Hamburg - Als Konsequenz aus den Krawallen beim G-8-Gipfel hat der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, eine verstärkte Überwachung der Autonomen angekündigt. "Wir müssen die Szene, die sich sehr konspirativ abschottet, intensiver beobachten", sagte Hanning im SPIEGEL-Interview.
"Das gilt besonders für den Verfassungsschutz, der mehr operativ in diese Strukturen eindringen muss, mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen – seien es V-Leute, Observationen oder abgehörte Telefonate." Die Autonomen erlebten bereits "seit ein, zwei Jahren Ansätze einer Renaissance", etwa bei Demonstrationen gegen die rechtsextreme NPD.
Hanning erwartet, dass sich die antikapitalistischen Proteste auch über das Gipfeltreffen der G 8 hinaus fortsetzen werden. "Ich fürchte, die Militanz wird nicht abflachen." Zugleich lobte er, die Polizei habe "das entscheidende Ziel" erreicht, "keine Überwindung des Zauns zuzulassen und die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten". Damit könnten die Sicherheitsbehörden "sehr zufrieden sein".
Zur Kritik an der Einsatzführung der Polizei während des Gipfels und an der Käfighaft für in Gewahrsam genommene Demonstranten sagte Hanning, es gebe "immer da und dort Dinge, die besser laufen könnten".
Anzeige wegen Freiheitsberaubung
Der anwaltliche Notdienst des Republikanischen Anwältevereins (RAV) hatte gestern Abend wegen der Käfighaft Anzeige gegen die verantwortlichen Richter erstattet. "Es geht hier um Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung", sagte RAV-Sprecher Martin Dolzer zu SPIEGEL ONLINE. Wegen menschenunwürdiger Unterbringung der Festgenommenen in Käfigzellen müssten die verantwortlichen Richter zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Anwälte werfen den Richtern vor, der Gewahrsamnahme zugestimmt zu haben, obwohl sie die Käfige vor Beginn des G-8-Gipfels inspiziert hatten. Damit hätten sie die Betroffenen wissentlich unter menschenunwürdigen Umständen in Haft gelassen.
"Für dieses Vorgehen gibt es keinerlei Rechtsgrundlage", erklärte Undine Weyers vom Anwaltlichen Notdienst. "Menschen auf diese Weise in Käfigen unterzubringen, verstößt eklatant gegen die Menschenwürde. Sie zusätzlich dabei zu filmen, ist unerträglicher Voyeurismus." In einer großen Industriehalle seien käfigartige Zellen aus Metallgittern errichtet worden, in denen den Angaben zufolge jeweils bis zu 20 Menschen festgehalten wurden, teilte der RAV mit. Die provisorischen Zellen seien etwa 25 Quadratmeter groß und von allen Seiten sowie von oben einsehbar.
Demo-Chronik
Eine Woche Dauerprotest
Zudem hätten weitere Polizisten die nach oben offenen und mit Netzen überspannten Käfige regelmäßig beobachtet. Den Festgehaltenen sei es nicht möglich gewesen zu duschen. Sie hätten lediglich ein Stück Brot, eine Scheibe Wurst und auf Nachfragen Wasser erhalten. Jeder Gang zur Toilette und jeder Schluck Wasser sei von Polizisten protokolliert worden.
kaz/AFP/ddp
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Deutschland | RSS |
| alles zum Thema G-8-Gipfel in Heiligendamm 2007 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH