finden heute und in Europa offenbar häufiger den Weg zu al-Qaida & Co. als früher und anderswo.
Auch ein im Vergleich zu Sagemann höherer Anteil von Konvertiten (14 insgesamt - 13 Ex-Christen und 1 Ex-Hinduist) bestätigt, dass der Weg in den Dschihadismus heute öfter über Umwege führt als früher.
Ein Profil lässt sich aus diesen Daten trotz aller interessanten Details nicht gewinnen. Die Attentätertypen sind zu vielfältig. Am stärksten verwertbar ist fürs Profiling wohl noch das Ergebnis, dass so viele Terrorverdächtige zuvor Kleinkriminelle waren.
Die Macher der Studie selbst glauben, dass sie nun mit Sicherheit den Homegrown Terrorism als neuen Megatrend unter Europas Dschihadisten ausmachen können. Allerdings rückt die Debatte unter Terrorexperten gegenwärtig von diesem Begriff wieder ab - denn die Untersuchungen der Attentate in London vom Juli 2005 haben Verbindungen nach Pakistan und zu al-Qaida offenbart. Diese stehen dem Schluss entgegen, dass die Täter ganz auf eigene Faust gehandelt haben.
Der eigentliche Wert der Studie dürfte woanders liegen: in der schlichten Auswertung dessen, was schon geschehen ist. Die nun deutlicher gewordenen Trends zum Beispiel bei der Zielauswahl in Europa aktiver Terroristen sind hilfreich für die Prävention. Genauso die empirisch gestützte Erkenntnis, dass es eine Korrelation zwischen Propaganda im Internet und rascher Radikalisierung gibt.
Vor allem aber kann nun als belegt gelten, dass die meisten Attentäter, die in Europa zur Tat schreiten, sich zuvor hier innerhalb der Mehrheitsgesellschaften zu Dschihadisten entwickeln - mittlerweile in den meisten Fällen ganz ohne Pulverdampf-Erfahrung und Terrorcamp-Aufenthalt.
Die "neue Generation" von Dschihadisten in Europa - sie ist kein Menetekel, sie ist Wirklichkeit.
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