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03.08.2007
 

Müllskandal

Deo aus Nebelkanonen

Von Markus Deggerich

Eine neue Technik sollte die Abfallbeseitigung in Deutschland revolutionieren. Doch die vorab so hoch gelobte mechanisch-biologische Abfallbehandlung funktioniert nicht richtig. Nun wächst der Müllberg und der Dreck wird illegal entsorgt.

Berlin - Kummer mit Müll ist der Rentner aus Berlin gewohnt: Seit 1971 besitzt Heinz Franke ein Wochenendhäuschen am idyllischen Motzener See in Brandenburg. Schon zu DDR-Zeiten vermieste ihm die nahe gelegene Mülldeponie Schöneiche mit ihrem Gestank so manchen Abend im Garten. "Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie", sagt der wehrhafte Rentner Franke, 69. "Bestialisch" seien die Schwaden, die von der Großdeponie herüberwehen. Dabei sollte doch seit zwei Jahren im ewigen Kampf mit dem deutschen Hausmüll alles besser sein - bundesweit.

Denn seit Juni 2005 darf unbehandelter Hausmüll nicht mehr einfach auf Deponien gekippt werden. Die Technische Anleitung Siedlungsabfall brachte theoretisch das endgültige Aus für das stinkende und manchmal giftige Ex-und-hopp-Verfahren nach dem Motto: Vergraben und Vergessen.

Der deutsche Zivilisationsdreck von über 24 Millionen Tonnen jährlich muss seitdem entweder in den rund 70 Müllverbrennungsanlagen verfeuert oder in mechanisch-biologischen Anlagen (MBA) sortiert und behandelt werden. Für 1,3 Milliarden Euro wurden an bundesweit 50 Standorten MBA aufgebaut, die ein Viertel des Drecks beseitigen sollten.

Desaster statt Heilsbringer

Doch das Urteil in der Branche über den vermeintlichen Heilsbringer MBA ist nach knapp zwei Jahren desaströs: "Die seinerzeitige Vorstellung, die mechanisch-biologische Abfallbehandlung könne die ungeliebte Verbrennung vermeiden, war ein Trugschluss", klagte bereits das Bundesumweltamt. Außerdem habe sich das neue Verfahren auch im Vergleich zur herkömmlichen Abfallverbrennung "nicht als kostengünstigere Entsorgung erwiesen".

Die Folgen beschäftigen inzwischen Bundesregierung, Staatsanwaltschaften und Bürgerinitiativen. Neue Müllberge wachsen in den Himmel, Millionen Tonnen Müll werden illegal weggekippt. Ein MBA-Betreiber, der Energieriese EnBW, schloss bereits zermürbt seine Anlagen und verabschiedet sich nach Millionenverlusten ganz aus dem Müllgeschäft. 1,5 Millionen Tonnen Hausmüll türmen sich zurzeit in Zwischenlagern, weil es nicht genug Verbrennungsöfen gibt, um den Entsorgungsnotstand abzufedern.

Dabei klang alles so gut: Das Verfahren in mechanisch-biologischen Anlagen sollte auf zwei Wegen noch möglichst viel aus dem Hausmüll rausholen: Zuerst werden wiederverwertbare Stoffe wie Metall und Holz abgetrennt. Dann sortieren die Anlagen ein Gemisch aus Papier, Plastik und Pappe aus, im Mülldeutsch "heizwertreiche Fraktion" genannt. Der Materialmix soll als Brennstoff eingesetzt werden - etwa in Kraftwerken oder Zementöfen. Alles Biologische im Hausmüll soll hingegen im sogenannten Rotte-Verfahren auf Halden oder in Hallen beschleunigt vergammeln, bis es problemlos deponiert werden kann.

MBA-Müll stinkt bestialisch

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DER SPIEGEL

Doch beide Produkte der MBA - das Brennmaterial und die Gammelmasse - sorgen für erhebliche Probleme: Das Rotte-Verfahren bringt mit Gärungsgasen beispielsweise Kessel zum Platzen. Der MBA-Müll stinkt derart zum Himmel, dass verzweifelte Betreiber bereits mit Nebelkanonen Deo versprühten - vergebens. Der Energiemulti EnBW hatte mit massiven Bürgerprotesten gegen seine Müllanlagen zu kämpfen. Sein Vorstandsvorsitzender Utz Claasen hält "eine wirtschaftlich tragbare technische Sanierung" für "nicht mehr darstellbar".

160 Millionen Euro belasteten die Bilanz des Unternehmens für den abgebrochenen Ausflug ins Müllgeschäft durch Investitionen in die neuen Anlagen und Rückstellungen bis 2020 - denn so lange sollte der Entsorgungsvertrag mit Teilen der kommunalen Abfallwirtschaft in Baden-Württemberg laufen. Der Müll aus dem Ländle musste stattdessen schon zur Verbrennung nach Nordrhein-Westfalen und bis in die Schweiz gekarrt werden.

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28.10.2009 von wowiku:

Ja,den haben einige nötig: Vor acht Jahren wurden hier blaue (Papier) und gelbe Tonnen durch ein privates Unternehmen abgeholt. Anfahrt-Entfernung 2 km vom Sortierlager und Lkw-Stützpunkt. Dann zog der Landkreis Kraft seiner [...] mehr...

26.10.2009 von diet03: .

Die Mülltrennung landet auf dem Lehrplan Traumberuf Abfallberater. mehr...

18.10.2009 von einarzt:

Das war auch mein Abschluss!!!, jedoch sind wir alle an den Komfort eingestellt. mehr...

18.10.2009 von Hartwig:

Selbstverständlich. Aber - Sie glauben wahrscheinlich , das alle Produzenten alles so schön dreifach verpacken , weils denen Spass macht. Ist aber leider nicht so - es sind wir die Kunden . die da und dort immer diese [...] mehr...

17.10.2009 von kerstin andrea:

Besser wäre Müllvermeidung! mehr...

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