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Zwangsheiraten Zum Urlaub in die Ehehölle

2. Teil: Für 50.000 Euro eine Zweitfrau aus der Türkei gekauft

Zwangshochzeiten werden auch von der Türkei aus nach Deutschland arrangiert. Eine Mitarbeiterin von "Hatun und Can" schildert einen aktuellen, besonders haarsträubenden Fall: Ein Mann in Berlin, verheiratet mit einer Türkin, wollte eine zweite Frau aus der Heimat. "50.000 Euro zahlte er der Familie für die zweite Braut - der er natürlich nichts davon sagte, dass er in Deutschland schon eine Frau hatte." Das Paar habe bei einem Imam in der Türkei geheiratet, dann kam sie per Touristenvisum mit zu ihm nach Berlin. "In Deutschland sperrte er die zweite Frau in den Keller. Er schlug sie. Sie verlor ihr Baby."

Irgendwann sei ihr die Flucht in eine westdeutsche Stadt geglückt, sagt Becker. "Sie ist in den Zug gestiegen, hat sich die Fahrt über auf einer Toilette eingesperrt, weil sie keine Fahrkarte hatte." Beim Aussteigen sprach sie in ihrer Not eine türkische Familie auf dem Bahnsteig an, die sie erstmal aufnahm.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den Mann. Die Frau aber kann nicht zurück zu ihrer Familie in die Türkei, die sie verkauft hat. "Das Geld können die nicht mehr zurückzahlen. Und das bedeutet, dass sie immer noch 'verkauft' ist", sagt Becker. Die einzige Möglichkeit sei jetzt, die Frau in ein Frauenhaus in der Türkei zu schaffen. Denn in Deutschland lebt sie wegen des abgelaufenen Visums schon illegal.

Forderungen nach längerem Wiederkehrrecht

Zwangsheirat im Sommerurlaub, Braut-Import nach Deutschland - die Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes" kritisiert in diesem Zusammenhang auch die deutschen Ausländergesetze. Mädchen oder Frauen mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft dürfen nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, wenn sie länger als sechs Monate im Ausland waren. Das heißt: "Wenn ein Mädchen von ihren Eltern in die Türkei verschleppt, verheiratet, dann misshandelt wird und erst nach einem halben Jahr das Geld für eine Flucht beisammen hat - dann bekommt sie in Deutschland keine Chance mehr für einen Aufenthalt", sagt Myria Böhmecke. "Terre des Femmes" fordert eine Verlängerung des Wiederkehrrechts auf drei Jahre.

Genaue Zahlen über Zwangsheiraten gibt es nicht, nur Schätzungen. Jedes Jahr werden wahrscheinlich weit mehr als tausend Frauen und Mädchen in Deutschland Opfer - und das Problem wird scheinbar größer. Bei "Terre des Femmes" haben sich in den vergangenen zwei Jahren fast doppelt so viele Betroffene gemeldet wie in den Jahren davor. "Und auch die Zahl derer, denen Verschleppung ins Ausland droht, ist gerade vor den Sommerferien stark angewachsen", sagt Böhmecke.

Um gegenzusteuern, sei es "sehr wichtig, dass Jugendamtsmitarbeiter besser geschult werden", fordert die Helferin. Sie erzählt von einem 13-jährigen Mädchen, das sich an das Jugendamt wandte, weil sie sich vor einer Zwangsheirat fürchtete. Erst glaubten die Mitarbeiter ihr, dann überredete die Mutter das Mädchen, zur Familie zurückzukehren. Ein paar Tage später eskalierte die Situation erneut. Die 13-Jährige bat wieder um Hilfe beim Jugendamt. Dort tat man die Anfrage als pubertär ab - und ließ das Mädchen ohne Hilfe stehen.

Zwei Tage später wurde es in die Türkei geschafft. "Und dann können wir meist nichts mehr machen", sagt Böhmecke.

*Namen geändert

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