Von Markus Deggerich
Das EnBW-Desaster sei nur ein Vorbote, unken Experten. Bernd Bilitewski, Dresdner Professor für Abfallwirtschaft, warnte bereits, die neue Technik sei weitgehend gescheitert: "Probleme mit nichtfunktionierenden Anlagen werden in den nächsten Jahren Landkreise und Städte, die sich auf diese Technik eingelassen haben, noch sehr viel Geld kosten."
Doch nicht nur unsortierter Hausmüll türmt sich inzwischen in Notlagern, auch die in den MBA umständlich als "Energieträger" gewonnene "heizwertreiche Fraktion" wächst in den Himmel. Denn es fehlen die Abnehmer - obwohl die MBA-Betreiber den Kraftwerken im Durchschnitt sogar noch 75 Euro pro Tonne draufzahlen, damit sie den Restmüll verfeuern.
Landen Millionen Tonnen Hausmüll in Bergbaugruben?
Allein in Brandenburg stapeln sich 100.000 Tonnen Brennstoff in einem neuangelegten Zwischenlager bei Senftenberg, ein Genehmigungsverfahren für weitere 100.000 Tonnen läuft bereits. Im beschönigenden Mülldeutsch heißt das aber nicht Zwischenlager, sondern: Transportunterbrechung. Immer wieder kommt es in solchen Zwischenlagern zu gefährlichen Schwelbränden.
Der Entsorgungsstau in Deutschland fördert den Mülltourismus und dubiose Geschäfte. Der Vorstandsvorsitzende des Verbands Kommunale Abfallwirtschaft, Rüdiger Siechau, schimpfte, Abfall gehe immer den "Weg des geringsten Geldes": Unbehandelter Hausmüll werde wieder auf Deponien zwischengelagert, exportiert oder illegal verscharrt. Denn rund 40 Milliarden Euro werden pro Jahr im Müllgeschäft umgesetzt - das lockt zweifelhafte Gestalten.
Das Kompetenznetzwerk Mitteldeutsche Entsorgungswirtschaft schätzt, dass rund sieben Millionen Tonnen Müll jährlich illegal entsorgt werden. Das entspricht der Ladung von mehr als 700.000 Müllwagen. Ein beliebter Trick: Die stinkende Fracht verschwindet in Tongruben und Tagebauen, die nicht den strengen Kontrollen des Abfallrechts, sondern dem Bergrecht unterliegen. Bauschutt und Bodenaushub etwa dürfen dort vergraben werden.
Doch nun besteht der Verdacht, dass Müll-Dealer auch unbehandelten Hausmüll - mit Erde vermischt oder falsch deklariert - in solchen Gruben abkippen. In Sachsen-Anhalt leitete die Staatsanwaltschaft Stendal ein Ermittlungsverfahren gegen Grubenbesitzer ein. Im Bundesumweltministerium wird bereits an einer Verordnung gebastelt, die das Schlupfloch im Bergrecht schleunigst schließen soll.
Zugleich müht sich die Müllwirtschaft, die Folgen aus dem MBA-Problem aufzufangen - durch herkömmliche Brennkessel. Quer durch die Republik laufen derzeit Bauvorhaben für 40 neue Müllverbrennungsanlagen. Würden sie tatsächlich alle gebaut, entstünden dann sogar Überkapazitäten. Und der Müllstandort Deutschland droht, mit Dumpingpreisen zum Importeur für Dreck aus der ganzen Welt zu werden.
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