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17.07.2007
 

Krümmel-Pannen

Gabriel will alte Atomkraftwerke früher stilllegen

"Wir müssen von diesen Gefährdungsreaktoren weg": Umweltminister Gabriel geht gegen Deutschlands alte Atomkraftwerke in die Offensive. Reaktoren wie Krümmel und Brunsbüttel sollen schneller vom Netz als geplant - dazu will er die Stromkonzerne auf einem Gipfeltreffen verpflichten.

Berlin - Der Kompromiss zum Atomausstieg sieht die Möglichkeit vor, die Laufzeit von alten Atomkraftwerken zu verkürzen - und dafür die von modernen zu verlängern. Genau darum müsse es jetzt gehen, sagte der SPD-Politiker Gabriel auf seiner Sommerreise in Bayern. Die jetzigen Vorfälle in Krümmel und Brunsbüttel seien nur ein weiterer Beweis dafür, dass man von diesen Gefährdungsreaktoren weg müsse, "diesen alten Meilern".

Gabriel (auf Sommerreise in Bayern): "Was wir machen müssen, ist genau der umgekehrte Weg"
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DDP

Gabriel (auf Sommerreise in Bayern): "Was wir machen müssen, ist genau der umgekehrte Weg"

Er will die deutschen Atomkraftwerksbetreiber nach der Sommerpause einladen, um zu klären, unter welchen Bedingungen alte Reaktoren früher abgeschaltet werden könnten. Die für einige alte Atomkraftwerke beantragte Laufzeitverlängerung lehnt er strikt ab. Für die Konzerne sei es zwar verlockend, die abgeschriebenen Altreaktoren länger laufen zu lassen und damit höhere Gewinne zu machen. Dies wiege die größeren Risiken aber nicht auf. Es sei geradezu absurd, wenn Energiekonzerne wie Vattenfall, RWE oder EnBW jüngere Atomkraftwerke kürzer und ältere länger laufen lassen wollten: "Was wir machen müssen, ist genau der umgekehrte Weg. Alte Reaktoren, die uns ständig Schwierigkeiten machen, wie Brunsbüttel, wie Biblis, wie Krümmel, früher abschalten, und dafür die jüngeren Reaktoren länger laufen lassen. Genau das sieht das Atomgesetz vor."

Gabriel forderte vom Stromkonzern Vattenfall Antworten auf einige technische Fragen, die nach den Pannen in Krümmel und Brunsbüttel immer noch nicht beantwortet seien. Er sieht Probleme allerdings nicht nur bei Vattenfall - sondern auch bei anderen deutschen Atomkraftwerksbetreibern. Auch mit ihnen müsse über eine bessere Kommunikation nach Störfällen gesprochen werden, sagte der Minister.

Die deutsche Atomindustrie sorgt sich wegen Vattenfalls Umgang mit den Pannen inzwischen um ihr Image. Der Eindruck durch die Informationspolitik "ist verheerend", sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder. Dadurch habe die Atomenergie in Deutschland einen starken Rückschlag erlitten. Der Lobbyist wies die Forderung zurück, ältere Meiler vorzeitig abzuschalten. "Wegen verfehlter Öffentlichkeitsarbeit legt man keine Anlage still", sagte er, "sie ist auch kein Grund für ein Festhalten am Ausstieg aus der Kernenergie."

Der Energiekonzern Vattenfall hatte am Montag die Konsequenzen aus der Pannenserie in seinen Reaktoren gezogen und den Chef seiner deutschen Atomsparte abgelöst. Der Schritt wurde in Politik und Öffentlichkeit weithin als richtige Entscheidung aufgenommen - allerdings forderten die Atomaufseher nach einer Befragung von Kraftwerksmitarbeitern dringend weitere Aufklärung.

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD), die für die Atomaufsicht des Landes zuständig ist, sagte zu den Pannen in Krümmel: "Von Sicherheit kann keine Rede sein." Man habe es "mit einer hoch riskanten Technologie zu tun" und wisse "aus den Erfahrungen der vergangenen 30 Jahre, dass es immer wieder zu schweren Zwischenfällen, zu Störfällen kommt." Sie seien auf technische Fehler und menschliches Fehlverhalten zurückzuführen.

ler/Reuters

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