Von Severin Weiland und Sebastian Fischer
Berlin/München - Den Bundespräsidenten direkt vom Volk wählen zu lassen - darüber hat Horst Köhler schon öfter nachgedacht. Bis gestern Abend gab sich der Amtsinhaber strikt bedeckt, ganz nach seiner Maxime von 2004: Damals sagte er in einem Buchgespräch mit dem Journalisten und Ex-"FAZ"-Herausgeber Hugo Müller-Vogg, er könne "noch nicht erkennen, dass die Argumente für eine Direktwahl jetzt überwiegen sollten".
Zweieinhalb Jahre später hat sich Köhler entschieden: "Ich glaube, dass es kein schlechtes Modell wäre, den Bundespräsidenten direkt zu wählen. Vielleicht sogar nur für eine Periode von sieben oder acht Jahren."
Es war seine Botschaft in der letzten ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Sie tat prompt ihre Wirkung - kaum ausgesprochen, löste sie eine breite Debatte in Politik und Gesellschaft aus.
Dabei ist der Vorstoß Köhlers in der Sache nichts Revolutionäres. Schon sein Vorgänger Johannes Rau hatte im September 2003 eine einmalige Direktwahl bei gleichzeitig verlängerter Amtszeit von fünf auf sieben Jahre ins Gespräch gebracht.
Seine Idee versandete damals. Ähnliches wird nun Köhlers Vorschlag ereilen.
Bedeckt reagierte am Mittag die Bundesregierung. In der Bundespressekonferenz erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, jeder Denkanstoß, den das Staatsoberhaupt gebe, sei "wichtig für die Diskussion". Köhlers Forderung - auch die nach mehr plebiszitären Elementen - werde seit Jahren immer wieder erhoben. "Zurecht" sei von allen Bundesregierungen aber darauf verwiesen worden, dass solche Fragen in die Mitte der Parlamente gehöre - in diesem Falle des Bundestags und des Bundesrats.
Es bleibe abzuwarten, wie die beiden gesetzgebenden Körperschaften "diese Debatte weiterführen". Sprich: Wenn sie nichts tun, wird nichts passieren.
Keine Chance auf Verwirklichung
24 Stunden nach Köhlers Auftritt bei "Christiansen" lässt sich eine vorläufige Bilanz ziehen: Sie verläuft ohne große Begeisterung. Vorbehaltlos stellte sich nur FDP-Chef Guido Westerwelle hinter den Amtsinhaber. Der Bundespräsident habe ihm "aus dem Herzen" gesprochen, sagte Westerwelle nach der FDP-Präsidiumssitzung. Im Falle einer Direktwahl könnte das Staatsoberhaupt stärker aus parteitaktischen Erwägungen herausgehalten werden. Auch eine einmalige Amtszeit von sieben Jahren sei sinnvoll, sagte Westerwelle, der schon in der Vergangenheit mehrmals für eine Direktwahl eingetreten war.
Deutlich zurückhaltend reagierte hingegen Bundestagspräsident Norbert Lammert. SPIEGEL ONLINE sagte er, Überlegungen zur Direktwahl des Bundespräsidenten seien ja seit Jahren immer wieder vorgetragen worden. Tatsächlich hätten die Verfassungsväter und -mütter aus guten Gründen bestimmt, den Bundespräsidenten wie den Bundeskanzler durch die eigens dafür zusammengesetzte Bundesversammlung aus Bundestag und -rat bestimmen zu lassen. "Dies hat sich zweifellos bewährt", sagte der CDU-Politiker. "Eine Direktwahl würde eine erhebliche Veränderung der Architektur des politischen Systems in Deutschland bedeuten."
Lediglich einen Teilaspekt aus Köhlers Vorschlag greift Lammert auf: "Sofern man eine weitere Stärkung der Unabhängigkeit des Amtes des Staatsoberhauptes wünscht, wäre darüber nachzudenken, statt einer Wiederwahl die Amtszeit auf sieben Jahre zu verlängern."
Ablehnend reagierte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Er sei nicht für Köhlers Vorschlag, "weil das für den Bürger den Eindruck hätte, dass der Bundespräsident erhebliche administrative Macht und Einfluss hätte, den er nach der Verfassung nicht hat". Der CDU-Politiker versuchte, die Debatte in eine andere Richtung zu drehen: Er setze sich für die Direktwahl des Bundeskanzlers und der Ministerpräsidenten ein, "weil die Kontrolle der Regierung durch das Parlament vielleicht etwas unabhängiger stattfinden könnte".
Bei der SPD überwog ebenfalls deutliche Skepsis. Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse sagte, er sehe keine "zwingenden Gründe" für eine Verfassungsänderung in diese Richtung. Der Bundespräsident habe keine unmittelbare operative Macht. Eine Direktwahl würde das Gefüge der Demokratie verändern und lediglich eine "Scheinmacht" erzeugen, sagte Thierse SPIEGEL ONLINE.
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Als entschiedener Boykotteur von Europawahlen und sonstigen Firlefanzwahlen wie z.B. den Kommunalwahlen kündige ich hiermit schon jetzt meine Enthaltung für eine eventuelle BP Wahl durch das Volk an! Was soll der Quatsch, soll [...] mehr...
Das Gleiche gilt übrigens auch für den Volksentscheid, denn die Herrschaften wissen, dass dann der Hase anders laufen würde. mehr...
Damit das so bleibt, wehren sich die deutschen Berufspolitiker gegen eine Direktwahl wie der Teufel gegen das Weihwasser. mehr...
Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht bekämen wir dann mal etwas anderes zustande, als eine willfährige Marionette der federführenden Politik. Solange das nicht der Fall ist, werde ich folgenden [...] mehr...
Ich war die letzten Wochen in einem Drittwelt-Land unterwegs und von internationalen Nachrichten weitgehend abgeschnitten. Daher kann ich mich erst jetzt mit dem schändlichen Köhler-Dramolett befassen. Meine Meinung ist aber [...] mehr...
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