Von Sebastian Fischer, München
München - Peter Ramsauer macht Werbung für seine Kolleginnen: "Wir haben superstarke, tolle Frauen in der CSU", sagt der Landesgruppenchef. Sollte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber im September zum CSU-Vorsitzenden gewählt werden, stelle sich die Frage, ob der Generalsekretär nach dem Anti-Diskriminierungsgesetz nicht eine Frau sein und der Berliner Landesgruppe angehören müsse. Darauf werde er "sehr genau achten", so Ramsauer, der keine Namen nannte.
Da aber in der CSU auch der Regionalproporz beachtet sein will, deutet Ramsauers Intervention möglicherweise auf Ilse Aigner hin: Die 42-jährige Bildungspolitikerin der Landesgruppe stammt aus Oberbayern, dem mächtigsten und mitgliederstärksten CSU-Bezirk, dem auch Ramsauer angehört.
Bisher aber kommt Oberbayern in der künftigen christsozialen Machtarithmetik schlecht weg: Der designierte Ministerpräsident Günther Beckstein ist Franke, mit Erwin Huber würde ein Niederbayer Parteichef und den Posten des CSU-Fraktionschefs im Landtag belegt bisher der Franke Joachim Herrmann. Sollte allerdings der Ingolstädter Seehofer neuer Vorsitzender werden, würde das Amt in Oberbayern-Hand bleiben, da Noch-Chef Edmund Stoiber ebenfalls aus diesem Bezirk stammt.
Huber: "Jeder trägt seine eigenen Schuhe"
Bisher haben sich weder Huber noch Seehofer öffentlich eindeutig über die Besetzung des Generalsekretärpostens geäußert. Huber hatte zuletzt angedeutet, dass er sich eine Frau in dem Job vorstellen könne.
Es gilt als nahezu ausgeschlossen, dass der aus Franken stammende bisherige Amtsinhaber Markus Söder unter Huber oder Seehofer weitermachen darf. "Jeder trägt seine eigenen Schuhe, ich werde nicht in die Schuhe großer Vorsitzender hineinschlüpfen, personelle Vorentscheidungen gibt es nicht", sagte Huber bereits im Februar auf Fragen zur Zukunft von Stoibers Parteimanager Söder.
Ramsauers Frauenvorstoß könnte auch in die umgekehrte Richtung gelten: Sollte Bundesagrarminister Seehofer Parteichef werden, stiegen die Chancen weiblicher Landtagsabgeordneter. Immer wieder gern genannt in diesem Zusammenhang: Die 44-jährige Christine Haderthauer, die wie Seehofer aus Ingolstadt stammt.
Sollte die Wahl des neuen Vorsitzenden doch auf einen männlichen Bewerber fallen, liegen zwei junge CSU-Bundespolitiker aus Oberbayern gut im Rennen: Georg Fahrenschon, 39, und Alexander Dobrindt, 37. Fahrenschon gilt als Finanz-, Dobrindt als Wirtschaftsexperte.
Die politische Zukunft von Markus Söder ist bislang ungeklärt. Doch wird der 40-Jährige auch in Zukunft eine herausgehobene Rolle in der CSU spielen: In seiner Generation kommt keiner an ihm vorbei, als mittlerweile dienstältester Generalsekretär Deutschlands hat er politisches Gewicht gewonnen. Möglicherweise ist für ihn ein Ministeramt in Becksteins Kabinett drin.
Aber noch gibt Söder den Generalsekretär. So will er am Freitag einen CSU-Video-Podcast unter dem Titel "Weiß-blaues Sofa" starten. Vielleicht schauen seine potenziellen Nachfolgerinnen schon mal rein.
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