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Umstrittene Aufklärungsbroschüre "Ich habe keine Sex-Tipps gegeben"

2. Teil: "Die Gegner wollen keine Diskussion - da kommt nur Polemik"

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem kann jemand den einen oder anderen Satz missverstehen - wie nun geschehen.

Philipps: Man kann nicht jeden Zweifel, jedes Missverständnis ausräumen. Und selbstverständlich sollte bei einer Überarbeitung der Broschüre alles getan werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Ich behaupte auch nicht, dass mir kein Fehler unterlaufen ist, aber dann muss man eben in eine sachliche Auseinandersetzung gehen. Aber das geschieht nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wieso?

Philipps: Die Gegner outen sich nicht und wollen keine Diskussion; statt konstruktiver Kritik kommt Polemik. Die Zuschriften an mich enthalten weniger Kritik an der Broschüre, sondern eher gesamtpolitische Angriffe. Mir wurde unterstellt, christliche Werte zu verraten. Dagegen verwehre ich mich. Nicht zuletzt arbeite ich selbst in einer evangelischen Beratungsstelle. Es geht nicht um Sittenverfall, sondern um eine bestimmte Haltung, die diesen konservativen Menschen nicht recht ist. Das darf ja auch sein.

SPIEGEL ONLINE: Da prallen zwei Welten aufeinander: die moderne, wissenschaftlich fundierte sexualfreundliche Pädagogik und die Sexualität leugnenden oder verheimlichenden Konservativen. Wie könnte man diese Konfrontation entspannen?

Philipps: Es muss eine Bereitschaft von beiden Seiten geben. Ich nehme immer fachlich Stellung und zeige, wie ich zu dieser professionellen Position komme. Ich frage meine Gegenüber, wie sie sich eine erfolgreiche Aufklärung und Kinderschutz vorstellen - und bekomme keine Antwort, nur viele Vorwürfe. Es gibt in diesem demokratischen Land verschieden denkende Menschen. Das ist dann nun mal der Preis, dass da ohne fachliche Fundierung Vorwürfe erhoben werden. Ich fände es schade, wenn das, was wir in den vergangenen 30 Jahren auf dem Gebiet der frühkindlichen Sexualpädagogik erreicht haben, zerstört würde und Eltern erneut verunsichert - wegen einer wenig fundierten Meinung einer relativ kleinen Gruppe.

Das Interview führte Franziska Badenschier

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