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25.06.2007
 

Christiansens letzte Sendung

Köhler plädiert für Direktwahl des Präsidenten

Von Sebastian Fischer

Der höchste Gast kam zur ihrer letzten Sendung: Sabine Christiansen hat bei ihrem Polit-Talk-Abschied Bundespräsident Köhler empfangen. Und der sagte gern zu allem etwas: Von der RAF zum Mindestlohn, von der Direktwahl des Präsidenten bis zum deutschen Nationalgefühl.

München - Die Moderatorin fragte auch in der 447. Ausgabe des nach ihr benannten Polit-Talks in der ARD nicht investigativ. Nein, Sabine Christiansen fragte wie gewohnt. Und so kam Bundespräsident Horst Köhler zu allen Fragen, die Deutschland im vergangenen Jahrzehnt bewegten, heute noch bewegen und morgen vielleicht bewegen können, kurz und knapp zu Wort.

Köhler, Christiansen: Abfrageautomat statt Unterschriften
DPA

Köhler, Christiansen: Abfrageautomat statt Unterschriften

Weil Köhler in seiner Amtszeit bisher schon zwei vom Bundestag verabschiedete Gesetze (Privatisierung der Flugsicherung, Verbraucherinformationsgesetz) nicht unterzeichnet hat, zielte eine der ersten Christiansen-Fragen auf den "unbequemen Präsidenten".

Köhler sagte - wie immer - er sei nun einmal kein "Unterschriften-Automat". Im Laufe des Interviews gab Köhler hingegen einen von Christiansen behände bedienten Abfrageautomaten zu nahezu allen Themen der jüngeren und aktuellen politischen Debatte in der Bundesrepublik:

  • Seine im Mai getroffene Entscheidung, den ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar nicht zu begnadigen, erklärte Köhler mit einer "Gesamtabwägung", die sich auf verschiedene Faktoren bezogen habe: etwa wie eine Begnadigung auf "Rechtsempfinden und -frieden" der Bevölkerung wirke. Oder seine Begegnung mit Vertretern der Opfer. Und dann habe er auch Klar treffen wollen, um sich "ein persönliches Bild" zu machen. Er habe in Christian Klar, den er in der ARD-Sendung als "gnadenlosen Mörder" bezeichnete, auch immer den Menschen gesehen.
  • Die Diskussion um einen Mindestlohn bezeichnete der Bundespräsident als das "nicht unbedingt wichtigste Thema bei der sozialen Gerechtigkeit". Wichtiger seien Bildungschancen. Zudem forderte er gesetzliche Rahmenbedingungen für die Beteiligung von Arbeitnehmern an Unternehmen und deren Gewinnen, um den Arbeitern eine "zweite Einkommensquelle" zu erschließen. Möglich sei eine Beteiligung am Ertrag der Unternehmen, "und sogar - wenn mehr Mut da ist und auch Risikoabsicherung für die Arbeitnehmer - durch Beteiligung am Produktivvermögen".

  • Den Deutschen attestierte Köhler "ein gutes Nationalgefühl". Wichtiger Impuls dafür sei zum einen die deutsche Wiedervereinigung als auch die Fußball-WM im vergangenen Jahr: "Die Deutschen haben sich mit Schwarz-Rot-Gold geschmückt von der Fahne bis zur Backenbemalung." Dabei habe keiner gedacht, es komme wieder deutsche "Großmannssucht" auf.

  • Eine zweite Amtszeit als Bundespräsident schloss Horst Köhler nicht aus. Er werde seine Entscheidung rund ein Jahr vor Ablauf seiner Amtsperiode 2009 bekannt geben: "Das lassen wir auch bis dahin warten", so der 64-Jährige. Gleichzeitig sprach sich Köhler dafür aus, "mehr Elemente direkter Demokratie" in Deutschland zu ermöglichen. Dies bezog er auch auf das höchste Staatsamt: "Es wäre kein schlechtes Modell, den Bundespräsidenten direkt zu wählen."

  • Zur Frage nach einem EU-Beitritt der Türkei antwortete Köhler abstrakt: "Die Türkei ist ein anderer Kulturkreis, das ist erstmal ein Fakt." Und nur ein "kleiner Zipfel" des Landes liege auf dem europäischen Kontinent. Mangels einer konkreten Aussage des Präsidenten bedauerte der Zuschauer an dieser Stelle aufs schmerzlichste die traditionelle Nicht-Nachfrage von Sabine Christiansen.

  • Die Formation der G-8-Staaten möchte der Bundespräsident gern neu bedacht wissen: "Da muss man drüber nachdenken", so Köhler mit Blick auf die Nichtrepräsentanz bedeutender Staaten wie China und Indien bei dem Gipfeltreffen der Acht. Doch er ging noch weiter: "Wir brauchen eine Diskussion und einen Austausch, wo wir die Welt als eine Welt verstehen." Daneben fand Köhler noch ein Lob für die Gipfelbewältigung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Heiligendamm: Die Ergebnisse seien "eine prima Leistung".

Am Ende stand der Dank des höchsten Mannes im Staat an die Sonntagabend-Frau der ARD: Was sie hier gemacht habe in den vergangenen zehn Jahren, die Frau Christiansen, das habe "Fernsehgeschichte geschrieben".

Ab dem 16. September wird der ARD-Talk von Anne Will moderiert, die sich am Sonntag von den "Tagesthemen" verabschiedete.

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26.06.2007 von NoMaHu: Natürlich denkt er nach,

denn die Präsidentenwahl durch das Volk ist das Ersatzkaramelbonbon für die nicht existierende Möglichkeit der Volksabstimmung in allen wichtige Fragen des deutsche Wahlvolks, dem 1945 durch die Siegermächte die politische [...] mehr...

26.06.2007 von SNA: Wovon reden Sie?

? Bleiben Sie bitte beim Thema, hier geht es um Sabine Christiansen! mehr...

26.06.2007 von Cupseller: Parodie

Riechling parodiert fast jeden Politiker, nicht nur den Bundespräsidenten. Dass Herr Köhlers Meinungen auf Volksmeinungen trifft, ist vielen ein Dorn im Auge und einer der Gründe zu meinen, den Amtsinhaber, oder gar das Amt [...] mehr...

25.06.2007 von NoMaHu: Christiansens letzte Sendung

Schade, dass die Redaktion nicht über Reinhard Mohrs Artikel "Abgrund ist immer" diskutieren lässt. Einfach köstlich, diese Salzsäure! Sebastian Fischers Artikel hingegen zeichnet sich durch eine präzise Beschreibung [...] mehr...

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