Von Sebastian Fischer, München
CSU wollte Castro einst stürzen
Jüngstes Beispiel: Auf seiner Asienreise im März legte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) in Vietnam einen Kranz mit weiß-blauer Schleife am Eingang des Ho-Chi-Minh-Mausoleums nieder - für die Opfer des Vietnamkriegs. Ho Chi Minh sei ein "starrer Kommunist" gewesen, sagte Stoiber später.
Beim Thema Kuba geht der Grüne Runge nicht auf harten Konfrontationskurs zu Stoibers Regierung: "Ich finde es sinnvoll, dass Kontakte zu Kuba gesucht werden." Man müsse dabei allerdings auf "Menschenrechtsverletzungen und Missstände hinweisen und versuchen, für Abhilfe zu sorgen". Bayerns wirtschaftliches Engagement könne den Menschen auf Kuba helfen, "das ist gut für die Öffnung", sagt Runge.
Mit Kuba verbindet die Bayernregenten von der CSU darüber hinaus noch eine Idee von Anfang der neunziger Jahre. Die parteinahe Hanns-Seidel-Stiftung zielte damals nach Informationen der Münchner "Abendzeitung" auf den indirekten Sturz Castros: Im wohlbekannten CSU-Tagungsort Wildbad Kreuth sollten kubanische Oppositionelle in Sachen Demokratie geschult werden. Fidel Castro regiert bekanntlich noch heute.
Kommunisten bitten BMW um Dienstwagen
Ein bayerisches Unternehmen unterhält schon jetzt, ohne Vermittlung der bayerischen Regierung, Handelskontakte mit Kuba: BMW. Das kubanische Außenhandelsministerium trat vor einem Jahr an die Münchner Autobauer heran. Ob die denn nicht Dienstwagen für Havannas Botschafter liefern könnten?
Klar können sie. Und so orderte die Republik Kuba im Jahr 2006 insgesamt 183 BMWs für ihre europäischen und afrikanischen Botschaften. Kurz vor Weihnachten wurden die Karibik-Kommunisten dann nochmal vorstellig: Auch für den Rest der kubanischen Botschaftswelt wolle man doch bitte BMWs bestellen. Kein Problem. BMW rechnet nun fürs Jahr 2007 mit noch einmal rund 60 Fahrzeugen, so dass schließlich die 90 kubanischen Botschafter in aller Welt mit bayerischen Automobilen unterwegs sein werden. "Damit stellen wir alle official cars der diplomatischen Vertretungen Kubas", sagt BMW-Sprecher Frank Wienstroth zu SPIEGEL ONLINE.
Die Kubaner müssen für die Wagen bezahlen, es gibt aber "bestimmte Konditionen für Botschaften", so Wienstroth. Kuba erhalte keine besonderen Bedingungen. Bei den Fahrzeugen handele es sich um die Modelle der 1er, 3er und 5er Reihe, die ausschließlich in Deutschland produziert werden. Der bei Bayerns Regierung beliebte 7er BMW sei nicht angefragt worden.
Das Helms-Burton-Gesetz der USA scheint BMW nicht zu fürchten: "Wir halten uns generell an offizielle Embargos von Uno und EU", sagt Wienstroth. Und die liegen nicht vor. Regierungsfahrzeuge für Castro und Co. hätten die Kubaner allerdings nicht bestellt. Bisher wurde Fidel Castro mit reich verchromten Mercedes-Limousinen aus den Siebzigern und Achtzigern gesichtet. BMW-Sprecher Wienstroth weiß aber von Regierungsvertretern zu berichten, die BMW bevorzugten. So habe sich Castros Bruder selbst einen 5er BMW besorgt.
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