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Anschlagswarnung Deutschland im Visier der Terroristen

2. Teil: Pakistan als "hotbed" für die Terror-Azubis

Eine andere Begebenheit ließ die Geheimdienstler aufhorchen: Am 10. Juni wurden an der iranischen Grenze nahe der Ortschaft Taftan drei Männer aufgegriffen. Zwei sind Deutsche, einer Kirgise. Die pakistanischen Behörden nehmen an, dass die Festgenommenen aus Terrorlagern kamen - oder dorthin wollten. Auffallend war die Ausstattung: Im Gepäck fanden sich Satelliten-Telefone und Funkgeräte.

Was wollten die drei in Pakistan? Waren sie auf dem Weg in ein Ausbildungslager oder zu einem Kontaktmann oder waren sie nur einfach Boten? Ihre Tarnung jedenfalls war recht professionell. Aus Afghanistan hatten sie sich gefälschte "alien cards" besorgt - Papiere, die afghanische Behörden für Ausländer ausstellen und die man gegen Schmiergeld leicht bekommen kann. Mit den Dokumenten, so war wohl ihr Plan, wollten sie unbehelligt die Grenze passieren.

Einer der an der iranischen Grenze Festgenommenen ist ein 29-jähriger Mann aus Süddeutschland. Er gilt als sogenannter "Gefährder", der Kontakte zur Islamisten-Szene pflegt.

Nur einige Tage später wurde ein weiterer deutscher Extremist festgenommen, als er von Karatschi aus zurück nach Europa fliegen wollte. Ähnlich wie der 29-Jährige gilt auch der 45-Jährige laut Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz als "Gefährder". Bisher gelang es den Deutschen nicht, die beiden zu vernehmen.

Noch gibt es keine Hinweise, dass die beiden Männer konkrete Pläne hatten oder nach Deutschland für Anschläge zurückkehren wollten. Allerdings haben die deutschen Ermittler Hinweise aus den USA, dass in den Lagern in Afghanistan und in Waziristan in Pakistan noch zehn bis zwölf weitere Deutsche sein sollen, die dort ausgebildet werden. Das Innenministerium wies inzwischen die Grenzposten an, alle Reisenden aus der Region genau unter die Lupe zu nehmen, zudem wurde eine Liste mit Namen von Hunderten bekannten Personen aus der Szene verteilt.

Kooperation mit den USA soll gestärkt werden

Vor allem die USA warnen seit einigen Wochen intensiv vor der sogenannten "Pakistan-Connection". Die CIA teilte den Deutschen kürzlich mit, man fürchte, dass Attentäter aus dieser Region entweder für Anschläge nach Europa reisen oder über Europa in die USA einsickern könnten. Folglich intensivierten US-Behörden ihren Austausch mit den Deutschen massiv. Gegenwärtig ist eine deutsche Delegation auf dem Weg, um in den USA mehr Details zu erfahren.

Das Grenzgebiet von Afghanistan und Pakistan gilt unter Experten als "hotbed", als Zentrum des islamistischen Terrors. Mitunter sind die Übergänge von Gruppen, mal sind es reine Taliban-Ausbildungslager, mal aber auch Camps von ausländischen al-Qaida-Kräften, fließend. Fest steht allerdings, dass es ein offenkundiges Wiedererstarken der Rest-Qaida im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet gibt.

Westliche Geheimdienste sind überzeugt, dass im bergigen Grenzgürtel wieder Trainigscamps wie vor 9/11 operieren. Kürzlich kursierten auf Internetseiten Aufnahmen aus einem Lager, das die Qaida-Größe Abu Jahja al-Libi leiten soll. Die pakistanische Armee ist zu schwach oder unwillig, die Militanten zu stören. Vor einigen Tagen griff deshalb die US-Armee eines der Lager mit Raketen an und tötete bis zu 30 ausländische Kämpfer. "Al-Qaida in Pakistan ist offensichtlich wieder operationsfähig", lautet das Fazit der Geheimdienste hierzulande.

Druck auf Pakistan

Ein Beleg: Nach dem Anschlag in Kunduz, bei dem drei deutsche Soldaten getötet wurden, kam es am vergangenen Samstag erneut zu einem Angriff. Westlich von Kabul wurde ein Konvoi des deutschen Botschafters angegriffen, der auf der Rückreise von einem deutschen Krankenhaus war. Ein Fahrzeug wurde zerstört, verletzt wurde niemand. "Wir sehen, dass in Afghanistan vermehrt und gezielt deutsche Ziele angegriffen werden", fasste ein deutscher Top-Beamter zusammen.

Die Bundesregierung ist in der Bredouille: Zum einen wissen Sicherheitspolitiker wie August Hanning, dass öffentliche Hinweise auf Terror-Gefahr meist nur Panik schüren und nicht viel bringen. Auf der anderen Seite wollen sich Experten von Diensten und Polizei im Fall eines Anschlags nicht sagen lassen, sie hätten nicht gewarnt oder gar die Gefahr verschlafen.

Zunächst will die Bundesregierung nach der geänderten Lageeinschätzung vor allem die Kooperation mit ausländischen Stellen schnell und effizient verbessern. Ein Schlüssel-Partner für diese Zusammenarbeit sind die USA, aber auch Pakistan. Von dort, so reichlich frustrierte Ermittler, komme aber stets wenig oder nur gefiltert. Im Fall der drei deutschen Extremisten wird das vermutlich nicht anders sein.

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