Von Franz Walter
Junge Männer mit Abitur wirken derzeit reichlich verstört. Während die gleichaltrigen jungen Frauen des Jahres 2007 vor Selbstbewusstsein und Optimismus nur so strotzen, sind die Herren in der Lebenslage zwischen Abitur und Studium ganz überwiegend verunsichert, voller Selbstzweifel, beladen und belastet durch die Furcht, in Zukunft scheitern zu können – beruflich wie privat.
Diesen bemerkenswerten Einblick in die Gefühlswelt junger Menschen mit Hochschulreife haben wir einer Studie des Heidelberger Sinus-Instituts über Lebensentwürfe, Rollenbilder und Haltungen zur Gleichstellung 20-jähriger Frauen und Männer zu verdanken – vom Bundesministerium der Ursula von der Leyen in Auftrag gegeben. Doch beschränkt sich die Untersuchung nicht allein auf Einstellungen und Zukunftsprojektionen junger Menschen mit gehobenen Schulabschlüssen, sondern behandelt ebenso die Denkmuster und Lebensentwürfe der gleichaltrigen Pendants ohne Abitur.
Junges Paar: Gerade Männer sehnen sich nach lebenslanger Bindung
Und hier ist vieles anders. Man muss sich eben hüten, Kultur, Normen und Leitideen auch der Jüngeren allein durch die Deutungsfilter ihrer akademischen, daher artikulationsfreudigen Repräsentanten zu betrachten. Die Vorstellungen für ein befriedigendes Leben nach Schule und Ausbildung sehen in den Lebenskreisen der "Mitte" – also bei denjenigen mit mittleren schulischen Zertifikaten und mittleren beruflichen Entwicklungsperspektiven – zuweilen recht konträr dazu aus, oft bemerkenswert traditionalistisch.
Sparen, absichern, erst dann setzt man Kinder in die Welt
Gerade diese Blockade der Aufstiegswünsche – nachgerade konstanter Kern der elementaren Hoffnungen und Anstrengungen in der gesellschaftlichen Mitte während der industriegesellschaftlichen Zeit – hat zu einer emotionalen Zuflucht in klassische Familienbilder und Sehnsüchte geführt.
Familie, Haus und Garten – diese Trias bildet den Fluchtpunkt der Lebensplanung 20-jähriger Frauen und Männer aus der deutschen "Mitte". Der Weg dorthin ist akkurat vorgezeichnet: erst die gediegene Ausbildung, darauf eine möglichst unbefristete berufliche Anstellung, Partnerschaft und Ehe, dann Wohnung mit Ziel eben auf das eigene Haus, schließlich Kinder.
Man vertraut, dass bei dieser durchaus harten und langen Strecke die Eltern, Schwiegereltern, Großeltern behilflich sind, dass also das Modell Familie ihre Lebens- und Solidaritätskraft unter Beweis stellt. In den Jahren der Krise seit 2001 hat die Sekuritätsorientierung der Mitte noch erheblich zugenommen, die spielerische Experimentierlust der neunziger Jahre – in diesem Milieu sowieso nicht übermäßig entfaltet – scheint gänzlich verschwunden.
Erst muss ordentlich gespart werden, die eigene Position gesichert sein, dann darf man Kinder in die Welt setzen, denen schließlich etwas geboten werden muss, wollen sie sich hernach in der harten Konkurrenz der modernen Gesellschaft behaupten können. So denkt, so sorgt sich die Mitte.
Schon mit zwanzig Horror vor einer gescheiterten Ehe
Dabei entsprechen sich die jungen Frauen und Männer der Mitte in ihren Lebensträumen und Lebensängsten mehr als die Gleichaltrigen mit akademischen Aspirationen. Die Frauen der Mitte setzen den Primat nicht im Beruf. Ganz überwiegend ist es ihnen wichtig, nach der Geburt der Kinder für Jahre mit ihrem Job auszusetzen, zu Hause zu bleiben, die Kinder intim zu betreuen, zu fördern, sie anzuregen – um den weiteren Lebensweg der Töchter und Söhne energisch zu bahnen. Erst dann wollen sie wieder durch Rückkehr in den Job verstärkt zum Familieneinkommen beitragen.
Den jungen Männern ist das recht. Sie verstehen sich im überlieferten Sinn als Haupternährer der Familien und "Kämpfer draußen".
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