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25.04.2007
 

Mord an Buback

Regierung kannte Aussage von Ex-RAF-Terroristin Becker schon 1982

Von Holger Stark

Warum wurde die Aussage der Ex-RAF-Terroristin Verena Becker zum Buback-Mord jahrzehntelang ignoriert? Nach Informationen des SPIEGEL wusste auch die Regierung bereits 1982 davon. Der Verfassungsschutz hatte Innenministerium, Bundesanwaltschaft und BKA umgehend informiert.

Berlin - Die Aussagen der RAF-Aktivistin Verena Becker über den Ablauf des Buback-Attentates haben bereits im Frühjahr 1982 die Bundesregierung erreicht. Das Bundesamt für Verfassungsschutz, das mit Becker in Kontakt stand, informierte nach SPIEGEL-Informationen umgehend das Bundesinnenministerium über die Ergebnisse der Befragungen. Auch die Bundesanwaltschaft unter Generalbundesanwalt Kurt Rebmann und das Bundeskriminalamt wurden eingeweiht.

Ex-Terroristin Becker auf einem undatierten Fahndungsfoto aus den Siebzigern: Detaillierte Angaben zum Buback-Mord
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DPA

Ex-Terroristin Becker auf einem undatierten Fahndungsfoto aus den Siebzigern: Detaillierte Angaben zum Buback-Mord

Damit steht fest, dass der Verfassungsschutz die brisanten Erkenntnisse nicht für sich behielt, sondern alle beteiligten Behörden informiert waren. Der Verfassungsschutz benachrichtigte BKA und Bundesanwaltschaft nicht nur mündlich, sondern leitete auf Arbeitsebene zumindest Teile der Becker-Aussagen nach Meckenheim und Karlsruhe weiter. Der damalige Innenminister Gerhart Baum (FDP) kann sich nach eigenen Angaben "nicht erinnern", ob er mit dem Vorgang zu tun hatte.

Die neuen Erkenntnisse bestätigen einen Bericht des SPIEGEL von dieser Woche. Danach hat sich Verena Becker, die im Mai 1977 nach einer Schießerei verhaftet und im Dezember 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, in Haft Beamten des Kölner Verfassungsschutzes offenbart.

Deckname "Fury"

Zur Überraschung der Vernehmer sprach sie nicht nur über Strukturen der RAF, sondern auch über die Tatbeteiligung Einzelner. Befragt über den Ablauf des Attentats auf den damaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback nannte Becker gegenüber dem Verfassungsschutz auch den Namen desjenigen, der nach ihren Informationen der Schütze von Karlsruhe war: Stefan Wisniewski, Deckname: "Fury".

Die Angaben Beckers sind bis heute hochsensibel. Denn für den tödlichen Anschlag verurteilt wurden die RAF-Kader Christian Klar und Knut Folkerts. Der mutmaßliche Mittäter Günter Sonnenberg wurde wegen der bei seiner Festnahme erlittenen lebensgefährlichen Verletzungen nicht für den Buback-Mord zur Rechenschaft gezogen.

Wisniewskis mögliche Tatbeteiligung war bislang völlig unbekannt. Bei den Ermittlungen zu dem Anschlag galt sein Name nicht als zentral – obwohl die Fahnder offenbar die belastenden Aussagen Beckers kannten.

Erst nach der SPIEGEL-Veröffentlichung teilte Generalbundesanwältin Monika Harms heute Vormittag in Karlsruhe mit, gegen Wisniewski sei ein neues Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beteiligung an dem Anschlag auf Buback eingeleitet worden.

Der Umstand, dass sowohl die Ermittler bei BKA und Bundesanwaltschaft als auch das Bundesinnenministerium von den geheimen Beschuldigungen durch Becker wussten, erhöht den Druck auf die Bundesregierung. Die Behörden müssen nun erklären, warum die Aussagen bis heute zurückgehalten wurden und nicht in die juristische und politische Aufarbeitung der RAF-Geschichte eingeflossen sind.

Der Verfassungsschutz hatte Becker seinerzeit eine Vertraulichkeitszusage gegeben und deshalb eine Einführung des Materials vor Gericht ausgeschlossen. "Es mag 1982 gute Gründe gegeben haben, das Material nicht zu präsentieren", sagt Baum. "Aber bei späteren Prozessen gegen RAF-Mitglieder war das anders, da hätte man es sagen können."

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insgesamt 1442 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.08.2010 von Tobermory:

Was für ein dämliches Argument. Es gab auch Nazis mit idealistischen Motiven. Fast alle politischen Extremisten halten sich für "Idealisten". Die denken sich ein Ideal aus und bringen dann nicht nur ihre Gegner, [...] mehr...

08.08.2010 von flowpower22: ..

Bei aller Grausamkeit dieser Personen, lagen doch ihrem Handeln auch idealistische Motive zugrunde. Wenn eine solche Person in der Haft verstanden hat, was sie getan hat, sehe ich eigentlich keinen Grund nicht auch zu verzeihen, [...] mehr...

03.08.2010 von wolfgang--kohl:

Zum Glück gab es dies bezüglich den Vatikan, und von diversen Diensten geförderte Flucht von Nazis. Deren Enkel widerum heute in Europa leben, und die Ethik versuchen hier und heute umzusetzen. mehr...

02.08.2010 von creativefinancial: Resozialisierung

Ich freue mich, einen objektiven Beitrag zu sehen,und nicht immer die Beitraege von Klein-CDU-Moritzen ( oder SPD-MORITZEN, die sind identisch ). Kennen Sie Faelle, bei denen entlassene EX-RAF erneut straffaellig geworden sind [...] mehr...

31.07.2010 von Ludwig Schmidt:

Es wäre schön (gewesen), wenn Sie hier einen Punkt gesetzt hätten. Denn die Demaskierung läuft nur darüber, dass Verbrecher als solche dargestellt und veruteilt werden. Damit lässt sich auch die "Faszination" [...] mehr...

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