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26.04.2007
 

Bundeswehr

Miese Stimmung in der Truppe

Unzufrieden, unmotiviert, schlecht ausgerüstet - eine Umfrage des Bundeswehrverbandes macht deutlich, wie schlecht die Stimmung in der deutschen Truppe ist. Die Soldaten fühlen sich von der Politik allein gelassen.

Berlin - Soldaten der Bundeswehr sind einer Studie zufolge mit ihrer beruflichen Situation äußerst unzufrieden. Fast drei Viertel der Berufssoldaten (73,6 Prozent) würden ihnen nahe stehenden Personen den Dienst in den Streitkräften nicht empfehlen, habe die Mitgliederbefragung des Bundeswehrverbandes ergeben, sagte der Verbandsvorsitzende Bernhard Gertz heute bei der Vorstellung der Untersuchung in Berlin. Nicht einmal jeder zweite Soldat würde demnach noch einmal diesen Beruf wählen - Ergebnisse, die einer inneren Kündigung gleichkommen.

Gertz sprach von einem "höchst alarmierenden Stimmungsbild der Streitkräfte". Wenn die Politik nicht umsteuere, drohe die Unzufriedenheit die Aufgabenerfüllung der Streitkräfte "massiv zu beeinträchtigen". Es sei höchste Zeit, dass im Verteilungskampf um knappe Ressourcen nicht nur die Baustellen Arbeits- und Sozialpolitik sowie Gesundheitspolitik, sondern auch die "Großbaustelle" Bundeswehr angemessen berücksichtigt werde, sagte Gertz weiter. Alle zutage getretenen Probleme ließen sich letztlich auf die spätestens seit Anfang der neunziger Jahre bestehende "massive Unterfinanzierung" der Armee zurückführen.

Nur ein Bruchteil der befragten Soldaten (3,8 Prozent) fühlt sich laut der vom Passauer Politikwissenschaftler Gerd Strohmeier erhobenen Befragung ausreichend von der Politik unterstützt. Bei den Berufssoldaten sind es sogar nur 1,8 Prozent. Ein erschreckend großer Teil der Soldatinnen und Soldaten fühle sich dagegen "im Stich gelassen", so der Bundeswehrverband.

Besonders negativ sei das Stimmungsbild bei an Auslandseinsätzen beteiligten Soldaten. 64 Prozent aller Befragten und sogar 70 Prozent der Berufssoldaten sind der Meinung, dass die Politik den Sinn von Auslandseinsätzen nicht ausreichend vermittelt. Die persönliche Ausrüstung für solche Einsätze bewerten 67 Prozent der daran beteiligten Soldaten als "mittelmäßig", "schlecht" oder "sehr schlecht". Nur 24 Prozent von ihnen beurteilen die materielle Ausstattung im Auslandseinsatz als positiv.

Gertz hob hervor, dass sich mit 45.040 von insgesamt rund 210.000 Mitgliedern des Bundeswehrverbandes ungewöhnlich viele Soldaten an der Umfrage beteiligt hätten. Es sei keineswegs so, dass sich in erster Linie notorische Meckerer an der Befragung beteiligt hätten. Dies habe auch das "sehr differenzierte" Antwortverhalten gezeigt. Unter dem Motto "Jetzt reden Sie" waren die Mitglieder vom 10. Dezember 2006 bis 28. Februar 2007 aufgerufen, sich zur Berufszufriedenheit in den Streitkräften zu äußern.

Forderungen nach höherem Wehretat

Der FDP-Verteidigungsexperte Rainer Stinner nannte die Ergebnisse der Studie "alarmierend". Aus seiner 30-jährigen Berufserfahrung als Unternehmensberater wisse er, dass es überall immer einen "gewissen Bodensatz an Unzufriedenheit" gebe, die Zahlen zur Bundeswehr seien jedoch "objektiv katastrophal", sagte Stinner SPIEGEL ONLINE. Die Erkenntnisse bestätigten jedoch auch seinen persönlichen Eindruck, den er in Gesprächen mit Soldaten gewonnen habe.

Stinner forderte Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) auf, die Ergebnisse der Studie ernst zu nehmen. Der FDP-Politiker sprach sich für einen größeren Wehretat aus, um den gestiegenen Ansprüchen an die Streitkräfte gerecht zu werden. Jung hatte zuletzt eine Aufstockung des Verteidigungsbudgets für die kommenden Jahre verlangt.

Auch der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Bernd Siebert, erklärte angesichts der Umfrage, die Bundeswehr müsse dringend finanziell besser ausgestattet werden. Die Mängel bei der Ausrüstung seien bekannt, aber erst mit der Zeit zu beheben. Sorge bereite, dass ein Großteil der Berufssoldaten diesen Beruf nicht noch einmal ergreifen würde.

Der Verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, hält die Studie für nicht repräsentativ, sondern bezeichnete sie als "Stimmungsbild". Trotzdem nehme man das Ergebnis sehr ernst. Der Politik sei es anscheinend nicht gelungen, die Notwendigkeit der Transformation bei gleichzeitigen Auslandseinsätzen zu vermitteln. "Dieser Kraftakt hat zu einer enormen Belastung in den Streitkräften geführt und sich gravierend auf die Motivation unserer Soldatinnen und Soldaten ausgewirkt", sagte Arnold. "Hier müssen wir dringend nachsteuern."

phw/ddp/AFP/reuters

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