Von Gerd Langguth
Um es vorweg zu sagen: Köhlers Vorschlag in der letzten "Christiansen"-Sendung, künftig sollten Bundespräsidenten direkt vom Volk gewählt werden, hat keine Chance. Das müsste er eigentlich auch wissen. Er ist ein Frust-Vorschlag. Seit Amtsantritt dämmert es ihm, wie gering sein politischer Einfluss ist.
Schon immer gab es ein Spannungsverhältnis zwischen Bundespräsident und Bundeskanzler. Heuss, erster Bundespräsident von 1949 bis 1959, wollte beispielsweise die Sitzungen des Bundeskabinetts leiten. Adenauer verwehrte ihm dies. Immer wieder gab es Versuche einzelner Präsidenten, ihren Einfluss auszuweiten, etwa durch Heinrich Lübke oder durch Walter Scheel.
Die Gründungsväter (und die wenigen -mütter) des Parlamentarischen Rats, die das 1949 in Kraft getretene Grundgesetz schufen, hatten das Beispiel eines Reichspräsidenten vor Augen, der – wie das der greise Hindenburg in der Weimarer Republik tat – mit Notverordnungen regieren konnte.
Deshalb war bei der Gründung der Bundesrepublik bewusst entschieden worden, dass sich der Präsident aus der aktuellen Tagespolitik heraushalten und sich weitgehend auf das Repräsentieren im In- wie im Ausland beschränken solle. Im Wesentlichen hat er die Rolle eines Staatsnotars, der gleichwohl die Gesetze und wichtige Personalentscheidungen gegenzuzeichnen hat. Fragen im Zusammenhang mit nationalen Symbolen gehören in seine (ungeschriebene) Zuständigkeit. So konnte Köhler den Versuch des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder, den nationalen Feiertag aus Gründen der Steigerung des Bruttosozialprodukts auf einen Sonntag zu legen, abwehren. Aus vordemokratischer Zeit stammt auch sein Begnadigungsrecht.
Aber der Bundespräsident wirkt im Wesentlichen durch seine Reden. Sein Einfluss auf die politische Stimmung im Lande kann erheblich sein, seine politisch-operativen Möglichkeiten tendieren jedoch gegen Null. Das war auch so gewollt.
Bevor wir uns mit den Motiven des Bundespräsidenten befassen, müssen wir zunächst prüfen, welche Auswirkung die Umsetzung seiner Überlegungen hätte. Es wären vor allem zwei mögliche Konsequenzen zu bedenken:
Zum einen würde sich das Verfassungsgefüge stark verändern. Eine Direktwahl, wie gelegentlich auch von FDP-Chef Guido Westerwelle ins Gespräch gebracht, würde den Präsidenten stärken, der ja durch seine Direktwahl eine institutionell und nicht nur protokollarisch gegenüber Kanzler oder Kanzlerin einflussreichere Rolle wahrnehmen könnte, zumal die Kanzlerwahl indirekt, durch das Parlament, geschieht. Die Gefahr, dass im Präsidialamt eine Art Nebenregierung entstünde, wäre nicht völlig auszuschließen.
Zum anderen würde ein mit allen Bandagen geführter Wahlkampf um das Amt des Bundespräsidenten es dem Wahlsieger schwerer machen, seine integrierende Rolle als "Ersatzmonarch" zu spielen. Das bisherige Wahlverfahren durch eine eigens zur Wahl des Bundespräsidenten einberufenen Bundesversammlung – in dieser sind alle Bundestagsabgeordneten und eine gleiche Anzahl von aus den Landtagen entsandten Persönlichkeiten vertreten – sollte sicherstellen, dass ein Kandidat gewählt wird, der nicht aus einer wahlkämpferischen und polarisierenden Auseinandersetzung als Sieger hervorgeht, sondern der möglichst konsensfähig ist.
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Als entschiedener Boykotteur von Europawahlen und sonstigen Firlefanzwahlen wie z.B. den Kommunalwahlen kündige ich hiermit schon jetzt meine Enthaltung für eine eventuelle BP Wahl durch das Volk an! Was soll der Quatsch, soll [...] mehr...
Das Gleiche gilt übrigens auch für den Volksentscheid, denn die Herrschaften wissen, dass dann der Hase anders laufen würde. mehr...
Damit das so bleibt, wehren sich die deutschen Berufspolitiker gegen eine Direktwahl wie der Teufel gegen das Weihwasser. mehr...
Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Vielleicht bekämen wir dann mal etwas anderes zustande, als eine willfährige Marionette der federführenden Politik. Solange das nicht der Fall ist, werde ich folgenden [...] mehr...
Ich war die letzten Wochen in einem Drittwelt-Land unterwegs und von internationalen Nachrichten weitgehend abgeschnitten. Daher kann ich mich erst jetzt mit dem schändlichen Köhler-Dramolett befassen. Meine Meinung ist aber [...] mehr...
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