Samstag, 21. November 2009

Politik



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07.06.2007
 

Gipfel-Protest

Greenpeace-Boote dringen in G-8-Sperrzone ein

Dramatische Protestaktion auf der Ostsee: Mehrere Greenpeace-Schlauchboote sind in die Sperrzone um den G-8-Gipfel in Heiligendamm eingedrungen. Die Wasserschutzpolizei drängte sie mit einem spektakulären Manöver ab, rammte ein Boot - alle Mann gingen über Bord.

Heiligendamm - Mit hoher Geschwindigkeit näherten sich laut Greenpeace insgesamt elf dunkelgraue Greenpeace-Schlauchboote mit insgesamt 24 Aktivisten an Bord dem Strand von Heiligendamm - die Polizei sprach von drei Booten, die in die Sicherheitszone um das G-8-Gelände eingedrungen waren. Weil sie schwer zu orten waren, reagierten die Sicherheitsbehörden erst relativ spät, dann aber mit aller Kraft. Fünf stark motorisierte Schiffe nahmen die Verfolgung auf, auch ein schweres Patrouillenboot der Wasserschutzpolizei.

Nach einer mindestens zehn Minuten langen Verfolgungsjagd gelang es den Sicherheitskräften in einem dramatischen Manöver, alle Aktivisten abzudrängen. Die Polizei fing die letzten zwei Greenpeace-Boote bei Kühlungsborn ab, indem sie Kollisionskurs fuhr und dabei ein Boot rammte. Vier Greenpeace-Mitglieder gingen bei hohem Tempo über Bord, konnten sich aber wieder ins Boot retten.

Auf Hubschrauber-Fernsehbildern war die Jagd auf die zwei Greenpeace- Boote live zu verfolgen. Am Ende entrollte die Besatzung des letzten Schiffes ein Plakat. Die Aufschrift lautete "G8 act now" ("G8, handele jetzt").

Zwei Aktivisten schafften es laut Greenpeace sogar, an Land zu kommen - sie wurden offenbar nahe der Seebrücke von Kühlungsborn festgenommen.

Der Umweltorganisation zufolge wurden drei Menschen verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden - das Boot sei regelrecht "überfahren" worden, obwohl es zu dem Zeitpunkt außerhalb der Sicherheitszone gewesen sei. Das Vorgehen der Polizei sei "absolut unverantwortlich" gewesen, dabei habe man ihr die Aktion sogar angekündigt, "damit keine falsche Wahrnehmung oder Panikreaktion entsteht".

Dass sich beim Aufbringen ein Polizei-Schlauchboot in hohem Tempo über eines der Greenpeace-Schlauchboote geschoben und es so gestoppt hatte, "war kein Standardmanöver", sagte ein Polizeisprecher. In jedem Einsatz entscheide letztlich der Bootsführer über die Maßnahmen unter Berücksichtigung der Gefahr für Leib und Leben aller Beteiligten.

Für die Polizei ist das Eindringen der Greenpeace-Aktivisten in die Sicherheitszone eine erneute Niederlage - erst gestern hatten es Tausende Demonstranten an Land geschafft, entgegen aller Vorkehrungen zum Sicherheitszaun vorzudringen und mehrere Zufahrtstraßen zu blockieren.

G-8-SICHERHEIT AUF SEE

REUTERS
Beim Aufbringen der Schlauchboote mit Greenpeace-Aktivisten im Seesperrgebiet vor dem G-8-Gipfelhotel in Heiligendamm hat die Wasserschutzpolizei ein sogenanntes Combat-Boot eingesetzt. Das rund 10 Meter lange Boot ist bis zu 45 Knoten schnell – fast 90 Kilometer pro Stunde. Das von einer schwedischen Werft gebaute Boot wurde nach Angaben eines Polizeisprechers wegen seiner extremen Wendigkeit extra für den G-8-Gipfel ausgeliehen. Ursprünglich für die schwedische Marine geplant, kam es dort aber nicht zum Einsatz. Das Combat-Boot ist mit einem Schiffsführer und einem Maschinisten besetzt und kann weitere Einheiten an Bord nehmen.

Die Greenpeace-Aktivisten hätten den Staats- und Regierungschefs eine Petition mit einem Aufruf zum Klimaschutz überreichen wollen, sagte Greenpeace-Sprecherin Svenja Koch im Nachrichtensender n-tv. Einen Rechtsbruch kann Koch bei der Aktion nicht erkennen. "Es handelt sich um eine Demonstration, die vom Grundgesetz geschützt ist", sagte sie. Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid nannte die Aktion eine Reaktion auf " die Zuspitzung" des G-8-Gipfels: Seit dessen Auftakt am Mittwoch sei klar, "dass es beim zentralen Thema Klimaschutz keinen Fortschritt geben wird".

Es war nicht die erste Greenpeace-Aktion zum G-8-Gipfel. Gestern erst brachte die Polizei im Seegebiet vor der mecklenburgischen Ostseeküste das Schiff "Arctic Sunrise" auf. Es hatte nach Greenpeace-Angaben einen Heißluftballon an Bord, den die Polizei konfiszierte. Alle Schlauchboote an Bord bis auf eines wurden fahruntüchtig gemacht, indem sämtliche Elektronikteile der Boote demontiert wurden.

mik/dpa/Reuters/AP/AFP/ddp

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