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Neonazis im Osten Judenhass in der Kinderliga

2. Teil: In Wurzen gab es schon oft rassistische Übergriffe.

Immerhin: Nach dem Match hatte sich der Vater eines Spielers beim Trainer und der Mannschaft aus Chemnitz für das Verhalten der Gastgeber entschuldigt. Präsident Wandel will nun jeden Spieler einzeln zur Rede stellen. Noch für diese Woche berief er einen Elternabend ein. Er findet, "dass sich die Eltern der Jungs, die ausfällig wurden, an die eigene Nase fassen sollten". Schließlich seien es ihre Kinder, die unter Alkohol ins Stadion kamen. Doch sollte es sich bewahrheiten, was dort gerufen wurde, "dann bekommen die eine gehörige Strafe, bis hin zum Rausschmiss, und Aufbaustunden oder so etwas - für die Stadt".

Für Harald Sather, Vorsitzender des Sächsischen Schiedsrichterausschusses und Präsident des Muldentaler Fußballvereins steht fest: "Das muss aufgeklärt werden." Derartige Pöbeleien seien "unterste Schublade". Und natürlich sollte man die ausländischen Spieler respektieren. Sather: "Wer ahnt denn, dass bei einem C-Jugend-Spiel so etwas passiert?"

Dass es um eine Partie von 12- bis 14-Jährigen geht, gibt dem Vorfall in der Tat eine neue Qualität. Bei Spielen der Herren hatte es in Sachsen zuletzt mehrfach Ärger wegen Randale und Pöbeleien rechtsextremer Fans gegeben. Zuletzt hatte der sächsische Fußballverband (SFV) im Februar auf schwere Ausschreitungen in den Amateurligen des Freistaates reagiert und einen ganzen Spieltag - insgesamt 60 Partien - der Sachsenliga und im Kreis Leipzig kurzerhand abgesagt. Auch in Wurzen gab es schon Übergriffe auf Gästefans.

Aber auch der Rassismus auf den Jugendplätzen wird nicht länger totgeschwiegen. Bereits kurz nach dem Vorfall ließ das Sportgericht des SFV einen Spieler des ATSV Frisch Auf Wurzen bis zur Verhandlung sperren. Ihm werden rassistische Äußerungen gegenüber einem vietnamesischen Spieler vom Chemnitzer Verein vorgeworfen. Präsident Wandel hat dafür kein Verständnis. "Das geht zu weit", sagt Wandel, "über ihn halte ich meine Hand. Er hat mir glaubhaft versichert, dass da nichts war." Der Verein werde die Einspruchsfrist nutzen, um gegen die einstweilige Verfügung des Sportgerichtes vorzugehen. "Die Deutschen darf man beschimpfen", kommentiert Wandel den Vorgang, "aber bei einem Vietnamesen wird so was hochgespielt."

Rote Karte für den jungen Vietnamesen

Der junge Vietnamese, um den es geht, erhielt nach dem Spiel eine Rote Karte. Er hatte den Gegenspieler, der ihn beleidigt haben soll, nach Spielende gestoßen. "Ich möchte mich für diese Aktion entschuldigen", schrieb er an den Sächsischen Fußballverband, "aber solche Ausdrücke lasse ich mir nicht gefallen."

Er und ein weiterer vietnamesischer Junge kicken in Chemnitz, in der Stadt, in der Michael Ballack spielerisch groß geworden ist. Sie sind völlig integriert, sprechen akzentfrei deutsch, sind hier geboren und aufgewachsen. Ihr Trainer Dirk Radomski ist gleichzeitig der Vizepräsident des VfB Fortuna Chemnitz. "Meiner Meinung nach ist aus der guten Idee des ATSV Frisch Auf Wurzen, zur Unterstützung ihrer Mannschaft auch Spieler anderer Altersklassen zu mobilisieren, ein Desaster geworden", sagt er. "Man war seitens des Heimatvereins auf solche Vorkommnisse nicht vorbereitet."

Wurzen ist eine Kleinstadt bei Leipzig, etwa 15.000 Einwohner, rund 1700 Arbeitslose. Der beschauliche Ort im Muldentalkreis ist bekannt für seine Kekse, den Dichter Ringelnatz - und für Neonazismus und Antisemitismus in vielfältiger Form. Vor Jahren machte Wurzen als Neonazihochburg Schlagzeilen, in den Neunzigern jagten Skinheads portugiesische Arbeiter, rechtsextreme Schläger überfielen ein Asylbewerberheim. In der Stadt ist ein Versandhandel für Musik und Kleidung mit Zielgruppe ganz rechts außen beheimatet. Im Stadtrat und im Kreistag sitzen Funktionäre der NPD, denen Landrat Gerhard Gey (CDU) Ende April mit einer Abordnung der "volkstreuen" Jugend eine Audienz zum Thema Jugendarbeit gewährte.

Dafür erntete er Kritik, selbst aus seiner eigenen Partei. Wurzens OB Jürgen Schmidt (CDU) wollte sich zu den Vorgängen um das Spiel nicht äußern. Er müsse sich erst schlau machen, sagte er vor Pfingsten am Telefon. Nach einer internen Vereinssitzung schwieg er gegenüber der Presse. Schmidt ist Vizepräsident des ATSV Frisch Auf Wurzen.

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